Oldtimer auf sonniger Brückentour

Auf der 9. Vogtland Classic rollten am Samstag automobile Schätze durch die Region. Das älteste Auto lenkte dabei der Jüngste.

Reichenbach.

Knapp 40 Oldtimerfreunde haben am Samstag mit ihren aufpolierten Fahrzeugen an der 9. Vogtland Classic teilgenommen. Der Oldtimerclub Reichenbach hatte zu diesem Treffen mit Ausfahrt eingeladen. Treffpunkt war der ehemalige Reichenbacher Busbahnhof.

"Es passt einfach alles, auch das Wetter. Wir sind sehr zufrieden mit der Vielfalt. Es sind Fahrzeuge der Vorkriegs- und der Nachkriegszeit dabei, Autos und Zweiräder, auch die Teilnehmer repräsentieren alle Generationen", fasste der Vereinsvorsitzende Olaf Roth zusammen.


Jüngster Fahrer war mit 17 Jahren Richard Möckel aus Hauptmannsgrün, mit seiner Oma Erna Möckel als begleitende Fahrerin. Er fuhr das älteste und wohl spektakulärste Auto des Trosses: einen Freia-Kleinwagen, Baujahr 1925, der in der Automobil AG Greiz produziert wurde. Sein Opa Joachim erwarb das 20-PS-Auto in den 70er-Jahren in Dresden. "Das Auto fährt sich etwas anders als ein modernes, aber man gewöhnt sich schnell daran", gestand der junge Mann und sprudelte technische Begriffe und technische Details nur so heraus. Kein Wunder, macht er doch am Beruflichen Schulzentrum "August Horch" gerade sein Abi und will dann Kraftfahrzeugtechnik oder Maschinenbau in Zwickau studieren. Mit Autos oder Traktoren ist er groß geworden, denn die Familie hat ein Herz für alte Autos und Landwirtschaft. "Das meiste Wissen habe ich von meinem Vater Roy. Als mein Opa starb, war ich gerade ein Jahr alt", erklärte Richard Möckel. "Die Freia ist für ihre Zeit sehr modern gewesen. Sie lässt sich spritzig fahren. Nur bei den bergigen Strecken im Vogtland muss man nur ein wenig mit den Bremsen aufpassen", weiß er. Auf der Fahrstrecke, die mehrere Brücken streifte, war der Berg zwischen Jocketa und Barthmühle mit zwölf Prozent Steigung das Komplizierteste.

"Die Strecke war sehr oldtimerfreundlich, kaum Ampeln und nicht so viel Anfahren am Berg", sagte Ralf Pätz aus Auerbach, der mit Frau Renate und dem Skoda Sedan Baujahr 1957 unterwegs war. Beide stilecht gekleidet, er mit breiten Hosenträgern und Joppe, sie mit gepunktetem Kleid und Petticoat. "Diese Strecke werde ich mir für eigene Ausfahrten merken", so Pätz.

Die Tour führte von Reichenbach aus zur Göltzschtalbrücke, weiter in Richtung Greiz, Elsterberg, Steinsdorf, Jößnitz zur Barthmühle und von da über Jocketa, Talsperrenblick, Limbach nach Mühlwand, wo eine große Rast stattfand. Die fiel etwas länger als geplant aus. Neben dem Mittagessen am Imbiss des Vereins war die Besichtigung des Alaunbergwerkes möglich. Anschließend gab es noch eine kleinere Runde um Netzschkau, die Rückfahrt zur Bushaltestelle und ein gemeinsames Kaffeetrinken. Die Pausen wurden für intensive Gespräche genutzt. So erzählte der Weißensander Jonny Schneider, der den F8-Lieferwagen Baujahr 1941 von seinem Opa steuerte, wie er beim letzten Bergpreis vor der Wende mit einer Banane auf der Ladefläche gefahren war und dafür einen Eintrag in der Stasiakte bekam. Uwe Kapke aus Rotschau schwärmte vom Fahrgefühl und dem Sound seiner alten Jawa. "Das ist einfach geiles Fahren", sagte er.

Die erste Vogtland Classic fand 2008 statt. Meist waren die Oldtimer im Vogtland unterwegs, vor allem in Bad Elster. Die siebte Auflage führte 2016 ins Elbsandsteingebirge.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...