Mega-Galvanik wird nicht am GTO-Standort gebaut

Die KST-Gruppe investiert in Polen und in Döbeln. Auch im Industriegebiet an der A 72 wird es Veränderungen geben - die nicht nur ein voreilig aufgestelltes Schild betreffen.

Heinsdorfergrund.

Auch wenn es ein seit einigen Tagen oberhalb des Heinsdorfer Automobilzulieferers Galvanotechnische Oberflächen GTO stehendes Bauschild anders ausweist: Die Industriegruppe Kap Surface Technologies (KST), zu deren vorwiegend für die Automobilindustrie fertigenden Mitgliedsfirmen GTO seit zwei Jahren gehört, investiert dort nicht in die von KST-Geschäftsführer Nicolai A. J. Baum jüngst angekündigte Mega-Galvanik. Die Investition "im deutlich zweistelligen Millionenbereich" erfolgt nach einer jetzt in der Gruppe getroffenen Entscheidung an KST-Standorten in Polen und in Döbeln.

Das von der Firma Goldbeck aufgestellte Schild, das über den Bau des "modernsten Beschichtungszentrums für Zink und Zink-Nickel" informiert, soll in Kürze abgebaut werden. "Das Aufstellen des Schildes war von uns nicht beauftragt und etwas voreilig", erklärt der KST-Gesellschafter auf Anfrage. Demnach sollte Goldbeck für den Fall eines Engagements im Industriegebiet an der A 72 in der Tat eine neue Halle errichten. Allerdings fiel die Entscheidung in der Holding "nach einer genauen Analyse" letztlich gegen den vom Großbrand im Juni gebeutelten Standort. Baupläne für ein neues Werk oberhalb von GTO hatte es bereits vor dem Brand gegeben. "Das Vorhaben war auch danach vorbehaltlich der nun getroffenen Entscheidung im Gespräch."

Das Bauschild hatte jüngst beispielsweise im Heinsdorfer Rat für Verwunderung gesorgt. Gemeinderat Torsten Hofmann hatte nachgefragt, ob denn schon eine Entscheidung für den Standort gefallen sei. Da konnte jedoch auch mit Tobias Keller der Chef des zuständigen Planungszweckverbandes nur mit den Achseln zucken: "Auch ich war überrascht und dachte, da rollen demnächst die Bagger an."

Gebaut werden die mega Zink-Zink-Nickel-Anlagen in Gestell- und Trommelausführung nun andernorts. In den dafür gewählten KST-Standorten gibt es dafür bereits bestehende, ursprünglich für andere Zwecke gebaute Fertigungshallen. Das sei neben der Kundennähe ein Grund, warum die Trommel-Beschichtung in Döbeln und die Gestell-Galvanik in Polen gebaut wird: In Döbeln kann die Produktion deshalb bereits Ende 2020 anlaufen - in Heinsdorf wäre das erst 2021 im Sommer möglich gewesen, sagt der KST-Chef. "Wir haben jetzt einen gigantischen Großauftrag gewonnen, der uns quasi den Takt vorgibt." Für Polen habe neben der Kundennähe der Kostenvorteil und die sofortige Verfügbarkeit der benötigten Arbeitskräfte gesprochen. Die Anlagen verdoppeln im Vergleich zu der beim Juni-Brand vernichteten GTO-Technik die Produktionskapazität.

Von dieser Investition und anderen unternehmerischen Entscheidungen der Holding ist indes auch das Vogtland betroffen. Zwar soll die GTO-Produktion eins zu eins weiterlaufen. "Allerdings kommt es in der Verwaltung zu Anpassungen." Den davon betroffenen Mitarbeitern sollen alternative Arbeitsplätze angeboten werden. Und: Die bereits drei Jahre vor dem Brand gekaufte Expansionsfläche oberhalb von GTO sowie die erhalten gebliebene Grundplatte der abgebrannten Halle sollen im Hinblick auf mögliche spätere Investitionen als Bauflächen vorgehalten werden.

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