Polizisten angegriffen: Urteil gesprochen

Im Sommer 2018 hatte ein Video aus Plauen für Empörung gesorgt. Es zeigt drei Männer, die Polizisten würgen und beschimpfen.

Zwickau/Plauen.

Nach knapp drei Stunden im Gerichtssaal packte der Mann, der sich "Axtmann" nennt, seine Sachen und seinen Sohn und ging. Er lächelte, er wirkte zufrieden. Im August vergangenen Jahres hatte der Mazedonier zusammen mit seinem Sohn und einem weiteren Mann zwei Polizisten attackiert. Passiert war das vor der Stadt-Galerie an einem heißen Donnerstagnachmittag. Kurz danach stand ein Video mit dieser Szene im Internet. Es wurde millionenfach angeklickt.

Am Dienstag saßen die drei Männer, die auf dem Video zu sehen sind, in Zwickau vor dem Amtsgericht. Sie sind mit einem blauen Auge davongekommen. Zwei Männer blieben unbestraft. Der Mazedonier erhielt ein Jahr und vier Monate Haft, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung. Seine Strafe kam zustande, weil Richterin Simona Meyer andere Straftaten des 39-Jährigen einfließen ließ. Er hatte mehrere Gastwirte in Plauen tyrannisiert. Dem Wirt des "Bierstübchens" brach er das Jochbein und schlug ihm drei Zähne aus, einem Kellner des "Stilbruchs" warf er einen Barhocker auf den Fuß.

Vor der Stadt-Galerie war der arbeitslose Maler, der seit vielen Jahren in Plauen lebt, Zeuge einer Polizeikontrolle gewesen. Sein damals 16-jähriger Sohn war dabei, der die kroatische Staatsbürgerschaft hat. Zwei Streifenbeamte suchten am Postplatz einen Libyer. Sie sollten ihn dem Richter vorführen, weil er seinen Prozesstermin geschwänzt hatte. Es ging um sexuelle Belästigung einer jungen Frau im Malzhaus. Die Polizisten fanden den Libyer an der Stadt-Galerie, als sich der Mazedonier einmischte. Er beschimpfte sie als "Scheiß Bullen", "Schwuchteln" und "Furz", nahm sein Handy und filmte. Er soll damit aufhören, forderte ein Polizist. Weil der Mazedonier weiter filmte, nahm er ihm das Telefon aus der Hand.

Das war der Moment, in dem der Einsatz eskalierte. Der 39-Jährige zerrte am Arm des Polizisten, sein Sohn nahm den Beamten in den Schwitzkasten. Einen Beamten traf ein Faustschlag am rechten Ohr und am Arm, sein Kollege bekam einen Tritt in den Oberschenkel. "Ein ordentlicher Pferdekuss. Erst war die Stelle lila, dann fast schwarz." So beschrieb es der Polizist im Gerichtssaal. Die Beamten versprühten Reizgas, um die Lage in den Griff zu bekommen. Der Libyer, um den es eigentlich gegangen war, saß zunächst im Streifenwagen auf der Rückbank. Später stieg er aus und half dem Mazedonier und seinem minderjährigen Sohn.

Der Sohn, inzwischen 17 Jahre alt, verlor nach dem Vorfall seine Lehrstelle als Elektriker. Sein Chef hatte ihn auf dem Video erkannt. Auch der zweite Lehrbetrieb habe ihn aufgrund des Videos entlassen. Er wurde nach dem Jugendstrafrecht behandelt, und das setzt den Schwerpunkt auf die Erziehung. "Er wollte seinem Vater beistehen, der hat keine schädlichen Neigungen", sagte sein Jugendgerichtshelfer. Gestraft sei er dadurch, dass er zwei Lehrstellen verloren habe. Das Gericht stellte das Verfahren ein und forderte ihn auf, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Es hat auch das Verfahren gegen den Libyer als minderschweren Fall eingestellt, denn es sei nicht eindeutig, ob er die Taten begangen hat oder ein anderer. Der 24-Jährige sitzt seit einem Jahr mehrere Haftstrafen ab.

Wegen des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und der gefährlicher Körperverletzung wurde nur der Mazedonier verurteilt. Außerdem muss er 1800 Euro Strafe an die Opferhilfe zahlen. Er hat drei Kinder, und ab nächster Woche habe er einen Job in Aussicht, so sein Anwalt. Die Richterin Simona Meyer sagte: "Welches Vorbild sind Sie denn für Ihre Kinder?"

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