Prozess: Kontrolleur auf Baustelle eingesperrt

Arbeiter haben einen Mitarbeiter der Landesdirektion auf einem Baugelände in Heinsdorfergrund eingeschlossen. Deshalb standen sie nun vor Gericht.

Heinsdorfergrund/Auerbach.

Die Anklage las sich so, als ginge es um ein Drehbuch für die Fernsehserie "Königlich Bayerisches Amtsgericht" - nur eben auf Vogtländisch. Zwei Mitarbeiter einer Brunnenbaufirma aus dem Raum Reichenbach wollten im Februar einen Arbeitsschutz-Kontrolleur schnell von einer Baustelle in Heinsdorfergrund bekommen. Weil der aber einfach nicht gehen wollte, sperrten sie den Mann kurzerhand hinter einem Bauzaun ein und fuhren davon. Dafür mussten sie sich am gestrigen Mittwoch vor dem Auerbacher Amtsgericht verantworten. Die Anklage: Freiheitsberaubung.

Die beiden Brunnenbauer - der Geschäftsführer der Firma und sein Sohn - räumten all dies vom Prinzip her offen ein. Allerdings sei der Kontrolleur am Nachmittag völlig überraschend auf der Baustelle aufgetaucht, habe sich nicht ordnungsgemäß als Mitarbeiter der Landesdirektion ausgewiesen und sei überhaupt sehr unfreundlich gewesen. Vater und Sohn waren zu diesem Zeitpunkt die Letzten vor Ort und mussten dringend zu einem Kunden nach Zwickau fahren. Weiterhelfen konnten sie dem Kontrolleur ohnehin nicht. Denn dieser war wegen eines offenbar nicht ordnungsgemäß angemeldeten Krans erschienen. "Unser Kunde ist von der alten Schule, der hasst Unpünktlichkeit", so der Chef der Brunnenbaufirma. "Wir mussten unbedingt los, konnten die Baustelle aber auch nicht einfach offen stehen lassen. Wir haben dem Mann mehrere Male gesagt, dass wir es eilig haben."

Genau in diesem Punkt wich die Darstellung der beiden von jener des Prüfers ab. Dieser betonte, völlig überrascht gewesen zu sein, als der Bauzaun plötzlich verschlossen wurde. Aber wer genau hatte die Stahlkonstruktion nun eigentlich dichtgemacht? Der Vater? Der Sohn? Beide? Bei diesem Punkt eierte der Mitarbeiter der Landesdirektion tüchtig herum. Bis er schließlich einräumen musste, dass er sich nicht mehr erinnern kann - und bei seinen Aussagen die ganze Zeit nur aus dem Protokoll seiner früheren Vernehmungen zitiert hatte. Mit diesem Eingeständnis verärgerte er Richter Helmut Böhmer mächtig. Für weiteren Zorn sorgte seine Erklärung, konkret sei er fünf bis zehn Minuten auf der Baustelle eingeschlossen gewesen. Zuvor hatte er bei der Polizei ausgesagt gehabt, dass es eine halbe Stunde dauerte, sich selbst zu befreien.

Fünf bis zehn Minuten, bis der Kontrolleur ohne große Mühen den Bauzaun öffnen konnte - da von Freiheitsberaubung zu sprechen, war aus Sicht des Richters übertrieben. "Das war wohl eher Nötigung", so Böhmer. "Ich glaube, wir sollten da jetzt den Deckel draufmachen." Ganz ungeschoren kam der Chef der Brunnenbaufirma aber nicht davon. Das Verfahren wurde zwar eingestellt. Aber 510Euro Strafe muss er dennoch bezahlen.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...