Mit Pickelhaube und Computer: Stadtmuseum geht ins Internet

Michael Heuck, der Chef der Lengenfelder Einrichtung, nutzt die Schließzeit seines Hauses. Können sich keine Besucher sich im Haus umschauen, so bringt er Ausstellungstücke virtuell zu den Neugierigen.

Lengenfeld.

Ein Teil der Ausstellungen des Lengenfelder Stadtmuseums ist im Internet zugänglich: Michael Heuck, der Museumsleiter, hat einige Ausstellungsstücke in eine bundesweite Datenbank eingefügt, die öffentlich zugänglich ist. Dort werden auch Hintergrund-Informationen zu den Ausstellungsstücken geliefert. Der Museumschef möchte damit Menschen die Möglichkeit geben, sich mit der Lengenfelder Stadtgeschichte auch während der Schließzeit der Einrichtung zu beschäftigen.

Heuck nutzt die Zeit des Lockdowns im Wesentlichen für drei Aufgaben, die währen des regulären Betriebes immer ein wenig zu kurz kommen: Er archiviert, ermöglicht virtuelle Rundgänge und stellt museumspädagogische Angebote online. Hilfreich sind dabei zwei Internetplattformen. Auf "www.museum-digital.de" kann Heuck gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: "Das ist eine bundesweite Museumsplattform, auf der textliche und bildliche Informationen zu Sammelstücken eingepflegt werden können. Gleichzeitig kann ich mir die Inhalte als Inventarlisten ausdrucken." So erklärt er den doppelten Nutzen dieser Internetseite.

Die Seite "www.Sachsens-Museen-entdecken.de" wendet sich besonders an Lehrer und Erzieher. Die Museen stellen dort pädagogische Angebote ein, die zu den Lehrplänen passen, welche die Schulen dann für ihren Unterricht nutzen können. 35 Sammelstücke hat Heuck bisher in das digitale Museum gestellt. Angesichts von rund 100.000 Sammelstücken, die das Museum beherbergt, liegt also noch ein ganzer Berg Arbeit vor dem Museumschef.

Jährlich kommen neue Sammelstücke dazu, jüngst waren es unter anderem 38 Schellackplatten und eine Diasammlung. Heuck: "70 Neuzugänge pro Jahr sind keine Seltenheit." Für jedes neue Stück gelte die gleiche Herangehensweise: "Ich prüfe, ob das Stück zum Sammelziel des Museum passt und etwas mit der Lengenfelder Stadtgeschichte zu tun hat." Zudem schaue er nach, ob ein solches Sammelobjekt schon im Museum vorhanden sei und in welchem Zustand sich das Stück befinde. Heuck: "Nehme ich das Objekt in die Sammlung auf, inventarisiere ich es auch gleich. Ein Übernahmevertrag gehört zu den Formalien." Er versuche, möglichst viel über die Vorgeschichte des Objektes zu erfahren. Dann müsse er noch entscheiden, ob das Objekt ins Depot oder in die Dauerausstellung kommt.

Bei der großen Menge an vorhandenen und neuen Sammelstücken habe systematisches Vorgehen deshalb äußerste Priorität. "Ich nehme mir Raum für Raum der Dauerausstellung vor und erfasse zuerst die dort gezeigten Ausstellungsstücke", erklärt der Museumsleiter.

Was einfach klingt, ist manchmal mit einem großen Rechercheaufwand verbunden. "Entweder ich finde Informationen in handgeschriebenen Inventarlisten oder ich schaue in einem Ordner aus dem Jahr 2008 nach. Dort sind viele Ausstellungsstücke der Dauerausstellung erfasst. Die Daten sind aber oft sehr lückenhaft. Fehlende Informationen muss ich recherchieren und ergänzen", erklärt Heuck die Vorgehensweise.

Mit dem Inventarisieren beginne zugleich das Forschen, sagt Heuck und fügt an: "Ein Museum hat die Aufgabe zu sammeln, zu bewahren, zu forschen, auszustellen und Wissen zu vermitteln. Diese Aufgaben stehen gleichberechtigt nebeneinander."

Eines der Stücke, bei dem Heuck bereits den Übergang von der analogen zur digitalen Erfassung vollzogen hat, ist eine Pickelhaube aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Der Besitzer ist bekannt, ein Lengenfelder, der in Plauen als Oberamtsstraßenmeister gearbeitet hat. Die Pickelhaube gehört zu einem Offiziersdienstgrad der Artillerie. Sie ist aus Leder gefertigt und unter anderem mit dem sächsischen Wappen und der Königskrone verziert. "Das Besondere an dieser Pickelhaube ist der sehr gute Erhaltungszustand", so Heuck. Die Beschreibung zur Haube hat er in einem handgeschriebenen Inventarverzeichnis der 1950er-Jahre gefunden und diese vor wenigen Tagen ins digitale Museumsportal übertragen.

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