Mit dem Krieg verschwinden Denkmäler aus dem Stadtbild

Metalleinfassungen, Stahlzäune und Denkmäler wurden einst für den Zweiten Weltkrieg gebraucht. Vieles blieb für immer verloren.

Reichenbach.

1940, bereits nach einem Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurden wieder Metalle für die Rüstungsindustrie gesammelt. Schon im Ersten Weltkrieg gab es solche Aktionen mit dem heuchlerischen Motto "Gold gab ich für Eisen". Im Februar 1940 wurde mit einem Dekret an die Minister des Reiches die flächendeckende Sammlung von Metallgegenständen vor allem aus Messing, Kupfer, Bronze, Eisen und Zinn zum Einschmelzen angeordnet. Aufgefordert waren die Bürger, Unternehmen, Kommunen, Vereine und Kirchgemeinden.

Die "Spender" erhielten als Dank eine Urkunde des "Führers". Im Kriegsverlauf kam es zu einer systematischen Erfassung von Metallgegenständen im öffentlichen Raum. Dazu gehörten Denkmäler, Brunneneinfassungen, schmiedeeiserne Tor- und Zaunanlagen sowie Brückengeländer. Gedroht wurde bei Sammlungsverweigerung in der "Verordnung zum Schutz der Metallsammlung des deutschen Volkes" mit der Todesstrafe, wenn sich "bereichert wird oder das Material seiner Verwendung "für den großdeutschen Freiheitskampf entzogen wird".

Der Höhepunkt der Metallerfassung und Sammlung war das Abhängen von bronzenen Kirchenglocken. Das waren 90.000 Glocken im Deutschen Reich und in den besetzten Gebieten. So wurden zum Beispiel wie bereits im Ersten Weltkrieg die mittlere und die große Bronzeglocke der Trinitatiskirche in Reichenbach eingeschmolzen. Auch wurden die Denkmäler aus der Kaiserzeit auf diese Weise beseitigt. Die Statue des Kaisers Wilhelm I. vom Marktplatz kam zunächst auf die Schöne Aussicht und danach zum Einschmelzen. Das König-Albert-Denkmal wurde ebenso erfasst. Das 1905 auf den Königsplatz (heute Postplatz) eingeweihte Denkmal kam 1928 auf den Albertplatz (heute Friedrich-Engels-Platz), weil der Postplatz für den Straßenverkehr umgestaltet wurde. Übrig geblieben ist von seinem ehemaligen Standort auf dem heutigen Friedrich-Engels-Platz nur noch der steinerne Sockel neben dem Eingang zum ehemaligen Bunker.

Auch aus dem Reichenbacher Heimatmuseum am Johannisplatz wurden Sammlungsgegenstände wie Stahlhelme, Patronenhülsen und Bruchstücke von Geschossen eingezogen. Die Friseurinnung "spendete" die Metallspitze der Innungsfahne und altehrwürdige Wasserbecken aus den Salons.


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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    2
    Interessierte
    01.03.2020

    Und was dann noch übrig und noch dazu kam , das haben die Kapitalisten nach der Wende eingeschmolzen oder mitgenommen und sich bereichert …
    Wenn das Alles nicht so traurig wäre , würde ich mich ja` gar nicht aufregen ...
    Und wenn das Alles nicht passiert wäre , gäbe es keinen Grund , sich aufzuregen …
    Wenn alles gut gegangen wäre , könnte man sich ja freuen über das Gelungene ….

  • 0
    1
    485997
    29.02.2020

    Und was übrig blieb, haben nach dem Krieg die Kommunisten eingeschmolzen. Allesamt Verbrecher.