Nabil bringt arabischen Wind in Kita Buratino

In der Einrichtung geht es bunt zu: Viele Kinder stammen aus verschiedenen Ländern. Manche sprechen kaum Deutsch. Ein 36-Jähriger aus dem Libanon baut Brücken.

Plauen.

Der Kuchen, den sie mit Nabil gebacken haben, der war ganz schön gut. Sagt Rafael. "Wir haben sogar die Schüssel ausgeleckt", ergänzt Ivo. Emilio fand es besser, sich von dem 36-Jährigen im Kreis herumwirbeln zu lassen. Den sechsjährigen Jungen ist es schnurz, ob Nabil mit ihnen deutsch, arabisch oder südnepalesisch spricht. Hauptsache, mit ihm haben sie Spaß.

Von Juli bis Ende November war Nabil El-Achkar jede Woche ein paar Stunden als Pate im Projekt "Interkulturelles Lernen" in der Kita Buratino. Das läuft über den Verein Arbeit und Leben Sachsen und wird gefördert vom Freistaat. Trommeln, singen, tanzen, kochen, backen, basteln, toben - all das hat er mit den Kindern gemacht, wie er erzählt. Vor sechs Jahren, im Libanon, hat der studierte Arabischlehrer schon einmal in einer Kita gearbeitet. "Keine großen Unterschiede", findet der Vater von zwei kleinen Jungen, wenn er die Betreuungseinrichtung mit Buratino vergleicht. Außer, dass dort mehr gelernt wurde: das ABC, bis zehn zählen, etwas Arabisch und Englisch. "Wir spielen hier mehr", schmunzelt Buratino-Leiterin Ramona Donner.

Für sie war Nabil ein Glücksgriff. Genau wie das Projekt, das bereits im zweiten Jahr gelaufen ist. Im Vorjahr kam als Patin eine der Mütter, ebenfalls mit Migrationshintergrund. Die Paten bekommen dafür nach Angaben von Donner eine Aufwandsentschädigung. "Wir haben etwa 15 Prozent ausländische Kinder", erklärt Donner. "Manche sprechen kaum Deutsch, fühlen sich fremd." Wenn jemand im Team ihre Sprache könne, sei das eine Riesenhilfe. 140 Kinder besuchen die Kita.

"Die Kinder nehmen ihn, wie er ist", sagt Donner. "Und wir wollen ihnen von klein auf zeigen, wie viele verschiedene Menschen es gibt." Genau das ist die Idee hinter dem Projekt: früh Vorurteilen entgegenwirken und Neugier wecken auf andere Sprachen, Kulturen, Länder.

Ob es nächstes Jahr mit einem neuen Paten wieder klappt, ist noch offen. "Wir hoffen, dass es finanziert wird", sagt die Kita-Leiterin. Ab Januar ist Buratino zudem für drei Jahre eine weitere sogenannte Willkommens-Kita in Plauen: "Wir sind nicht nur kulturell, sondern auch sozial bunt", erläutert Donner. Das soll gemeinsam gemeistert werden: von den Knirpsen, den Erziehern, den Eltern. "Mit ausländischen Eltern gibt es oft wenig Kontakt", bedauert Donner. Oft fehle es auch an Dolmetschern. Der Freistaat finanziere das Ganze und unterstütze das Team zum Beispiel mit Schulungen.

Im Turnzimmer dreht sich Nabil derweil, ein Kind nach dem anderen an den Händen, im Kreis herum. "Jetzt ich!", ruft ein Mädchen. Und ab geht das Karussell. Schwer zu sagen, wer von den beiden dabei breiter grinst.


Zahlencheck

Der Anteil ausländischer Kinder in Plauener Betreuungseinrichtungen soll bei 40 Prozent liegen. Das hatte zuletzt die vom sächsischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Splitterpartei Der Dritte Weg auf ihrer Internetpräsenz behauptet. Die Plauener Stadtverwaltung gibt auf Nachfrage von "Freie Presse" an, dass der höchste Anteil betreuter nichtdeutscher Kinder in Plauener Kindertageseinrichtungen (Krippe und Kindergarten) bei rund 31 Prozent liegt (gefolgt von etwa 18 Prozent). In Plauener Horten liegt der höchste Anteil betreuter nichtdeutscher Kinder dagegen bei knapp 56 Prozent (gefolgt von 40,5 und 26 Prozent). Diese Zahlen beziehen sich auf einzelne Einrichtungen in städtischer Trägerschaft. (em)

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