Pirk: Naturschutz-Konflikt spitzt sich zu

Die Wogen an der Pirk glätten sich nicht. Naturschützer ringen mit der Talsperrenverwaltung. Es geht um Bauarbeiten am Damm. Doch für Ornithologen geht es ums Ganze.

Taltitz/Plauen.

Im Konflikt zwischen Naturschützern und der Landestalsperrenverwaltung ist an der Talsperre Pirk keine Entspannung in Sicht. Im Gegenteil. Ornithologen sorgen sich im Zuge der geplanten Sanierung des Damms am Flächennaturdenkmal "Vogelschutzbecken" und der Entschlammung der Vorsperre Dobeneck um den Artenschutz - und schlagen Alarm. Der Damm könnte auf der Seite des Abhangs zur Weißen Elster komplett gerodet werden. 174 Bäume hat der Klingenthaler Vogelkundler Stephan Ernst gezählt. Hinzu kommen Sträucher, die für Steine weichen sollen. Zuletzt wurde der Herbst als Starttermin genannt. "Damit wäre die gesamte Deckung weg und das Gebiet nachhaltig gestört, wenn nicht sogar für den Artenschutz verloren", glaubt die Auerbacherin Petra Schulz von der Arbeitsgemeinschaft Vogtländischer Ornithologen. In der Schutzverordnung ist die Bedeutung des "Verlandegürtels" betont: "Ufergehölze sind in ihrer Struktur und Stabilität zu erhalten."

Das Gebiet ist ein Refugium für seltene und bedrohte Arten - Brutgebiet des Neuntöters, von Beutelmeise und Rohrweihe, Rastplatz für Zugvögel. Mehr als 80 Vogelarten dokumentierten die Ornithologen. Auch Zauneidechsen und Glattnattern sind am Ufer beheimatet, der erste im Vogtland lebende Fischotter wurde dort 2016 entdeckt, was den Schutzstatus des Areals erhöht. Das wurde den Naturschützern zugesichert.


Doch das Schutzgebiet schließt nur den halben Damm ein, nicht die zur Weißen Elster abfallende Seite. Eine Information, mit der die Talsperrenverwaltung die Ornithologen jetzt bei einem Vororttermin konfrontierte. Knackpunkt: Fast alle Bäume stehen damit außerhalb der Zone - ihnen droht die Axt.

Aus Sicht der Talsperrenverwaltung ist der Damm ein technisches Bauwerk, eine wasserwirtschaftliche Anlage, die stabilisiert werden muss. Ausspülungen und Uferabrisse sind vorhanden. Die Hochwasserereignisse 2013 und 2018 hinterließen Spuren. Die Wurzeln der Bäume und Sträucher durchdringen den Damm, schaden ihm. Schon seit 2016 sind Sanierungspläne im Gespräch. Im ersten Anlauf, der voriges Jahr durchsickerte, wollte die Behörde den Damm zur Baustraße ausbauen, um den Schlamm aus der Vorsperre abzufahren. Prüfte gar, ob ein Befreiungsverfahren für den Schutzstatus des Gebiets möglich sei. Das scheiterte. Nun soll die Sanierung unter dem Status einer "Gewässerunterhaltungsmaßnahme" laufen. Ein internes Schriftstück, welches das bestätigt, liegt "Freie Presse" vor. Ein Planfeststellungsverfahren entfällt. Naturschutzverbände hätten kein Mitspracherecht. Ein Umstand, der die Gemeinschaft der Ornithologen empört. Neben Schreiben an Naturschutzverbände, an Grüne Liga, BUND und den Nabu, gingen Briefe auch an die Landesdirektion Chemnitz sowie die Landtagsfraktion der sächsischen Grünen in Dresden. Die Landestalsperrenverwaltung will die Öffentlichkeit indes erst zur geplanten Maßnahme informieren, wenn "konkrete Genehmigungen" vorliegen. Das teilt Betriebsleiter Gerd Zobel auf Nachfrage von "Freie Presse" mit.

Die Untere Naturschutzbehörde prüft jetzt die Zulässigkeit des Vorhabens in Bezug auf weitere naturschutzrechtlich relevante Sachverhalte, wie Leiter Tobias Pohl sagt. Denn der Damm liegt innerhalb des Landschaftsschutzgebietes "Talsperre Pirk" sowie innerhalb des Europäischen Vogelschutzgebietes "Vogtländische Pöhle und Täler". Es zeichne sich jedoch ab, dass das Vorhaben zulässig sei. Die Einschätzung, dass das Gebiet durch den Eingriff für den Artenschutz verloren sei, teilt der Behördenchef nicht. Maßgeblich sei die Bauzeit. Die wird außerhalb der Brutzeit liegen. Um die Tötung besonders geschützter Arten unter den Vögeln, Reptilien, Amphibien und Muscheln zu vermeiden, soll es eine ökologische Bauüberwachung und Schutzzäune geben. Besonders geschützte Arten wollen die Mitarbeiter vorab umsiedeln.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...