Radikalschnitt per Kettensäge: Bürger in Brunn sind wütend

Eigentlich hatten sie es nur gut gemeint. Mitarbeiter des Bauhofs haben die dorfbildprägende Linde beschnitten - es damit aber völlig übertrieben. Im Rathaus reagiert man zerknirscht.

Brunn.

Die Menschen im Reichenbacher Ortsteil Brunn sind entsetzt. Das Herz ihres Dorfs - es wurde gründlich verhunzt. In der vergangenen Woche haben Mitarbeiter des Bauhofs bei ihnen Baumpflegearbeiten ausgeführt. Dabei traf es auch die alte Dorflinde. Doch was eigentlich als maßvolles Zurückschneiden zum Schutz einer Freileitung dienen sollte, ist gründlich schiefgegangen. "Es war geplant, die Oberleitung freizuhalten und den Baum dafür auszuschneiden", berichtet Stadtsprecherin Heike Keßler. "Die Bauhofmitarbeiter haben jedoch auch die Stammaustriebe mit entfernt. Sie hatten nicht bedacht, dass diese Austriebe Schattenspender für die Bank sind."

Austriebe - damit meint sie die Äste direkt über der um den Stamm befindlichen Rundbank, die im Sommer Schatten spendeten. Und diese ist durchaus nicht irgendeine Bank. "Der Platz um die Dorflinde, das ist unser Dorfkern", betont Ortsvorsteher Uwe Kairies. "Wir haben keine Kirche oder etwas Ähnliches. Das Rittergut gibt es nicht mehr. Wenn man sagt, man trifft sich an der Dorflinde, weiß jeder, wo das ist." Die Rundbank um den Baum wurde sogar erst vor Kurzem erneuert. Sogar ein Schild hat der alte Baum, der schon groß und wuchtig an seinem Platz stand, als Ortsvorsteher Kairies Anfang der 90er-Jahre nach Brunn gezogen war. Irgendwann haben die Einwohner den Baum einfach zu ihrer Dorflinde gemacht.

Und jetzt das! Empörte Brunner berichteten von Spaziergängern und Bürgern, die diesen Platz gern als Treffpunkt nutzen. Auch Wanderer, die aus Richtung Reichenbach über den Windmühlenweg laufen und weiter in Richtung Carlsturm oder Friesen gehen, machen hier gern Rast. Für die Sportler wie die Nordic Walker ist die Dorflinde ebenfalls ein beliebter Pausenort. Auch Gäste von Feiern und Veranstaltungen im Brunner Bürgerhaus sitzen gern unter dem Laubbaum, der in unmittelbarer Nähe zum Gemeinschaftsgebäude und der Feuerwehr steht. Mit Schatten ist es jetzt erst einmal vorbei. Lediglich die Baumkrone ist dafür noch geeignet. "Wir müssen überlegen, wie wir ein bisschen Schatten an den Platz bringen können. Vielleicht wächst ja wieder etwas nach. Aber das wird ein paar Jahre dauern", sagt Uwe Kairies.

In Brunn ist das Kind schon in den Brunnen gefallen - beziehungsweise der Baum verhunzt. Woanders kann man das Schlimmste dagegen vielleicht noch verhindern. Stadtsprecherin Keßler machte darauf aufmerksam, dass gegenwärtig an vielen Stellen Baumpflegearbeiten stattfinden. Die Reichenbacher sollten mit offenen Augen durch ihren Ort oder ihr Wohngebiet gehen - und bei Bedarf mit den Mitarbeitern der Stadtverwaltung oder der beauftragten Firmen sprechen. Vielleicht kann man ihnen dann noch rechtzeitig in den Arm fallen. Noch bis Ende Februar erlauben die Naturschutzgesetze das Fällen sowie starke Schnittmaßnahmen.

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