Musiker entfaltet magische Kraft

Boldizsár Csíky hat in der Calliope-Reihe in Reichenbach Legenden der Klaviermusik gespielt. Der nächste Auftritt steht schon fest.

Reichenbach.

Nicht allein Schauspieler vermögen scheinbar mühelos in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen. Auch einem Musiker kann das Kunststück gelingen. Davon durften sich die etwa 70 Besucher des Konzerts der Calliope Kammermusikreihe am Sonntag im Veranstaltungsforum in der Reichenbacher Wiesenstraße überzeugen.

Der rumänische Pianist und Musikwissenschaftler Boldizsár Csíky ließ nach der Pause auf Johannes Brahms' späte Intermezzi, opus 117, zwei Kompositionen von Franz Liszt folgen: eine von altitalienischer Lyrik inspirierte Fantasie und den Mephisto-Walzer Nummer 1. Dabei war der 49-jährige Professor an der Klausenburger Musikhochschule ein Muster an Anschlagskultur wie an weicher, sanft fließender Tongebung und demonstrierte eine fulminante, Freude machende Spieltechnik. Dank solcher Vorzüge zeichnete er, der auf Studien in Budapest, Lübeck und München verweisen kann, am Sauter-Flügel eindrucksvolle Komponisten-Porträts. Da standen Schlag auf Schlag der abgeklärte, warmherzige, künstlerisch souveräne Brahms und der geniale, aber unstete, musikalisch reichlich Höhen und Tiefen bergende Liszt vor Augen. Im Programm vor der Pause fehlte ein solcher Gegensatz. Csíky erinnerte da einfühlsam an ein legendäres, tragisch endendes Lehrer-Schüler-Verhältnis, als er einige der schönsten Walzer Fédéric Chopins und drei bemerkenswerte, von magischer Kraft erfüllte Stücke des aus Siebenbürgen stammenden Carl Filtsch bot. Filtsch, Lieblingsschüler von Chopin, starb 1845 im Alter von 14 Jahren. Csíky bekam von Anfang an begeisterten Beifall. Das Publikum ließ ihn nicht ohne eine Zugabe von der Bühne.

Sarah Stamboltsyan, die Begründerin der Reihe, hatte noch eine Nachricht parat: Im Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie im nächsten Mai tritt der Pianist erneut in Reichenbach auf. Dann wird er George Gershwins "Rhapsodie in Blue" im Gepäck haben.

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