Packendes Stelldichein der Künste

Im 50. Konzert der Musikreihe Calliope gastierte auf der Burg Mylau ein junges Trio. Das war noch nicht alles.

Mylau.

Akkurat Werk für Werk spielen, dabei virtuose Akzente setzen und perfekte Harmonie demonstrieren - das reichte dem Trio nicht, das am Sonntag auf der Burg Mylau Gast der Calliope-Kammermusikreihe war. Isabel Wamig (Gesang/Violine/Tanz), Xueqing Wang (Querflöte) und Micha Lorenz (Gitarre) haben ihr Programm nicht umsonst "Die Reise ins Ich" genannt.

Was passiert beim Musizieren in mir? Was nehme ich mit? Was gebe ich weg? Was will, was kann ich für mich und andere erreichen? Kann Musik am Ende die Welt verändern - zumindest ein wenig? Fragen wie diesen sollte nachgegangen werden, und zwar nicht allein vor dem Publikum, sondern möglichst auch mit ihm. Der hohe Anspruch konnte eingelöst werden. Es war eine enorm vielseitige, in Deutschland aufgewachsene Sopranistin mit englischen und nigerianischen Wurzeln zu erleben, eine in Peking geborene, über einen vollen, edlen Ton verfügende Flötistin und der im Kölner Umland großgewordene Gitarrist, ein wahrer Meister der leisen Töne. Die Calliope-Organisatoren, Sarah und Artashes Stamboltsyan, hatten mit der Verpflichtung gewagt und gewonnen.

Was am Sonntag etwa 60 Besucher zu hören und zu sehen bekamen, stand der 50. Veranstaltung der vor neun Jahren ins Leben gerufenen Reihe bestens zu Gesicht. Vom Renaissance-Meister Claudio Monteverdi bis zu George Gershwin, von Georg Friedrich Händel bis zu irischer Folklore, Robert Schumann und Jacques Offenbach reichte die gebotene Palette. Dazu traten eigene Kompositionen und Improvisationen, angeregt etwa durch altchinesische Dichtkunst oder Verse von William Shakespeare und Rainer Maria Rilke. Das exzellente Spiel wie die über eine feinsinnige, aber weitgehend natürlich bleibende Bewegungskunst gezeigten Emotionen verströmten eine solche Intensität und Spannung, dass manchmal der Beifall unterblieb, sich nahtlos Stück an Stück reihte. Man wollte an dieser Reise ins Ich ohne Unterbrechung teilhaben, möglichst viel davon mitbekommen.

Zu dieser leidenschaftlichen, unerbittlich forschenden Musikinterpretation passten die Bilder von Caroline Mueller-Carl, die an dem Abend - nicht zum ersten Mal begleitete eine Ausstellung ein Calliope-Konzert - zu sehen waren. Die als freischaffende Maskenbildnerin wirkende Künstlerin hält - oft angeregt durch von ihr zu "bearbeitende" Bühnenfiguren - Menschen in besonderen Glücks- oder Bewährungssituationen fest. Dabei findet sie zu einer kraftvollen, dynamischen Linienführung und einer dichten, fein abgestimmten Farbgebung.

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