Pianist improvisiert über die DDR-Hymne

Tobias Forster musizierte erneut in Reichenbach und erfüllte Wünsche

Reichenbach.

Andreas Häfer, Leiter der Musikschule Vogtland, zählte vor dem Konzert am Samstagabend im Saal der Reichenbacher Musikschule auf, was alles für diesen Tag im Kalender stand. Da ahnte er noch nicht, dass ein ganz anderer Tag Eingang ins Programm des Konzertpianisten Tobias Forster finden wird: Neben Welt-Vegetariertag, Chinesischem Nationalfeiertag und Weltmusiktag war es der Tag der Deutschen Einheit, der den Wahldresdner zu Höchstleistungen im Improvisieren motivierte.

Das kam so: In der Pause verteilte der Musikschulleiter kleine Zettel mit Notenlinien. Forster hatte die Konzertbesucher aufgefordert, ein paar Noten aufzuschreiben, die er am Flügel für eine Improvisation nutzen wollte. In der Pause wurde fleißig geschrieben, mit mehr oder weniger Ernst. Dabei hatte ein Besucher den Anfang der Eislerschen DDR-Nationalhymne notiert. Häfer hatte das beim Durchsehen der Zettel sofort erkannt, anders als der gebürtige Bayer Forster. Er benötigte keine Noten für Haydns Kaiserlied, das der gesamtdeutschen Nationalhymne zugrunde liegt. So hörten die Konzertbesucher die Uraufführung einer Improvisation mit Motiven beider Kompositionen, die erst einzeln und umeinander kreisend, von Höhen und Tiefen begleitet, am Ende zum Ganzen verschmolzen - passend zum Einheitstag.

Forster hatte sich noch zwei weitere Publikumsvorschläge ausgewählt. Bei einem lobte er, dass alle Noten und Vorzeichen in der eher schwierigen Tonart As-Dur korrekt notiert waren. "Wolfgang Horlbeck", flüsterten einige, die dem bekannten Reichenbacher Musikpädagogen beim Schreiben über die Schulter geschaut hatten. Horlbeck: "Schon wegen des zweiten Teils lohnt sich der Besuch dieses Konzertes. Das kann nicht jeder." Er war schon bei früheren Auftritten des Pianisten dabei und begeisterte sich für dessen Fähigkeiten.

Nach dem ersten Teil mit Kompositionen von Frederic Chopin widmete sich Forster nach der Pause Eigenkompositionen und Improvisationen. Dabei unternahm er einen Ausflug in seine Zeit mit den Klazz-Brothers und Cuba Percussion, mit denen er zwei Mal den Echo Klassik und den German-Jazz-Award in Platin verliehen bekam. Die Ballade Nummer 1 habe er stets gespielt, damit zwischen den temperamentvollen Stücken bei Auftritten in der ganzen Welt ein wenig Ruhe einzog und seine Musikerkollegen eine Trinkpause hinter der Bühne genießen konnten. Ruhe spielte auch im Stück "Nachdenklichkeit" eine Rolle, mit dem er an den Loriot-Sketch "Einfach hier sitzen" erinnerte.

Der Pianist war zum vierten Mal in Reichenbach, zum ersten Mal bei einem Lesekonzert zum Buch "Herr Mozart wacht auf" mit der Schriftstellerin Eva Baronsky. Bei den Soloauftritten wurde er erst nach mehreren Zugaben entlassen. So war es auch dieses Mal.

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