Musikmarathon führt zwischen Trockenhauben und Ladentheken

Geschäfte in Reichenbachs Innenstadt öffneten ihre Türen für überraschende Angebote. Donner und Blitz kamen hinzu.

Reichenbach.

Beim City-Happening am Samstag haben elf Bands an zehn verschiedenen Orten in der Stadt bewiesen: Zwischen Fleischer- und Bäckertheken, Waschmaschinen und Geschirrspülern, über dem Tresorraum eines Geldinstitutes oder im Angesicht von modernen Hi-Fi-Systemen lässt es sich gut musizieren.

Conny's Bar oder der Kulturkeller und das Foyer im Reichenbacher Neuberinhaus waren die einzigen Räume, an denen auch sonst derartige Auftritte zu erleben sind. Einen völlig ungewöhnlichen Platz hatte Dominik Friedrich gefunden, der im Friseurstudio Haarwelten beinahe unter die Haube gekommen wäre. Seine Songs gefielen auch den Jüngsten, die viel von ihm wissen wollten. "Ist dein Lied schon bekannt", fragte ihn ein Mädchen. "Nicht so, dass es im Radio gespielt wird", so der Musiker. Gesellschaftskritische Auseinandersetzungen mit der Musik waren bei Tipps für Wilhelm in der Sparkasse zu hören, zum Beispiel beim Titel "In den Slums von Disneyland".

Knapp 500 Besucher bedeuten eine geringfügige Steigerung zum Vorjahr. Allerdings wurde die Masse der Tickets im Vorverkauf an den Mann oder die Frau gebracht. Severin Zähringer, der die Veranstaltung mit seiner Agentur Realitätsverlust zum dritten Mal organisiert hat: "An der Abendkasse haben wir diesmal nur noch 70 Karten verkauft. Das kann aber am Wetter gelegen haben." Sturm, Regen und Gewitter machten es nicht leicht, zwischen den Auftrittsorten zu wechseln. Trotzdem waren in den 20-minütigen Pausen zwischen den Auftritten regelrechte Wanderbewegungen zu verzeichnen, die es an einem gewöhnlichen Samstagabend in der Stadt so nicht gibt. Zähringer: "Unsere Vorstellungen gingen auf. Wir wollen Leute zusammenbringen, die Musik mögen und dafür eine große Bandbreite bieten. Der Preis ist so gestaltet, dass alle teilnehmen können, die es wollen." Sowohl von den Musikern als auch von den Gästen habe er viel Positives gehört. Besucher zwischen 7 und 70 Jahren waren unterwegs, um handgemachte Musik von Popmusik bis zu sphärischen und experimentellen Klängen zu hören. Wer sich streng an die Zeitpläne hielt, schaffte sechs Auftritte. Einige wechselten zwischendurch, um noch mehr Kostproben zu bekommen. Manche hätten gern alles besucht. Zähringer: "Wir wollen für jeden etwas bieten und die Leute sollen wählen können. Das ist unser Konzept."

Zur After hour nach vier Stunden Veranstaltungsmarathon fanden sich viele Menschen im Foyer des Neuberinhauses ein. Einige hatten unterwegs noch einmal bei Expert vorbeigeschaut, wo Po-Zart zwischen Haushaltsgeräten heißen Punkrock zelebrierte, der auf der Straße nicht zu überhören war. Im Neuberinhaus erwartete sie Konservenmusik und mit Heart Ovt, die Band, die beim Street Happening im August wegen Technikproblemen nicht spielen konnte.

Vor allem die etwas Älteren hätten sich dort leisere Klänge gewünscht, um den Abend bei Gesprächen ausklingen zu lassen. Zähringer: "Nur DJ funktioniert nicht, aber für 2020 denken wir über etwas Gefälligeres nach." Er ist froh, dass es viele Helfer und Unterstützer gibt, auch das Neuberinhaus, das mit Technik und Personal beteiligt ist. "Ansonsten wäre der Kartenpreis nicht zu halten", meint er.


"Es wird immer ein wenig mehr"

Elke Matthes: "Ich habe mir ganz bewusst Dominik Friedrich ausgesucht. Seine experimentelle Musik gefällt mir gut. Einige andere kenne ich schon von den Bürokonzerten."

Marco Elsner: "Ich habe wie immer in der Fleischerei angefangen. Musikalisch hat mir Finkbass in der Brasserie am besten gefallen. Beste Unterhaltung bot Po-Zart bei Expert Müller. Auch Tipps für Wilhelm in der Sparkasse fand ich gut."

Annette Redmer von der Sparkasse Vogtland: "Meine Kollegen in den anderen vogtländischen Regionen bewundern immer die Reichenbacher Aktivitäten von Happening bis Pop up-Stores. Für die Veranstaltung hier habe ich keine Mühe, freiwillige Helfer zu finden."

Julia Schmidt am Getränkeverkauf in der Sparkasse: "Ich glaube, ich bin bei der besten Band des Abends. Am Ende kann ich die Lieder bestimmt mitsingen."

Hans-Werner Kroker: "Ich habe den Eindruck, es wird immer ein wenig mehr, auch anschließend im Neuberinhaus."

Michael Groß: "Die Veranstaltung ist interessant. Man kann durch die Stadt laufen und anhalten, wo man möchte. Das finde ich gut."

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