Nächste Generation bäckt

Bäckermeister Willy Lenk übergibt den Staffelstab an seinen Sohn. Der hat viele Pläne und die kommende Generation schon zu Hause.

Lengenfeld.

In der 267-jährigen Geschichte der Bäckerei Lenk in Lengenfeld vollzog sich zum Jahresanfang ein Generationenwechsel: Der 32-jährige Thomas Lenk übernimmt die Familienbäckerei von seinem Vater Willy Lenk und führt die Familientradition fort. Die nächste Generation wächst bereits heran. Mit seiner Frau Melanie hat Thomas Lenk vier Kinder.

Vater Willy Lenk und seine Frau Elisabeth ziehen sich nicht aufs Altenteil zurück. Beide arbeiten auch künftig in der Bäckerei mit. Melanie Lenk, die gelernte Logopädin, kam aus dem Norden Deutschlands der Liebe wegen ins Vogtland. Sie sieht ihre berufliche Zukunft an der Seite ihres Mannes in der Bäckerei.

Den Wechsel haben Lenks zwei Jahre lang vorbereitet. Als Chef seines Vaters sieht sich Thomas Lenk nach Übernahme der Bäckerei aber nicht. Auch Willy Lenk sagt: "Bei uns kann jeder mitreden und Vorschläge unterbreiten." Dass Thomas Lenk einmal die Bäckerei übernehmen würde, erklärte er den verdutzten Eltern und Großeltern schon als Fünfjähriger. Trotzdem gab es noch einen anderen Berufswunsch: "Hätte es die Bäckerei nicht gegeben, wäre ich wahrscheinlich Theologe geworden, weil es mir wichtig ist, dass die Menschen etwas von der Liebe Gottes erfahren." Auch in Vater Willy Lenk schlummerte noch ein zweiter Berufswunsch: "Ich wäre auch gern Kindergärtner geworden."

Der Bäckerberuf gilt wegen der Arbeits- und Schlafzeiten als familienunfreundlich, ist er aber gar nicht, wie Vater und Sohn bestätigen. "Ich schlafe in zwei Etappen. Einmal von 22 bis 1 Uhr und dann noch einmal von 9.30 Uhr bis 13 Uhr. Wenn die Kinder aus dem Kindergarten kommen, bin ich da. Andere Väter sehen ihre Kinder wesentlich seltener", so Thomas Lenk.

Willy Lenk übt sich zurzeit in dem, was der älteren Generation oft schwerfällt: dem Loslassen. Er findet: "Man muss die jungen Generation auch Entscheidungen treffen lassen, ohne diese immer in Frage zu stellen. Auch Fehler muss jeder junge Mensch selber machen." Loslassen heißt aus Sicht des Seniors auch, neue Entwicklungen zulassen, neue Wege mitgehen und Verantwortung übertragen. Schon seit zehn Jahren ist Sohn Thomas für die Bestellungen in der Bäckerei zuständig. Ebenfalls vor zehn Jahren entschied sich Familie Lenk, Abschied zu nehmen von vorgefertigten Backmischungen. "Nach der Wende haben wir vieles ausprobiert", berichtet Elisabeth Lenk. Doch Backmischungen und Einheitsbrot wollen sie den industriellen Bäckereien überlassen. "Diesem Preisdruck könnten wir sowieso nicht standhalten. Wir setzen auf Qualität und auf Handwerk. Das ist unsere Zukunft", so Thomas Lenk sicher. Lenks gehen einen Mittelweg. "Das Brot backen wir heute noch wie vor 100 Jahren. Ein gutes Roggenbrot braucht einen dreistufigen Sauerteig, Mehl, Salz, Wasser und sonst nichts", so Willy Lenk. Den Sauerteig hegen Lenks wie einen Schatz. Seit fast 30 Jahren führen die Bäcker ohne Unterbrechung ihren Sauerteig von einem Backdurchgang zum nächsten. Das Geheimnis eines guten Brotes sei neben natürlichen Zutaten die Zeit. "23 Stunden braucht ein Sauerteigbrot, ehe es fertig ist", so der Juniorchef.

Neue Wege gehen heißt für Thomas Lenk, das Brotsortiment um neue Sorten zu bereichern und die Imbissstrecke auszubauen. Mehr als 20 Brotsorten finden sich auf dem Brotbackplan. "Wir backen mit alten Getreidesorten, wie Emmer oder Dinkel", so der Junior. Manche Zutaten kaufen Lenks in Bio-Qualität ein, dürfen ihre Brote der Vorschriften wegen aber nicht als solche kennzeichnen. Für die Zukunft kann sich Thomas Lenk gut vorstellen, das Imbissangebot um Flammkuchen oder Brötchen-Burger zu erweitern.

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