Neue Abwasserlösung für Friesen kostet 1,7 Millionen Euro

Die beiden Kläranlagen von 1996 und 2009 haben im Reichenbacher Ortsteil ausgedient. Jetzt wird eine Druckleitung über den Obermylauer Berg gebaut.

Reichenbach.

Ende Juni soll in Reichenbach Start für ein millionenschweres Bauvorhaben des Abwasserzweckverbandes (AZV) Reichenbacher Land sein. Die Abwasserentsorgung für den Ortsteil Friesen ist komplett neu konzipiert worden. Für rund 1,73 Millionen Euro hat die Verbandsversammlung den Bauauftrag dafür jetzt an die Firma Loebel Bau aus Heinsdorfergrund vergeben. Sie hatte das günstigste von fünf Angeboten vorgelegt. Zur Finanzierung der Maßnahme hat der AZV für die Hälfte der Summe ein Förderdarlehen aufgenommen.

Bislang gab es in Friesen zwei vom AZV betriebene Kläranlagen. 1996 war eine Anlage am Gemeindeweg mit einer Kapazität von 300 Einwohner-Gleichwerten gebaut worden. "Sie entspricht nicht mehr dem Stand der Technik. Heute würde sie so nicht mehr genehmigt werden. Die Untere Wasserbehörde drängt uns zum Handeln. Eigentlich müssten wir eine neue Anlage bauen", sagt AZV-Geschäftsführerin Viola Haubenreißer. Doch auch die erst im Oktober 2009 eingeweihte Pflanzenkläranlage Friesener Berg, ein Steckenpferd des damaligen Verbandsgeschäftsführers, von dem sich der Verband allerdings noch 2010 trennte, macht im elften Jahr bereits Probleme. Dabei sollte die von Frankreich inspirierte Anlage, die als Deutschland-Premiere galt und damals rund 600.000 Euro kostete, eine Lebensdauer von mindestens 25 Jahren haben. 120 Einwohner leiten ihr Abwasser dort ein. "Die Schilfbeete sind völlig zugesetzt. Die verblockten Sickerbereiche müssten mit erhöhten Investitionskosten saniert werden", schildert Viola Haubenreißer. Was nun?

Der AZV prüfte mehrere Varianten kostenseitig ab. Vom Erhalt der bestehenden Struktur mit zwei Anlagen über den Bau einer Ortskläranlage und die Abwasserförderung entlang des Friesenbaches zur Zentralen Kläranlage bis hin zu einer Druckleitung, in der das Abwasser aus der Friesener Senke hoch ins bestehende Reichenbacher Kanalnetz gepumpt und dann zur Zentralen Kläranlage im Weidig bei Netzschkau geleitet wird. Die Anlage dort hat noch freie Kapazitäten für 1000 Einwohner.

Die Druckentwässerung habe sich laut AZV als wirtschaftlichste Variante herausgestellt. Geplant sind nun eine rund 1200 Meter lange Druckleitung für das Schmutzwasser hinauf nach Obermylau, die dem Friesener Weg folgt, und eine 550 Meter lange Abwasser-Gefälleleitung, die an den bestehenden Schmutzwasserkanal angebunden wird, welcher dort bislang bergan am letzten Mylauer Haus endet. Zur Querung der Bahntrasse wird die Leitung an die Brücke in Obermylau angehängt. In Friesen selbst müssen zwei Pumpwerke gebaut werden, eines an der Kläranlage von 1996 mit 40 Kubikmetern und eines an der Pflanzenkläranlage von 2009 mit 25 Kubikmetern Speichervolumen. Nach der Fertigstellung der Anbindungen, die für August 2021 angepeilt wird, sollen die beiden Altanlagen abgerissen werden.

Glück hat der AZV Reichenbacher Land in diesem Zusammenhang, dass für die meisten Teile der Pflanzenkläranlage die Zweckbindungsfrist der Fördermittel nach zehn Jahren bereits abgelaufen ist. Der Bau war seinerzeit mit 75 Prozent bezuschusst worden. "Probleme macht nur der Betonbau, dort gilt eine Bindefrist von 25 Jahren. Daher müssen wir 8000 Euro Fördermittel zurückzahlen. Das hält sich aber noch im Rahmen", erklärt die Geschäftsführerin.

Beginnen soll die Baumaßnahme, wie Viola Haubenreißer erklärt, am Obermylauer Berg. Dort komme unter Vollsperrung ab Ende Juni abschnittsweise, sodass die Grundstückszufahrt in Obermylau gewährleistet werden kann, die Gefälleleitung in die Straße. Später, allerdings nicht jetzt in einem Aufwasch, könnten sich dann auch interessierte Obermylauer an den neuen Kanal anschließen.

Dass die jetzt für Friesen ins Auge gefasste Lösung mit Pumpwerken funktioniert, lässt sich übrigens im Ortsteil Rotschau nachprüfen. Auch dort hatte 2010 eine der umstrittenen Pflanzenkläranlagen entstehen sollen. Doch nach einem gerichtlich verhängten Baustopp zog der AZV die Reißleine und baute stattdessen unterirdisch einen Stauraum nebst Pumpwerk. "Das funktioniert bis heute einwandfrei. Da ist noch nie etwas gewesen", hält Haubenreißer fest.

2Kommentare

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    Lesemuffel
    04.06.2020

    Druckwasserleitung, Pumpwerke tolle Lösung anstatt Wasser dem natürlichen Lauf abwärts zu erlauben. Gut, wenn stets Strom zur Verfügung steht.

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    GrauerWolf
    04.06.2020

    Die Druckentwässerung für den OT Friesen ist sicherlich eine spannende Lösung die erfolgreich z.B. im oberen Vogtland und hier in Liebau realisiert wurde.
    Diese Lösung hat dennoch einen Haken. Da sind bei Pumpwerken die laufenden Energiekosten sowie Wartung und Instandhaltung zu berücksichtigen. Und weil mittelfristig mit steigenden Strompreisen zu rechnen ist, sind Stromkosten ein wichtiger Kostenfaktor für den Betreiber und letztendlich auch für die Kunden des AZV Reichenbacher Land. Sicherlich wurde das Projekt gesamtenergetisch bewertet und die laufenden Energiekosten in der Kostenanalyse berücksichtigt.
    Eine diesbezügliche Nachfrage ist ja kostenfrei und die (Kläranlage) Abwasserentsorgung Friesen soll doch keine unendliche Geschichte werden...
    Meint Ihr Grauer Wolf