Mord und Totschlag vor der Haustür

Ein kriminalistischer Reiseführer macht mit gehobenen Badeorten bekannt und lässt dabei das Vogtland nicht außen vor.

Netzschkau/Meßkirch.

Mehrere Sachen zugleich betreiben, das verspricht noch am ehesten Erfolg in einer Welt immer neuer, unerbittlich konkurrierender Angebote. Der Maxime trägt wohl auch eine Neuerscheinung des Meßkircher Gmeiner-Verlags Rechnung, an der die Netzschkauerin Petra Steps als Co-Herausgeberin und Autorin beträchtlichen Anteil hat.

Die unter dem Titel "Mörderische Prachtbäder" versammelten elf Kurzkrimis stehen nicht allein für Spannung, Unterhaltung und unterschiedlichste Spielarten des Humors. In den Texten sind auch von der Handlung berührte Sehenswürdigkeiten markiert, zu denen es jeweils in einem Anhang gesonderte Informationen gibt. Ob sich der Leser damit sofort vertraut macht oder die 125 Besichtigungstipps am Ende in einem Zug auf sich wirken lässt, dürfte kaum von Bedeutung sein. Die Chancen, Reiselust Richtung Bayern, Sachsen, Tschechien und Thüringen zu bekommen, wo die beschriebenen Badeorte liegen, stehen gut. Es wird nämlich nicht nur etwas über Natur, Historie oder Baukunst mitgeteilt; das Gastronomische und diverse andere Zeitvertreibe kommen auch nicht zu kurz.


Die Geschichten selbst lassen die gesamte Breite heutiger Krimiliteratur ahnen. Da findet sich der eiskalte Thriller ebenso wie die feingestrickte psychologische Charakterstudie, wird einerseits akribische Ermittlungsarbeit geschildert, während anderorts der Fantasie, dem freien Fabulieren keine Grenzen gesetzt scheinen. Und bekommt der Leser öfter minutiöse Tatabläufe serviert, spielt manchmal das Verübte oder Geschehene als solches angesichts nicht ganz geheurer Begleitumstände - wobei das lüstern Erotische keineswegs ausgespart bleibt - eher eine Nebenrolle. Was das in der Anthologie vertretene vogtländische Autoren-Trio angeht, so schlägt es sich mehr als achtbar.

Petra Steps widmet sich in "Nobbis Schatten" mit teils feiner, teils unverblümter Ironie einer interessanten Geschäftsidee. Ein deutschlandweit agierendes Netzwerk erkundet vollzogene Seitensprünge in Kurorten und schlägt daraus Kapital. Die beiden Kolleginnen, die in Bald Elster einen lukrativen Fall am Wickel haben, scheinen am Ende, weil das zentrale Beweisstück verloren geht, um den Lohn ihrer Mühen gebracht. Doch man weiß sich zu helfen ... In Bettine Reichelts raffiniert gebauter Marienbad-Story "Frau Goethins letzte Liebe" sucht eine in die Jahre gekommene Frau - ganz so wie einst an dem Ort der große Dichter - die Nähe der Jugend und krallt sich da an einem ansehnlichen Vertreter mit aller Kraft fest. Der aktionsreiche Schluss des Ganzen ist in seiner frappierenden Kürze ein literarisches Meisterstück.

Christoph Krumbiegels in Bad Brambach angesiedelte, fesselnd geschriebene Begebenheit "Pasenaks Erleuchtung" schließlich führt in die Untiefen der Politik wie in die Welt der modernen Raketentechnik. Doch ein Racheakt, der einem skrupellosen Wende-Gewinnler gilt, scheitert auf spektakuläre Weise, weil es jemand mit der Planung zu gut gemeint hat.

Service

Friederike Schmöe/Petra Steps. Mörderische Prachtbäder. Gmeiner-Verlag. 281 Seiten. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2234-8.

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