Militärverwaltung besetzt Ämter neu

Nach der Entlassung aktiver Nazis sorgten die Amerikaner im Mai 1945 für neues Personal in der Stadtverwaltung Reichenbach. Ein Rechtsanwalt wurde Oberbürgermeister.

Reichenbach.

Einen Monat, nachdem die Stadt Reichenbach am 17. April 1945 kampflos an die aus Richtung Greiz anrückenden US-amerikanischen Truppen übergeben worden war, installierte die amerikanische Militärverwaltung eine neue funktionierende Stadtverwaltung.

Aktive Nazis wurden entlassen. Der Neuanfang sollte mit einer neuen Besetzung der Ämter einhergehen. Nach ersten Gesprächen hatten die Amerikaner den Wirtschaftsprüfer Paul Junghanns als neuen Oberbürgermeister von Reichenbach als Nachfolger von Dr. Otto Schreiber vorgesehen. Da es aber zu keiner Einigung mit kommunistischen Vertretern kam, verzichtete dieser auf das Amt, übernahm aber in der neuen Verwaltung die Verantwortung für das Bankwesen. Eine unbescholtene Person mit akademischer Bildung wurde auf Wunsch der Militärverwaltung schließlich als neuer Oberbürgermeister eingesetzt. Es war der Rechtsanwalt Dr. Ernst Fugmann, der das Amt bis 1946 ausübte.

Das für den Wiederaufbau wichtige Ressort erhielt der Baumeister und Architekt Fritz Schneider, der allerdings am 25. September bei einer Dienstfahrt auf der Autobahn tödlich verunglückte. Im Rahmen der Straßenumbenennung 1945 wurde aus der Braunstraße die Fritz-Schneider-Straße. Zuständig für die Sicherung der Gas- und Wasserversorgung wurde der Ingenieur Hans Zahn, der sich besondere Verdienste um den Bau des Wasserturms und der Wasserversorgung in Reichenbach erworben hatte. Das wichtige Ernährungsamt bekam der Kleinunternehmer Karl Orlamünder. Polizeichef wurde der Kriminal-Oberkommissar Adolf Fritzsch. Die Bekanntmachung datierte vom 17. Mai. Die neue Ämterbesetzung galt ab 25. Mai 1945, 14 Uhr.

Die Not der Bevölkerung war weiter groß und die Lebensmittelversorgung katastrophal. Pro Person gab es Ende Mai 1945 pro Woche auf Lebensmittelmarken eine Zuteilung von 1 kg Brot, 75 g Nährmittel, 200 g Zucker und 150 g Fleisch.

Übrigens: Wie "Der Spiegel" am 23. März 1950 berichtete, war Oberbürgermeister Ernst Fugmann unter sowjetischer Besatzung in Reichenbach auch an der Inhaftierung und Enteignung von Fabrikanten beteiligt. Geschildert wird das Schicksal von Franz Pöhler, Inhaber der gleichnamigen Spinnerei und Weberei. Fugmann, 1902 geboren, verzog 1946 nach Westdeutschland und verstarb dort 1948. Er war zuletzt Mitglied der SPD. (mit gb)

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