Rasantes Ränkespiel kommt auf die Bühne

Das Neuberin-Ensemble Reichenbach führt Shakespeares Tragödie "Othello" auf. Alles dreht sich um Liebe, Eifersucht, Neid und Intrigen. Nicht nur ein Narr ist dabei neu.

Reichenbach.

Vom 24. bis 27. September geht im Reichenbacher Neuberinhaus das fünfte Impuls-Festival mit vier Amateur- und Nachwuchstheatern der Region über die Bühne. Es findet im jährlichen Wechsel mit den Neuberin-Theatertagen statt.

"2020 ist ein Jahr mit Wunsch nach Normalität, Alltäglichem und Gewohnheit. Doch für gewöhnlich gibt sich das Theater nicht mit Gewöhnlichem ab. Wir haben uns deshalb vorgenommen, Impulse zu setzen in ungewohnten Zeiten", erklärt Annegret Thalwitzer, Leiterin des hauseigenen Neuberin-Ensembles.

Das Neuberin-Ensemble studiert für das Festival das 1604 uraufgeführte Shakespeare-Drama "Othello" ein - in einer Bearbeitung von Annegret Thalwitzer. "Ich beschäftige mich in Theaterprojekten schon seit drei Jahren mit Shakespeare. 'Othello' finde ich wegen der zeitlosen großen Themen Liebe, Eifersucht, Neid und Intrigen spannend", begründet die Regisseurin die Auswahl. Ein rasantes Ränkespiel erwartet das Publikum. Es stellt Fragen wie: Kann ein Mensch von Grund auf böse sein? Was treibt Menschen zu Lügen und Gewalt?

Feldherr Othello (Jörg Teichmann) hat den jungen Cassio (Jakob Seidel) zu seinem Leutnant befördert. Fähnrich Jago (Alexander Fiedler) sinnt auf Rache. Denn er glaubt, er hätte diese Beförderung verdient gehabt. Der Neid lässt ihn zum fiesesten Intriganten in Shakespeares Gesamtwerk werden. Dabei spielen auch Jagos Frau Emilia (Isabell Staub), Othellos Frau Desdemona (Minona Löscher), der edle Venezianer Rodrigo (Marco Teichmann), der Gesandte der Republik Venedig (Kerstin Zähringer/zugleich Regie-Assistenz) sowie Othellos Vorgänger in der Statthalterei auf Zypern, Montano (André Kluge), eine Rolle. Jago treibt ebenso manipulativ wie erfolgreich Liebende in den Hass gegeneinander und führt Ahnungslose in sinnlose Kämpfe bis in den Tod.

"Im Mittelalter, indem das Stück spielt, wurden Frauen klein gehalten. Desdemona ist aber eine starke Frau, während ihre Kammerfrau Emilia, die Gattin Jagos, im Hintergrund leidet. Ich habe das herausgearbeitet. Das ist ein schöner Kontrast", sagt Annegret Thalwitzer. Jago hat sie die endlosen Monologe gestrichen. Nur ein Augenzwinkern ins Publikum verbleibt ihm nun. Dafür taucht in der Inszenierung eine ganz neue Figur auf: ein Narr (Ute Riemenschneider). "Er führt durch das Stück, springt durch die Zeit, ist mal im Stück und mal nicht", so die Regisseurin. Ob der aufrichtige, als Krieger erzogene Feldherr Othello (womöglich ein Maure, die Übersetzung Mohr gilt als irreführend) nun dunkelhäutig oder ganz anders aussehen wird, soll bis zur Premiere ein Geheimnis bleiben. Neu ist auch, dass es ein doppeltes Ende geben soll. Man darf gespannt sein, was den Theaterleuten da neben Shakespeares klassischem Blutbad als Alternative einfällt.

Geprobt wird seit Januar. In der achtwöchigen Corona-Pause seit März hielt das Ensemble via Skype Video-Kontakt im Internet. "Da haben wir am Text gearbeitet. Die Leseproben zeigten mir, wo ich noch ran muss. Das war nicht so einfach", erzählt Annegret Thalwitzer. Mittlerweile wird im Neuberinhaus geprobt. Im kleinen Saal. Dort ist Platz, trotz der aktuell im Haus laufenden Bauarbeiten.

"Othello" erlebt beim Impulsfestival im Neuberinhaus Reichbach am Donnerstag, 24. September, 19.30 Uhr seine Premiere und wird am Sonntag, 27. September, 17 Uhr noch einmal aufgeführt.

Weiteres Programm: Freitag, 25. September, 9.30 Uhr Kinderwerkstatt des Greizer Theaterherbstes, "Fünf Bohnen"; 19.30 Uhr "Das ÜZ" aus Leipzig, Theaterkonzert und Live-Hörspiel "Aus dem Leben eines Taugenichts". Samstag, 26. September, 16 Uhr Mondstaubtheater Zwickau, Tanztheaterstück "Schwingungen". Eintritt: Erwachsene 9 Euro; Kinder, Studenten, Schwerbeschädigte 5 Euro. Theaterkasse im Neuberinhaus, Telefon 03765-12188. E-Mail: ticket@neuberinhaus.de

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