Ob zu PGH-Zeiten oder heute: Friseurin ist man mit Herz

Das Unternehmen Friseur und Kosmetik Charmant hält sich seit 50 Jahren erfolgreich in einer umkämpften Branche. Jetzt öffnet im Blauen Haus eine Filiale neu. Sie ist eine von neun im Vogtland.

Reichenbach.

Gemessen an vielen Einzelanbietern ist das Unternehmen Friseur und Kosmetik Charmant in der Region ein Branchenriese. In der Traditions-Firma mit Sitz in Netzschkau sind 34 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge beschäftigt - in neun Filialen. Neben dem Auftritt in Netzschkau bietet Charmant seine Dienste in Greiz, Hauptmannsgrün, Neumark und Reichenbach an - dort gleich an vier Standorten. "Uns geht es wirtschaftlich gut. Wir haben eine gute Marktposition, für die wir auch viel tun. Zum Beispiel, indem wir regelmäßig in Weiterbildungen und die Modernisierung der Salons investieren", sagt Geschäftsführerin Michaela Schönstein.

So wie jetzt in die Filiale im Blauen Haus. Die präsentiert sich ab Montag eine Nummer kleiner, direkt neben der dort seit 1998 geführten. "Mit dem Umzug können wir jetzt Barrierefreiheit anbieten. Im neuen Salon ist das WC nicht mehr eine Treppe höher", nennt die Charmant-Chefin einen Vorzug des Umzugs. Vier Friseurinnen und eine Auszubildende sorgen ab Montag in dem von regionalen Handwerksbetrieben aufwendig umgebauten Geschäft für zufriedene Kundschaft. Und das im Zweischichtbetrieb. "Der ist neben verschiedenen Zusatzleistungen wie Leistungsboni oder einer betrieblichen Altersvorsorge über die Jahre einer unserer Erfolgsfaktoren, dadurch können wir samstags und montags öffnen", sagt die Chefin. Die zentrale Führung mehrere Filialen eröffnet auch die Möglichkeit, selbst einen Betriebshandwerker zu beschäftigen. Matthias Sauer ist bei den Friseurinnen wegen seines Geschicks und seiner charmanten Art sehr beliebt.

Ein Selbstläufer ist der unternehmerische Erfolg in einer durchaus umkämpften Branche - die fahrenden Friseure sind nicht mindestlohngebunden, beim Geschäft im eigenen Haus entfallen Mietzahlungen - indes nicht. Meisterin Simone Gruschwitz, die zum Quintett im Blauen Haus gehört: "Was neben einer guten betrieblichen Organisation und top ausgestatteten Filialen zählt, das ist der Friseur selbst. Friseurin ist man mit dem Herzen oder gar nicht. Das war zu PGH-Zeiten so, und das ist heute so. Und Gott sei Dank gibt es immer wieder junge Leute, die genau aus diesem Grund ins Friseur-Handwerk gehen." Auch wenn die Branche nicht mit der Top-Bezahlung wuchern kann.

Da fiel der Verdienst zu DDR-Zeiten vielleicht etwas besser aus. In der Ära der Produktionsgenossenschaften des Handwerks liegen auch die Charmant-Wurzeln. Vor 51 Jahren wurde der Betrieb als PGH Brillant gegründet. Nach der Wende wurde mit der Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft aus Brillant Charmant - bis 2008 mit Karl Pschierer an der Spitze. Als der heute noch beliebte Ex-Chef 2008 in Rente ging, rückte Michaela Schönstein als Geschäftsführerin nach.

Neben all dem Neuen in der zweiten Hälfte der Betriebshistorie, das sieht auch die Chefin so, gibt es indes eine große Konstante: Die Friseurinnen sind auch weiter "als Psychologinnen bei der Kundschaft gefragt", wie es Simone Gruschwitz ausdrückt. "Nur dass sich die Themen geändert haben. Früher drehte es sich mehr ums Familiäre, heute mehr um Arbeit und Geld. Aber bei uns ist das ja nicht anders. Auf jeden Fall sagen wir den Kunden an dieser Stelle mal ganz herzlich Danke."

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