Nicht nur im Schloss macht sich Vogel-Nachwuchs startklar

Im Vogtland kann man zurzeit Falken und Dohlen bei ihren ersten Flugversuchen beobachten. Fachleute schätzen das Brutjahr 2019 eher als kritisch ein. Ein Grund: Glaswolle.

Netzschkau/Mylau.

Perfekt klappt das bei Falko noch nicht. Aber er übt ja noch. "Der junge Falke hat wieder einen Flugversuch unternommen und es sich zwischendurch in unserem Blumenkübel bequem gemacht", berichtet Barbara Olma. Die Familie wohnt neben dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände in Reichenbach und beobachtet gespannt die ersten Versuche des Greifvogel-Azubis von nebenan, den die Olmas einfach Falko getauft haben.

Der junge Vogel ist in guter Gesellschaft. Überall im Vogtland unternehmen Turmfalken und Dohlen erste Flugversuche. Spannend ist das nicht nur für die Olmas. Auch für Karl-Heinz Roth, Brutplatzbetreuer der Fachgruppe Reichenbach der Sächsischen Ornithologen, ist es jedes Mal aufs neue ein toller Anblick. Doch seine Freude ist getrübt. Roth schätzt das Brutjahr 2019 als eher problematisch ein. "Im Gegensatz zu anderen Regionen ist bei uns aber noch vieles in Ordnung", relativiert er seine Aussage sofort wieder.


Roth betreut viele Nistkästen und Brutplätze in der Region. "Im Schloss Netzschkau haben wir zwei Nistkästen und drei Mauernischen", berichtet er. "Dort waren durchschnittlich vier bis sechs Vogelbruten im Jahr, darunter einmal Turmfalken, der Rest waren Dohlen. 2019 haben wir nur eine Turmfalken- und eine Dohlenbrut. Wir wissen noch nicht genau, ob es drei oder vier Turmfalken sind." Eine Schwierigkeit sind die unzugänglichen Mauernischen. Dort können die Vogelschützer bei Problemen nicht eingreifen und die Plätze nicht säubern. "Wir arbeiten sehr gut mit dem Schlossförderverein zusammen und konnten hinter die schmalste Nische einen Nistkasten hängen. Die anderen beiden Nischen werden wir ausstatten, wenn die Saison vorbei ist. Fünf Plätze sind für das kleine Netzschkauer Schloss relativ viel."

Das Säubern der Nistplätze ist eine wichtige Aufgabe für die Vogelschützer. "Im März waren vier Dohlenpaare da, drei müssen wieder abgewandert sein. Wir haben nach den Ursachen gesucht und mineralische Glaswolle im oberen Kasten gefunden. Sie stammt wahrscheinlich aus einer Isolierung von alten Wärmeleitungen", meint der Ornithologe. Er appelliert an alle Grundstückseigentümer und Verantwortlichen, Altlasten umgehend zu beseitigen und ordnungsgemäß zu entsorgen. "Die Vögel holen sich ihr Nistmaterial in der Umgebung. Wenn sich die Glaswolle ins Gefieder spießt, ist das eine große Belastung für die Tiere. Auch für Menschen sind die Nanopartikel schädlich", sagte er.

Neben den Falken und Dohlen im Netzschkauer Schloss gibt es weitere Bruterfolge in der Region, die durch die Fachleute dokumentiert werden. 50 Beobachter sind daran beteiligt. Der Netzschkauer berichtet von zehn zugänglichen Brutplätzen in der Burg Mylau, von denen acht besetzt waren. 14 junge Dohlen wurden gezählt. In zwei Nestern waren noch die Eier, als die Vogelkundler unterwegs waren. Außerdem existieren noch Plätze an unzugänglichen Stellen der Burg.

Das Wanderfalkenpaar vom vergangenen Jahr sei leider nicht zurückgekommen. Von acht Brutplätzen der Mylauer Kirche waren sieben besetzt. Auch dort gab es 14 rabenschwarze Jungvögel. Des Weiteren brüteten mindesten sechs Dohlenpaare in der Göltzschtalbrücke. Turmfalken und Dohlen wurden in der Waldkirchener Kirche registriert. Von der Kirche in Bergen wurde gemeldet, dass in diesem Jahr die Brutkästen leer blieben. Für den Rückgang der Vogelzahl kann nach Aussage von Karl-Heinz Roth der Sommer von 2018 verantwortlich sein. "Wegen der Trockenheit gibt es nicht so viele Mäuse. Allerdings sehen wir, dass die Falken oft auf kleinere Vögel wie Sperlinge ausweichen."

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