Mit Punkten wie ein Dalmatiner: Vogtländerin züchtet neue Rasse

Sandra Erlers Kaninchen im gescheckten Gewand haben es bis zum eigenen Standard geschafft. Jetzt dürfen sie sich den Preisrichtern stellen.

Kaninchenzüchterin Sandra Erler aus Thoßfell ist am Ziel ihrer Wünsche. Zwei Jahre hat sie sich gemeinsam mit etwa 20 anderen Züchtern aus ganz Deutschland dafür eingesetzt, dass die Rasse "Kleinrex königsmantelgescheckt schwarz-gelb" vom Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter als neue Rasse anerkannt wird.

Die etwas umständliche Bezeichnung setzt sich aus dem Rassenamen zusammen und dem anerkannten Farbenschlag: schwarz-gelb. Das bedeutet: Gelb ist die Grundfarbe. Latz, Hals und Brust sind weiß gefärbt, die Punkte schwarz. Es handelt sich also um eine aus drei Farben bestehende Fellfärbung und damit um eine schwere Zucht, aber auch um eine besonders schöne. Das findet zumindest Sandra Erler. Ihr haben die Tiere auf Anhieb gefallen. Ein bisschen wie Dalmatiner, ein bisschen wie der namensgebende Königsmantel, dazu das samtweiche Fell, auf jeden Fall aber edel und besonders - das macht die Optik dieser Tiere aus. Etwa 50 Prozent der bei Sandra Erler geborenen Jungtiere tragen die Farben so, wie es der Zuchtstandard vorsieht. "Das ist ein gutes Resultat. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle Tiere für die Ausstellung geeignet sind."

Die Anerkennung der Rasse erfolgte auf der Bundesrammlerschau im Februar 2019 in Halle. Dort konnten die Züchter erstmals die geforderten 20 Tiere vorstellen, die mindestens eine Bewertung mit "sehr gut" erhalten haben. Auch die im Anerkennungsverfahren geforderten 200 Jungtiere wiesen die Züchter nach. Die Anerkennung gilt ab dem Zuchtjahr 2020, das am 1. Oktober des Vorjahres begann. "Alle ab diesem Datum geborenen Jungtiere kann ich bei den nächsten Ausstellungen dem Zuchtrichter präsentieren und bewerten lassen", so Erler.

Andere Länder haben die Rasse schon seit Längerem anerkannt, aber nicht nur mit einem Farbenschlag, wie in Deutschland, sondern mit vier Farbenschlägen. Auch die deutschen Züchter möchten weitere Farbenschläge anerkannt haben und arbeiten daran, so auch Erler. "Ich habe noch keinen Antrag gestellt aufgrund der derzeitigen Situation, aber ich möchte mich um die Anerkennung weiterer Farbenschläge bemühen", sagt die junge Frau.

Farbenzuchten seien einen Zacken schwerer als die Zucht einfarbiger Rassen. Der Züchter müsse sich mit Vererbungslehre auskennen. "Trotzdem verteilt die Natur die Farben dann oft genug anders, als ich mir das vorgestellt habe." Wie viele Tiere eines Wurfs die gewünschten Farbzeichnung tragen, lässt sich erste nach und nach erkennen. "Am ersten Tag sieht man die Farbe noch nicht. Nach fünf Tagen ist die Zeichnung schon besser zu erkennen. Wenn die Kleinen nach drei bis vier Wochen aus dem Nest kommen, sehe ich die Zeichnung schon gut."

Ihre ersten fünf Zuchttiere hat sie im Herbst in Colditz bei einer Club-Schau ausgestellt und prompt beste Ergebnisse eingefahren. "Das beste Zeichnungstier kam aus meiner Zucht", sagt die junge Frau. Für die Züchterin sind ihre königsbemantelten Kleinrexe weniger Nutztiere, sondern mehr Liebhaberobjekte. "Mein Rammler, der 97,5 von 100 Punkten bekommen hat, landet nicht in der Pfanne. Er darf bei mir an Altersschwäche sterben."


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