Museum bewahrt Aufzeichnung zu Trauerbräuchen

Viele Menschen besuchen am Totensonntag die Gräber ihrer Verstorbenen. In Lengenfelder geben erhaltene Dokumente Auskunft, wie frühere Generationen mit dem Tod umgingen.

Lengenfeld.

Im Lengenfelder Museum existiert ein ganzer Ordner mit Aufzeichnungen über Bräuche aus der Stadt und den Ortsteilen zu verschiedenen Anlässen: Auch dem Sterben haben sich die Hobbyforscher der damaligen Zeit gewidmet.

Das Sterben, die Beerdigung und die Trauerzeit waren in früheren Zeiten von zahlreichen Mythen, Aberglauben, religiösem Glauben und Bräuchen begleitet. Einige dieser Bräuche sind erhalten geblieben. Entstanden ist die Sammlung Ende der 1930er-Jahre. Die Kantoren der Dörfer füllten damals Fragebögen aus, die Kurt Gerber, der Begründer des Lengenfelder Stadtmuseums, erarbeitet hatte. Alle Rituale, egal ob mit religiösem Hintergrund oder dem Volksglauben entsprungen, haben das gemeinsame Ziel, den Hinterbliebenen das Abschiednehmen und den Schmerz zu erleichtern.

Einige Tiere galten in alter Zeit als Vorboten des Todes. Den Ruf des Käuzchens "kiwitt-kiwitt" deuteten die Menschen seit dem Mittelalter als Todesbotschaft: "Komm mit, komm mit!" Über dem Haus kreisende Krähen, ein über das Dach fliegender und dabei krähender Hahn galten ebenfalls als Vorboten des Todes. Dass ein zerbrochener Stollen den Tod bringen soll, wissen auch heute noch einige Ältere zu berichten. Früher war es auch üblich, die Tiere des Verstorbenen über den Tod ihres Herrn zu informieren. In Irfersgrün klopfte man den Kühen auf das Hinterteil und sagte dabei: "Euer Hausherr ist gestorben." Früher und heute schloss man dem Verstorbenen Mund sowie Augen und öffnete das Fenster, letzteres damit die Seele entweichen konnte. Das Anzünden einer Kerze ist bis heute Zeichen des Gedenkens.

Männer wurden einst in ihrem schwarzen Anzug bestattet, den sie zu Lebzeiten nur zur Hochzeit, beim Kirchgang, zur Taufe und bei Beerdigungen getragen hatten. In fast allen Orten rund um Lengenfeld war es üblich, dem Verstorbenen Gebrauchsgegenstände mit ins Grab zu legen: Kamm, Zahnbürste, Skatkarten, Trinkgefäße oder Tabakspfeife.

Leichenzüge sind aus dem heutigen öffentlichen Leben komplett verschwunden. Früher setzten sie sich nach einer feststehenden Ordnung in Bewegung. Der Kreuzträger führte den Zug an. Es folgten der Kantor, die Chorkinder, die Musikkapelle. Kinder, Ehegatten und Verwandte liefen hinter dem Sarg. Es war üblich, dass die Einheimischen einem Leichenzug entweder aus dem Weg gingen oder durch stummes Stehenbleiben den Toten würdigten. Im Mittelalter entstanden so genannte Peststeige. Das waren Wege, die abseits der Hauptstraße zum Friedhof führten. Einige Teile dieser alten Wege sind auch in Lengenfeld noch erhalten. Der Pfarrsteig und die sich an die Untere Pfannenstielgasse anschließenden schmalen Pfade zwischen den Gärten seien solche alten Wege, sagt Museumsleiter Michael Heuck.

Zum heute noch üblichen Ritual, dem Sarg drei Schaufeln Erde nachzuwerfen, schreiben die Verfasser der alten Sterbebräuche, dass sei die kirchlich gemilderte Form der alten Sitte, auf dem Grab Erde und Steine anzuhäufen, damit der Tote nicht wiederkommen kann. Das Nachwerfen von Blumen ist damals wie heute ein Zeichen des Verabschiedens. An Stellen, wo Menschen zu Tode kamen, stellte man früher schon Kreuze, auch Steinkreuze auf. Holzkreuze an Straßen, an denen sich tödliche Unfälle ereigneten, führen heute diesen Brauch fort.

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