Ramelow und Lesch sprechen über Wege in lebenswerte Zukunft

Bei "Prominente im Gespräch" in Greiz widmeten sich zwei weithin bekannte Gäste Themen wie Klima und Umwelt. Die Erwartungen der Zuhörer waren hoch.

Greiz.

Der Wind hat sich in Sachen Weltveränderung gedreht: Wurde solches Unterfangen früher nicht selten mit beißendem Spott bedacht, scheint Veränderung inzwischen ein Gebot der Vernunft geworden zu sein. Darauf wies die jüngste Veranstaltung von "Prominente im Gespräch" am Montag in der Greizer Stadtkirche St. Marien mit Nachdruck hin. Gäste des Abends waren der bekannte Wissenschaftsjournalist Harald Lesch und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke). Das Thema lautete: "Wenn nicht jetzt, wann dann? Handeln für eine Welt, in der wir leben wollen".

Die beiden Gäste hatte Harald Seidel, der Initiator der Greizer Gesprächsreihe, bereits mehrfach als markante Vertreter ihres Fachs ins Vogtland eingeladen. Sie erfüllten auch dieses Mal, wo es um Klima, Umwelt, Energiepolitik, Angst vor der Zukunft und mögliche Auswege gehen sollte, die Erwartungen. Die knapp 700 Besucher erlebten keinen Schlagabtausch auf Biegen und Brechen, doch zwei unterschiedliche Temperamente und Sichtweisen.


Lesch weiß nicht allein Heimsuchungen wie Starkregen, Hitze und Trockenheit einleuchtend als Folgen menschlichen Tuns zu erklären. Er glänzt auch mit Humor und wohlgesetzten Nadelstichen. Warum, fragt er beispielsweise, werden im Radio regelmäßig nur die Börsenkurse bekanntgegeben? Wäre es nicht sinnvoll, in gleicher Weise über den Stand der Entwicklung in Natur und Gesellschaft zu informieren? Ramelow geht mehr ins praktische Detail, formuliert gut klingende Forderungen wie ein Tempolimit von 130 Kilometer pro Stunde auf Autobahnen oder die Erhebung einer Kerosinsteuer bei gleichzeitiger Steuerbefreiung für die Bahn.

Der Politiker der Linken kann auch auf bereits Realisiertes verweisen, die bei Jena gelegene Gemeinde Schlöben etwa, die sich selbst samt des ansässigen Agrarbetriebs mit alternativ und dezentral gewonnener Energie versorgt. Oder auf die dank einer parteiübergreifenden Anstrengung erreichte Kommunalisierung des landesweit tätigen Energieunternehmens Teag. Er lässt dabei keinen Zweifel: "Manche Dinge gehören nicht an die Börse. Dort ist kein Platz für Solidarität, dort geht es um Profit."

Lesch wie Ramelow erwähnen mehrfach mit sichtlicher Sympathie die Bewegung "Fridays for future" als Aufstehen der jungen Generation gegen eine umweltfeindliche Wirtschaftsweise.

Schön, dass am Montag junge Greizerinnen und Greizer in Erscheinung traten. Der Jugendchor und die Junge Hofkapelle an St. Marien, gegründet und sorgsam geführt von Stadtkantor Ralf Stiller, brachten gekonnt die Musik ins Spiel - nicht zuletzt auch als Mitstreiterin in Sachen Weltveränderung. Dabei reichte das Spektrum von dem 1606 entstandenen innigen Lied "Wie lieblich ist der Maien" bis zum schnörkellosen, angenehm ruppigen "Jetzt ist Sommer" der Kölner Vocal-Pop-Gruppe Wise Guys. Instrumental wurde subtil Gestaltetes von William Boyce und Johann Pachelbel geboten. Populäres aus dem Werk Johann Sebastian Bachs wie das "Air" und die d-Moll Orgel-Toccata übernahm der bewundernswert agierende Chor.

Für die von Harald Seidel konzipierte zweistündige Veranstaltung, auch der herzlich begrüßte Greizer Forschungsastronaut Ulf Merbold war Gast, dankten die Zuhörer am Ende mit langem Beifall im Stehen. Seidel teilte noch mit: Nach der Veranstaltung haben die Besucher noch 2044 Euro gespendet für die Sanierung der Kreutzbach-Jehmlich-Orgel der Greizer Stadtkirche.

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