Patrioten-Politiker entfernt Wahlplakat der Linken

Benjamin Przybylla bekennt sich auf Facebook zu seinem Vorgehen. Janina Pfau erstattet Anzeige. Die Polizei ermittelt.

Reuth.

Der Kommunalpolitiker Benjamin Przybylla aus Fraureuth hat im Neumarker Ortsteil Reuth Wahlwerbung der Linken entfernt und sich dieser Tat öffentlich auf Facebook gerühmt. "Ich habe ihr Plakat an MEINER Laterne entfernt", schrieb der ehemalige AfD-Politiker, der bei den Kreistagswahlen im Landkreis Zwickau für den Aufbruch deutscher Patrioten (AdP) kandidiert. Das ist die Partei des ehemaligen AfD-Politikers André Poggenburg. Gerne können die Vogtland-Linken das Plakat bei ihm abholen, ansonsten werde er es entsorgen. "Das nächste Mal", so Przybylla weiter, "sollten sie ihren Propagandamüll nicht auf MEINEM Grundstück anbringen."

Janina Pfau, Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Linken, hat umgehend Strafanzeige erstattet. "Wenn Plakate beschädigt oder beschmiert werden, dann gehen wir dagegen vor", sagte Pfau. "Wir haben das früher hingenommen, aber damit ist Schluss." Leider seien solche Aktionen keine Ausnahme. Allerdings sei es schon ungewöhnlich, dass der Urheber einer solchen Aktion damit derart öffentlich prahlt.


Benjamin Przybylla hält sein Vorgehen für rechtens. "Ich habe das Plakat von meinem Grundstück aus entfernt und angeboten, es zurückzugeben", sagt er auf Anfrage, er habe es weder zerrissen, noch zerstört. Generell, betont der AdP-Kreistagskandidat, sei Herunterreißen von Wahlplakaten eine "Schweinerei".

Das Grundstück an der Neuen Reichenbacher Straße in Reuth gehört Przybylla tatsächlich, bestätigt die Gemeindeverwaltung Neumark. Dazu gehört offenbar auch der Laternenmast. Der Unternehmer habe das Areal der Bahn abgekauft. Allerdings seien weder Grundstücksgrenze noch Eigentumsverhältnisse für Passanten ersichtlich.

Das ist für die Linken entscheidend. Eine Straßenlaterne, die nicht der Kommune gehört, sondern einer Privatperson, sei ungewöhnlich. "Das Gelände ist weder abgezäunt, noch gekennzeichnet", erklärt Linken-Kreisrat Henry Ruß. Der Eigentümer hätte sich melden können, "statt in Raubrittermanier fremdes Eigentum herunterzureißen".

Unterdessen ist die Polizei aktiv geworden. "Die Anzeige wurde online erstattet und wird durch die Kriminalpolizei bearbeitet", sagt Polizeisprecher Christian Schünemann. In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft werde geprüft, ob Straftatbestände erfüllt sind. Die Polizeidirektion Zwickau bestätigt den Eindruck, dass der aktuelle Wahlkampf "mit einer Vielzahl beschädigter oder entwendeter Wahlkampfmittel einhergeht".

Bewertung des Artikels: Ø 3.5 Sterne bei 2 Bewertungen
6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    2
    kartracer
    20.05.2019

    Dieses Thema gab es vor längerer Zeit schon einmal, aus einem anderen Grund.
    Dieser Werbungsirrsinn lenkt Fahrzeugführer von der Wahrnehmung des Straßenverkehrs ab, verdeckt teilweise Verkehrszeichen die zu spät oder nicht mehr wahrgenommen werden.
    Wenn Politiker ihre Arbeit vernünftig machen würden, brauchten sie nicht tonnenweise diesen Müll an den Straßenrändern verteilen!

  • 3
    4
    Hinterfragt
    20.05.2019

    @Tauchsieder, nun Grundstücksgrenzen und fremdes Eigentum interessieren die linken Kräfte halt nicht so, das zeigen auch die vielen widerrechtlich illegal besetzten Häuser in vielen Städten. Und die Staatsmacht traut sich nicht das zu beenden, warum wohl???

  • 3
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    Tauchsieder
    20.05.2019

    Ob Grundstücksgrenzen für Passanten ersichtlich sind oder nicht ist hier völlig irrelevant, auch muss ein Grundstück nicht eingezäunt sein. Für die Plakatisten gilt jedoch ein Grundsatz, Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

  • 4
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    Distelblüte
    18.05.2019

    Auch wenn die Laterne auf privatem Grund steht, so gehört die Laterne selbst nicht zwingend dem Grundstückseigentümer. Der wäre dann wohl auch für Wartung und Instandhaltung verantwortlich.
    Mal sehen, was am Ende juristisch entschieden wird.

  • 5
    2
    Lesemuffel
    18.05.2019

    P. Hat es entfernt von seinem Eigentum und lässt es abholen. Dann holt es ab und der Fall ist erledigt. Keiner Erwähnung wert. Basta.

  • 2
    7
    DTRFC2005
    18.05.2019

    Herr Przybylla hätte doch im Vorfeld einen Aufkleber auf die Laterne aufbringen können, das dieser Privateigentum ist. Ich vermute, er hat bewusst darauf gelauert, das eine Fremdpartei dort plakatiert. Damit könnte man erklären, das er sich öffentlich dazu bekennt, dieses entfernt zu haben.



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