Pilzexperte warnt beim Schwammetag vor Handy-Apps

In der Kräutergärtnerei Sagan stand am Sonntag ein Pilzberater Rede und Antwort. Manchmal wissen aber auch die Experten nicht, was für ein Exemplar sie vor sich haben.

Brockau.

Die große Schwamme-Schwemme stellt auch Pilzberater Klaus Lorenz vor Rätsel: "Wir waren uns eigentlich sicher, dass nach der Trockenheit in diesem Jahr nichts mehr wird. Und die Feuchtigkeit war viel zu wenig, um zwei trockene Jahre auszugleichen", erklärte er am Sonntag bei dem Schwammetag in der Kräutergärtnerei Sagan in Brockau.

Genügend Pilze für die Ausstellung hatte er allemal zusammen: Etwa 60 Arten stellte er dort am Sonntag aus. Die Pilze waren in mehrere Gruppen eingeteilt: Speisepilze, Mischpilze, ungenießbare Pilze, giftige Pilze. Schon an den Farben war zu erkennen, welcher Gruppe der Pilz zuzuordnen ist. Weitere Arten, die keinen Platz mehr auf dem Tisch fanden, schlummerten in Kisten.

Auch wenn er sich selbst nicht sicher ist, so gibt es unter den Experten doch eine Vermutung, wieso dieser Tage so viele Pilze zu finden sind: "Einige von uns meinen, dass die Pilze sozusagen ihrem Selbsterhaltungstrieb nachgegeben haben. Man kann es die Intelligenz der Pilze nennen." Irgendwann stirbt das Pilzgeflecht ab, wenn die Bedingungen dafür nicht mehr passen. Mit dem Notwachstum, wie es auch kranke Bäume entwickeln, könnten sich die Pilze vor ihrem Untergang geschützt haben. "Aber das ist nur eine These", sagt er.

Beim Sammeln der Exemplare für die Ausstellung war der Experte auf eine Art gestoßen, die ihm und seinen Kollegen Rätsel aufgibt. Lorenz vermutet, dass es sich um eine Albinovariante des Grauen Wulstlings handelt. Allerdings müsse erst abgeklärt werden, ob es bei dieser Art derart genveränderte Pilze gibt. Bei anderen Arten seien sie durchaus bekannt. Auch Pilzexperten müssen sich also manchmal Expertenrat einholen. Internet und Apps sind da keine große Hilfe, zumal man beim Stichwort Albinopilze schnell in Drogenforen landet.

Ohnehin ist Lorenz kein Freund von Pilz-Apps. "Wer sein Leben in die Hand einer Handy-App gibt, muss etwas am Kopf haben. Die bisher vorhandenen Entwicklungen sind viel zu unsicher", erklärte der Pilzberater den Sammlern. Auch bei Zusendung von Fotos sei in der Regel keine sichere Bestimmung möglich, deshalb lehne er das ab. Während ältere Menschen oft noch ganz gute Kenntnisse haben, lasse das bei Jüngeren häufig zu wünschen übrig. "Wenn ich einen Pilz nicht kenne, lasse ich ihn stehen oder gehe zum Pilzberater", meint er.

Häufigstes Problem in diesem Jahr sei die Verwechslung von Egerlingsschirmling und Karbolegerling gewesen. "Die Faustregel heißt: Weiße Pilze mit weißen Blättern nimmt man nicht mit", so der Pilzberater. Genau zu diesem Thema holten sich Gerhard und Christine Schneider aus Reichenbach Rat. "Wir finden das sehr interessant und lehrreich hier. Manche Pilze sehen sich zum Verwechseln ähnlich, da kommt es auf winzige Details an", sagte Gerhard Schneider.

Für den Pilzberater war der Schwammetag die letzte derartige Veranstaltung in diesem Jahr. In der Kräutergärtnerei ist aber noch einiges geplant.

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