Musik als Kraftquelle für die Bewältigung von Problemen

Die Vogtland Philharmonie, Gesangssolisten und Chor erinnerten beim Konzert in der Stadtkirche Mylau an den Mauerfall vor 30 Jahren. Beim Blick zurück blieb es nicht.

Mylau.

Sich gemeinsam in würdiger Form an markante Punkte der Zeitgeschichte erinnern - dafür gibt es im Vogtland nach wie vor ein großes Bedürfnis. Darauf wiesen die vielen Besucher des Festkonzerts "30 Jahre Mauerfall" der Vogtland Philharmonie Samstagabend in der Mylauer Stadtkirche eindrucksvoll hin.

Da gab es keinen freien Platz mehr. Es dürften an die 600 Zuhörer gewesen sein, die zwei Meisterwerke der Musik in bemerkenswerten Interpretationen erlebten. Zunächst boten die Streicher der Philharmonie Samuel Barbers Töne der Trauer und Sorge anschlagendes Adagio aus dem Jahr 1938. Unter Gastdirigent Thomas Gropper nahm das Stück - stets wunderbar im Zarten und Leisen bleibend - bewegend Gestalt an, gewann immer mehr den Charakter eines zu Herzen gehenden Gesangs.

Der geborene Braunlager Gropper, ein renommierter Chorleiter im süddeutschen Raum, prägte auch die den Abend krönende 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. In den drei reinen Instrumentalsätzen wählte der Mann am Pult, alle Extreme meidend, mittlere Tempi und ließ das hochmotivierte, mit dem Werk bestens vertraute Orchester frei musizieren. Steuerte das Geschehen auf einen dynamischen Höhepunkt zu, nahm er das Heft des Handelns energischer in die Hand. So kamen Beethovens Sympathie für Revolutionäres, seine Parteinahme für die Ideen des Humanismus und der Freiheit vehement zum Ausdruck. Dieser stete Wechsel zwischen den verschwenderischen Schönheiten der Musik und ihren Härten und Grenzgängen ließ die Zeit nicht lang werden und manche, mancher im Kirchenschiff dachte dabei wohl an die spannungsgeladenen Ereignisse des Jahres 1989 zurück.

Im vierten Satz, dem Chorfinale mit Friedrich Schillers "Ode an die Freude", setzte sich dieses Gute fort. Eine etwa 80-köpfige Sängerschar, formiert aus Mitgliedern des Marburger Bachchors und der Münchner Arcis-Vocalisten, fand - getragen von brillant agierenden Philharmonikern - zu einer kompakten Einheit zusammen. Sie vereinte vorbildliche Textverständlichkeit mit imponierender Klangfülle, wurde den lyrischen, alle Zeit der Welt habenden Passagen wie den atemlosen, scharf zu akzentuierenden Appellen des Parts gerecht.

Nicht ganz die Erwartungen konnte das verpflichtete Solisten-Quartett erfüllen. Nachdem Bass Joachim Goltz mit dem Solo "O Freunde, nicht diese Töne" überzeugend Farbe bekannte, war im weiteren Verlauf nicht zu überhören, dass Goltz, Ani Taniguchi (Sopran), Sonja Koppelhuber (Alt), und Marco Antonio Rivera (Tenor) in Gestaltung, Stimmvolumen und -färbung doch recht unterschiedlich veranlagt waren. So war nicht immer eine rundum harmonische Ensembleleistung zu erreichen.

Zu Beginn des mit lang anhaltendem und bewegtem Beifall im Stehen bedachten Konzerts sprachen Pfarrerin Ulrike Penz und der Reichenbacher Oberbürgermeister, Raphael Kürzinger (CDU). Sie riefen dabei unter anderem dazu auf, aus der Erinnerung an die 1989 errungene Freiheit auch Zuversicht und Kraft für die Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme zu schöpfen.

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