Mylauer Trompeter spielt auf neuem Album mit

Lutz Wolf steht oft mit der Musikgruppe Schnaftl Ufftschik auf der Bühne. Gegenwärtig müssen die Fans der Brassband sich jedoch mit Tonkonserven begnügen. Doch dabei gibt es etwas Neues.

Mylau/Berlin.

Der aus Mylau stammende Trompeter Lutz Wolf ist auf der neuen CD der Berliner Musikgruppe Schnaftl Ufftschik zu hören. Die Brassband hat mit "God Brass You" ihr fünftes Album herausgebracht. Wie bei vielen Künstlern erschien die Tonkonserve in der veranstaltungslosen Zeit. Die Musiker hoffen, dass im laufenden Jahr wieder Auftritt möglich sind. Eventuell könnten sie sogar in der vogtländischen Region, wo sie bereits begeisterte Auftritte gefeiert haben, gastieren.

Neben der CD-Präsentation fiel auch ein Projekt mit dem Schauspieler und Perkussionisten Samuel Finzi ins Wasser. Es sollte 2020 eine Tournee unternommen werden. Statt der Konzerte gab es im vergangenen Jahr aber lediglich einen Doppeldeckerbus, mit dem Musiker durch Berlin gefahren wurden, während sie auf dem Oberdeck saßen. In Zeiten der Coronapandemie ist es besonders für ihre Art der unter Aerosolverdacht stehenden Musikausübung schwierig: "Mit Blasinstrumenten sieht es gerade nicht gut aus. Die Situation ist sehr heikel", erklärte der Trompeter und Musikpädagoge.

Das Album "God Brass You" verbindet Musik aus mehreren Jahrhunderten, vereint Rhythmen verschiedenster Kulturen und Kontinente. Espräsentiert einen völlig eigenen Stil, wie er wohl nur der etwas schräg daherkommenden Band eigen ist. Das Album ist eine Reminiszenz an Projekte aus 24 Jahren Bandgeschichte. Vollkommen ungewöhnlich erscheint Franz Schuberts Abendlied ("Der Mond ist aufgegangen") im Reggae-Stil, ausnahmsweise nicht instrumental. "Wir spielen unsere schnaftelige Version und singen alle sieben Strophen", so Lutz Wolf. Mit Klezmermusik wird an das Album "Oi tate" ("Oh Vater") erinnert. "Kolomeike" ist ein ukrainisch-jiddischer Tanz. "Emmas Tango", gleich nach Beethovens "Für Elise" platziert, ist eine Komposition von Lutz Wolf.

Aus ihrer DDR-Vergangenheit haben die Musiker "Kein schöner Land" gerettet und aufgepeppt. Die Version von Klaus Renfts "Irgendwann" stammt aus der Verbindung zum Theater Rudolstadt, wohin sie durch den Intendanten Steffen Mensching und seine Berliner Vergangenheit kamen. Es wurde zwar nicht wie geplant im Stück gespielt, fand aber auf das Album. Von einer Irland-Tournee brachten die Musiker irische Melodien mit. Auch vor Tschaikowskis "Schwanensee" oder Stevie Wonders "Part Time Lover" schreckten die Weltmusiker nicht zurück. "In all den Jahren kamen immer Sachen hinzu, die wir verschnaftilisiert haben", fasst Lutz Wolf zusammen. Mit der Wortschöpfung meint er den speziellen Stil, und: "Wir haben die Freiheit, alles auf unsere Weise zu tun und sind dadurch unverwechselbar." Von ihm stammen auch die Arrangements für die Lieder in der speziellen Besetzung mit Reinhard Gundelwein, Lutz Wolf, Johannes Siedel, Stefan Gocht und Boris Bell. Allesamt sind sie für ihre Experimentierfreudigkeit auch in anderen Projekten bekannt.

Lutz Wolf wuchs in Mylau auf und nahm an der Musikschule ersten Trompetenunterricht. Er schloss nach der Schule eine Ausbildung zum Blechblasinstrumentenbauer in Klingenthal an. Nach dem Studium an der Musikhochschule Berlin schlug er eine Laufbahn als freischaffender Musiker, Arrangeur, Komponist und Musikpädagoge ein. Er spielte im Landesjugend-Jazzorchester Berlin und tritt mit Bands wie Mariachi dos Mundos, 4Jackson, Brass Attack und Schnaftl Ufftschik auf.

Die Musikalben von Schnaftl Ufftschik sind zu finden im Internet unter: www.schnaftl-ufftschik.de

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