Politische Wende bewahrt das Zentrum vor Plattenbau-Plänen

30 Jahre Stadtsanierung sind jetzt in Reichenbach bilanziert worden. Mehr als 100 Millionen Euro Fördermittel flossen. Doch noch gibt es viel zu tun.

Reichenbach.

Können Sie sich vorstellen, wie die Reichenbacher Innenstadt heute mit Plattenbauten in der Oberen Dunkelgasse, in der Karolinenstraße und Am Graben sowie mit Klötzen in Mischbauweise am Kölbelschen Eck, am Mylauer Tor und in der Museumsstraße aussähe? Fast wäre es so gekommen. Eine "Geheime Verschlusssache" aus dem Jahr 1984 sah vor, große Teile der maroden Altbauten im Zentrum ab 1990 abzureißen und durch DDR-typische Plattenbauten zu ersetzen.

Daran hat Sybille Ehrler, die seit 30 Jahren im Rathaus für die Stadtsanierung zuständig ist, am Samstag in einer Fachtagung erinnert. Das Jubiläum 30 Jahre Deutsche Einheit bot den Anlass dafür, 30 Jahre Stadtsanierung Revue passieren zu lassen. Eingeladen waren Vertreter von Förderbehörden, politischer Gremien, privater Gesellschaften und Partner sowie ausgewählte Grundstückseigentümer. Auch eine Broschüre und eine Ausstellung zum Thema wurden präsentiert.

Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU) griff das Zitat von Altkanzler Helmut Kohl vom 1. Juli 1990 zu den "blühenden Landschaften" im Osten auf. Spätestens 2009 zur Landesgartenschau seien diese ganz wörtlich in Reichenbach entstanden. Aber auch an vielen anderen Ecken der Stadt habe sich Deutliches getan. Die Vorher-Nachher-Bilder in der Ausstellung zeigen das. Die Bausubstanz, so Kürzinger, sei 1990 meist in desolatem Zustand gewesen. Einheitsgrau dominierte. Erst die politische Wende habe für eine positive Zäsur gesorgt.

Das Ende der DDR bewahrte das Stadtzentrum vor den Plattenbauplänen. Vorhaben seien nun öffentlich diskutiert und zusammen mit den Bürgern verwirklicht worden, sagte Sybille Ehrler. Die ersten privat sanierten Häuser waren jene in der Johannisgasse 1 und am Markt 4. Erstes öffentliches Gebäude war das Neuberin-Museum. Der Bau des Weka-Kaufhauses, die Neugestaltung von Sebastian-Bach- und Kirchplatz, die Sanierung der Horch-Fabrik und des Robert-Wilke-Hauses sowie neu gestaltete Einkaufsstraßen und Plätze fallen alle in dieses Gebiet. Die Bürgerinitiative Altstadt brachte sich seit 1996 mit Nachdruck ein.

Mit Blick auf weitere Fördergebiete, die Landesgartenschau, das Stadion am Wasserturm und das Freibad Oberreichenbach hielt Bau-Fachbereichsleiter Sven Hörning fest: "Heute kann man sagen: Auferstanden aus Ruinen." Zu tun gibt es auch weiter viel. Die Stadtentwicklung stoppt nie. Hörning nannte als neue Projekte die Hallenbad-Vergrößerung am Roßplatz, das Schließen von Baulücken, das Kältekompetenzzentrum und die Göltzschtalbrücke als Weltkulturerbe.

Die bis 2020 abgeschlossenen Fördergebiete hatten einen Gesamtförderrahmen von 113,6 Millionen Euro. 80,4 Millionen Euro davon steuerten EU, Bund und Land als Fördermittel bei, 33,1 Millionen Euro brachte Reichenbach an Eigenmitteln auf. Hinzu kommen sieben derzeit aktive Fördergebiete mit einem Gesamtvolumen von 29,2 Millionen Euro. Die Fördermittel von EU, Bund und Land belaufen sich hier auf 21,5 Millionen Euro, der Eigenanteil der Stadt beträgt 7,7 Millionen Euro.

Damit es weitergeht, hatte Christian Weßling vom Ministerium für Regionalentwicklung einen Förderbescheid für die Kita "Wichtelhausen" mitgebracht. Daniel Näser von der Sächsischen Aufbaubank übergab den Abrechnungsbescheid für ein Fördergebiet in Mylau.

Termin Eine öffentliche Bürgerinformationsveranstaltung "30 Jahre Stadtsanierung - Reichenbach im Wandel der Zeit" findet am Donnerstag, 22. Oktober, 18 Uhr im Ratssaal, Markt 1, statt. Besucher können dabei auch die Ausstellung besuchen und die begleitende Farbbroschüre mitnehmen.

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