Not-OP rettet ausgesetzte Katzenmama

Eine arg gezeichnete Katze und ihre fünf Jungen haben wohl nur überlebt, weil ein Mitarbeiter des Tierheims Limbach nicht früher heimgegangen war.

Limbach.

Was Menschen Tieren antun können, das geht Adelheid Friedrich auch nach Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit im Tierschutz immer wieder an die Nieren. "Wenn ich so etwas sehe, ich bin einfach außer mir. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das Tier wochenlang gelitten hat", sagt die Leiterin des Limbacher Tierheims und spricht den jüngsten Fall rücksichtslosen Verhaltens an, dessen nahegehendes Ergebnis am Samstagabend direkt vor dem Heim entdeckt wurde.

Kurz vor Dienstschluss war einem Mitarbeiter ein auf dem Parkplatz am Eingang abgestellter Plastik-Wäschekorb aufgefallen, der mit einem am Korb befestigten Tuch abgedeckt war - von den Besitzern keine Spur. Als Mirko Höpfner das Tuch abnahm, sah er eine Katzenmutter mit ihren fünf etwa fünf Wochen alten Jungen. "Bei der Mutter konnte ich kaum noch Lebenszeichen feststellen. Die Jungen waren mobiler, aber auch in einem schlechten Zustand. Als ich sah, was der Mutter zu schaffen machte, bin ich mit den Tieren gleich zur Bereitschafts-Tierarztpraxis in Treuen gefahren. Dort wurde die Katze sofort operiert", schildert der Tierheimmitarbeiter das Leiden des Tiers: Die etwa einjährige Katzenmutter hatte offenbar bei der Geburt einen Gebärmuttervorfall erlitten; das Organ hing ihr ganz offensichtlich seither zu einem großen Teil aus dem Leib.


Ein Anblick, der Tierärztin Andrea Böhmichen von der Treuener Praxis Müller am Samstagabend die Sprache verschlug. "Wahnsinn, was dem Tier vermutlich über Wochen zugemutet wurde, so eine Tierquälerei. Welches Leid und welcher Schmerz. Die Katze war in einem kritischen Zustand und zudem mangelernährt", informiert die Veterinärin und sagt: "Hätte Sachsen wie andere Bundesländer eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Katzen mit freiem Auslauf, hätten wir die Chance, den Tierhalter ermitteln zu können."

Inzwischen ist die kleine Katzenfamilie am Fundort zurück. Die Mitarbeiter des Tierheims päppeln die Tiere wie so viele ihrer Vorgänger auf. An der Tür der Quarantäne-Station stehen ihre inzwischen vergebenen Namen: Peppe, Pauline, Petrie, Pixie, Puckie und Pascha. "Ich denke, man hat sie hier abgestellt, weil man Geld sparen wollte", sagt Mitarbeiterin Birgid Fleischmann. Etwa 300 Euro hätte das Heim für die Annahme der sechs Tiere berechnet, damit sind aber längst nicht alle der durch Tierarztbesuche oder Medikamentenkäufe entstehenden Kosten abgedeckt.

Die Katzenmama, vermuten die Tierheimmitarbeiter, hat die Jungen vermutlich draußen geboren. "Offenbar aufgrund der Kälte und der Nässe haben die Kleinen extremen Durchfall. Aber das kriegen wir schon wieder hin. Wenn die Jungen zwölf Wochen alt sind, können wir sie vermitteln. Bei der Mutter müssen wir mal sehen", sagt Birgid Fleischmann, während sie mit der nächsten Milchration hantiert. "Die Mutter hat gar keine mehr, so schwach wie sie ist."

Auch Mirko Höpfner hat der Fund mitgenommen. Wäre der Tierfreund am Samstag nur eine halbe Stunde früher gegangen, wären sie nicht mehr entdeckt worden. "Zumindest für ein, zwei Kleine und vielleicht auch die Mutter wäre das das Todesurteil gewesen. Sie wären erfroren oder auch erstickt."

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