Messerangriff: Das Gericht zweifelt

Vorigen Sommer wurde in Plauen ein 19-Jähriger mit einem Messer schwer verletzt. Danach marschierten Rechtsextreme mit seinem blutigen Shirt durch die Stadt. Warum der Beschuldigte vom Gericht freigesprochen wurde.

Plauen.

Eine Nachricht, die vergangenes Jahr im Juni viele Plauener zusammenzucken ließ, hat vor Gericht eine überraschende Wendung genommen. Es ging um einen Messerangriff. Ein 19-Jähriger war damals bei einer nächtlichen Auseinandersetzung am Straßberger Tor mit Messerstichen am Rücken verletzt worden. Das Messer soll ein 18-Jähriger gezückt haben.

Das Jugendschöffengericht im Amtsgericht Plauen hat den Beschuldigten jetzt freigesprochen. Es zweifelt an der Glaubhaftigkeit der Zeugen. "Das Gericht konnte sich nicht davon überzeugen, dass der Angeklagte ein Messer gezogen und zugestochen hat", sagt Amtsgerichtsdirektorin Regina Tolksdorf.

Der Geschädigte und die Zeugen seien der rechtsradikalen Szene zuzuordnen und selbst zum Teil verurteilte Gewalttäter. Erst kurz vor dem Streit soll der Geschädigte wegen Gewaltdelikten verurteilt worden sein. "Die Zeugenaussagen waren alkohol- und lagerbedingt höchst unterschiedlich", sagt Herbert Posner, Strafverteidiger des Beschuldigten, nach dem Prozess. Das Verletzungsbild und die Tiefe der Schnitte hätten nicht zu einem einzelnen Stich mit einem sieben bis zehn Zentimeter langen Messer gepasst.

Als der junge Mann niedergestochen wurde, trug er ein T-Shirt der rechtsextremen Partei Der Dritte Weg. Die bezeichnete ihn als Parteiaktivisten und marschierte wenig später mit seinem blutverschmierten Shirt durch Plauen und machte Stimmung gegen Ausländer.

Ins Internet schrieb der Dritte Weg unter anderem diesen Satz: "Eine Idee, deren Zeit gekommen ist, lässt sich auch durch ein Messer nicht aufhalten. Wir werden durch diese Tat nur stärker!" Kurz nach dem Marsch sollen vermummte Personen in das Wohnhauses des Tatverdächtigen eingedrungen sein. Der Beschuldigte ist ein in Plauen geborener Deutscher, der nach Einschätzung der Ermittler aus schwierigen Verhältnissen stammt. Sein Vater ist Tunesier. In dieser Nacht, so heißt es, war er zusammen mit Einheimischen und Ausländern in der Stadt unterwegs. Den Geschädigten begleiteten seien Freunde der rechtsextremen Partei, als es am Straßberger Tor zum Streit zwischen den Gruppen kam. Man habe sich gegenseitig beleidigt, so das Gericht.

Abgeschlossen ist der Fall noch nicht. Nach dem Freispruch haben Staatsanwaltschaft und Nebenkläger Berufung eingelegt. In nächster Instanz muss sich das Landgericht Zwickau damit beschäftigen, was in jener Sommernacht vergangenen Jahres in Plauen passierte. Es rollt den Prozess neu auf.

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