Neuerwerb aus der Schellack-Zeit

Über alte Tonträger verfügt das Lengenfelder Museum bereits lange. Dank eines zufällig aufgestöberten Grammophons können Schlager und Kampflieder nun auch abgespielt werden - etwa bei musikalischen Führungen.

Lengenfeld.

Bei großen Erfindungen steht oft der Zufall Pate. Bei glücklichen Neuerwerbungen auch. Michael Heuck, seit vergangenem Jahr Chef des Lengenfelder Stadtmuseums, war jetzt mit seiner Frau in einem vogtländischen Antiquariat unterwegs, um nach dem Umzug aus dem Bayerischen für die neue Wohnung ein paar schicke Möbel zu suchen. "Das passende für uns haben wir nicht gefunden, wohl aber fürs Museum", sagt Michael Heuck und lacht: Als sich das Paar gerade genug umgesehen hatte, betrat ein Mann den Laden und fragte den Verkäufer, ob er wohl ein Grammophon ankaufen wolle. Der Antiquar verneinte, der Museumschef aber griff sofort zu. "Mir war gleich eingefallen, dass es im Museum zwar viele Schellack-Platten gibt, aber kein Grammophon zum Abspielen. Wir wurden uns schnell einig, und das zu einem vertretbaren Preis."

Und so verfügt das Museum über ein wohl in den 50er Jahren in Markneukirchen für den Export hergestelltes Gerät der Marke "Weltklang" - wer das schnarrende Abspiel der ebenfalls längst antiquarischen Tonträger noch vom letzten, in den Zwanziger Jahren spielenden Kinofilm im Ohr hat, kann dieses Erlebnis nun bei besonderen Anlässen pur genießen. Das Gerät spielt wunderbar. Schlager und Kampflieder, alles tönt so wie es einst in Großvaters Zeiten tönte. Einige der Schellack-Platten sind Schenkungen, andere stammen aus dem Bestand der Bibliothek, darunter Exemplare aus den 50er Jahren - der "Marsch der Freundschaft", die "Thälmann-Kolonne" oder das "Lied der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft" klingen so, als würde der Lautsprecherwagen durch Lengenfeld rollen und die noch schlaftrunkenen Einwohner erinnern, ja nicht den Demonstrationszug des 1. Mai zu vergessen.

Für Michael Heuck bedeutet der Neuerwerb die Möglichkeit, eine seiner vielen Ideen umzusetzen. "Wir haben ja noch weitere Musikgeräte in unserer Ausstellung und im Fundus", erzählt der Museumschef von der Idee einer musikalischen Führung. Dabei käme der "Weltklang" genauso zum Einsatz wie die um das Jahr 1900 gefertigte Blechplatten-Spieldose, auf der etwa das Lied "Heinerle, Heinerle, hab ka Geld" aus der Operette "Der fidele Bauer" gespielt würde. Und die "Nacht in Venedig" tönt dann aus der Walzen-Spieldose mit dem Schweizer Werk. Darüber würden wohl auch die Sangesbrüder des Männergesangsvereins Harmonie einstimmen, auf dessen Vereinsschrank die Dose steht.

Für Michael Heuck sind solche Einfälle kein Selbstzweck. Der nach vielen Arbeitsjahren in Bayern heimgekehrte Historiker und Germanist will die Lengenfelder für ihr Museum begeistern. So hat er jüngst quasi den Publikums-Joker gezogen, als es galt, die Herkunft einer rätselhaften Kugel zu erkunden. Michael Heuck geht auch in die Schulen und lädt ein, Stunden im Museum zu halten. Und wäre das Museum etwas größer, stünde dort das Triebwerk jenes amerikanischen Hubschraubers, der vor 60 Jahren hinter Irfersgrün aus bisher nicht gänzlich ergründeter Ursache notgelandet war. Das Militärhistorische Museum Dresden, in dem das Triebwerk zu DDR-Zeiten als Antrieb eines über Vietnam abgeschossenen US-Hubschraubers verkauft wurde, hatte Entgegenkommen signalisiert. "Aber leider passt das Teil wirklich nicht rein. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen, die ganze Geschichte von damals zu erzählen."

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