Reichenbach feiert Bauhaus ohne Bauhaus

Eine Bustour, Vorträge und eine Fotoausstellung sind bis in den Oktober geplant. Bauten dreier Architekten stehen dabei im Mittelpunkt.

Reichenbach.

Schade eigentlich, dass das Bauhaus-Jubiläum nicht schon vor zwei Wochen stattgefunden hat. Da hätte Reichenbach noch ein "echtes" Bauhaus-Gebäude gehabt: das Haus der sozialen Dienste des Deutschen Roten Kreuzes an der Albertistraße. "Typisches Beispiel der Bauhausarchitektur", stand dazu auf der Liste des sächsischen Landesamts für Denkmalschutz, die Reichenbachs Historiker Wolfgang Richter am 15. März ausgedruckt hatte. Mittlerweile steht dort: "typisches Beispiel für die Anlehnung an die Bauhausarchitektur." Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Dies hält Reichenbach nicht davon ab, an die Gründung des Bauhauses in Weimar vor 100 Jahren zu erinnern. Die Vereine Kunsthalle Vogtland und Aqua et Natura, das Neuberinhaus und die Stadtverwaltung Reichenbach organisieren dazu die Spurensuche "100 Jahre Bauhaus auch in Reichenbach?".

Christoph Ulrich

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Das Projekt ist am Mittwoch im Rathaus vorgestellt worden. Wie Frank Lorenz, künstlerischer Leiter der Kunsthalle Vogtland, erklärte, sind vier Veranstaltungen geplant.

Los geht es am 4. Mai, 13 Uhr am Alten Wasserwerk mit einer geführten Bustour zu Bauten, die in den 1920er- und 1930er-Jahren entstanden. "Tickets gibt es ab 8. April zu zehn Euro im Neuberinhaus. 30 Leute passen in den Bus. Bei entsprechender Nachfrage wird es später eine zweite Tour geben", so Lorenz.

Die Vorträge "100 Jahre Bauhaus: Umbrüche in Kunst und Architektur" von Wolfgang Viebahn zum Tag des offenen Denkmals am 8. September, 14 Uhr, und "Die Tex - Architektur der Moderne" von Christian Hofmann am 24. September, 19 Uhr, jeweils im Alten Wasserwerk, folgen. Den Abschluss bildet ab 17. Oktober die Fotoausstellung "Bauhaus in Reichenbach" von Carsten Steps im Reichenbacher Rathaus.

Wie Heimatforscher Wolfgang Viebahn erklärte, bescherten vor allem drei Architekten der Stadt Reichenbach imposante Bauten im Stil der Neuen Sachlichkeit mit Bauhaus-Zügen: Zum einen Rudolf Ladewig, dem der Wasserturm, die Höhere Textilfachschule, die Marienkirche und das Krematorium, aber auch Wohntürme in der Sternsiedlung, in der Erich-Mühsam- und Oberen Lindenstraße zu verdanken sind. Zum anderen Curt Feiler, von dem vier seiner 1929 patentierten Wohntürme vom "Typ Feiler" in Mylau erhalten sind. Er schuf auch das eingangs zitierte DRK-Gebäude in der Albertistraße 46, das 1931 als Klinik- und Wohnhaus für Dr. Else Riedel eröffnet wurde. Dritter im Bunde ist Fritz Löffler mit seiner Villa in der Schlachthofstraße 38, der auch den flachen Fabrikbau an der Humboldtstraße 43/45 konzipierte. Die Bustour bindet diese Gebäude ebenso ein wie die Buswagenhalle, das Kino Mylau, die ehemalige Orchesterschule oder die Druckwerke.

Zwischen Bauhaus und Neuer Sachlichkeit scharf zu trennen, fällt selbst Experten schwer. "Echtes Bauhaus kann man in Sachsen an zwei oder eineinhalb Händen abzählen", sagt Hartmut Ritschel, Abteilungsleiter bei Landesamt für Denkmalpflege. Noch schärfer urteilt Sonja Vogel von der Stiftung "Bauhaus Dessau". Aus ihrer Sicht ist es fast schon zweitrangig, wie das jeweilige Gebäude aussieht. Vogel: "Eigentlich ist nur das echt Bauhaus, was von einem Bauhäusler errichtet wurde. Also von Walter Gropius oder einem anderen." Frank Lorenz bringt es dagegen auf eine einfache Formel: "Bauhaus ist eine Schule, kein eigener Stil der Architektur. Diese Schule spiegelt sich im Neuen Bauen, in der Klassischen Moderne und in der Neuen Sachlichkeit wider."

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