Reichenbach macht Schule

Vor 110 Jahren wurde mit der Bau der Handelsschule an der Schillerstraße begonnen. Sie war eine "Zierde unserer Stadt".

Reichenbach.

Mit Reichenbach ging es damals bergauf. Und im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im gesamten Stadtgebiet neue Schulen errichtet worden. In der Altstadt war es auf dem Kirchplatz die neue Schule von 1869, die heutige Weinholdschule 1874, die Dittesschule 1881, das Gymnasium 1883, die jetzige Friedensschule 1897 und die Webschule, das heutige Haus der Vereine, 1899. Die Zahl der Einwohner betrug 1861 rund 10.000 und zur Jahrtausendwende waren es 24.500 Personen.

Als erste neue Schule nach 1900 wurde am 12. Juli 1909 mit dem Bau der Handelsschule an der Schillerstraße begonnen, die am 3. Oktober 1910 in Anwesenheit von Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Polster eingeweiht werden konnte. Der damalige Kaufmännische Verein Hansa hatte das Gebäude für die Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses als "Öffentliche Höhere Handelslehranstalt" von Baumeister Paul Schneider bauen lassen. Das im Jugendstil errichtete Schulhaus passte sich gut in das Ensemble des Amtsgerichts von 1899 und der benachbarten Villen und Wohnhäuser ein. Im Reichenbacher Tageblatt vom 2.Oktober 1910 heißt es: "Das Gebäude repräsentiert sich in seiner vornehmen äußeren Ausführung in recht vorteilhafter Weise als eine hervorragende Zierde unserer Stadt. Von geradezu mächtiger Einwirkung ist die Architektur auf der Molkte-Straßenseite. Das dortige Fassadenschmuckstück ´Stehender Merkur ohne Arme ist in seiner modernen und kühnen künstlerischen Auffassung ganz danach angetan, beim Besucher ein Gefühl des Stolzes auszulösen und dem Symbol des Hauses in vornehm erhabener Weise Ausdruck zu verleihen." Das Fassadenschmuckelement, der Merkur, ist das Symbol der Kaufleute. Nach 1945 wurde das Schulgebäude als Gewerbliche Berufsschule genutzt. Als Gewerbliche Berufsschule II trug sie den Namen "Anne Frank". Mit dem Neubau am Standort der Berufsschule von 1915 in der Rathenaustraße im Jahre 2000 wurde die Schule in der Schillerstraße leer gezogen. Damit ergab sich die Möglichkeit der Übernahme der Schule durch die 1996 wieder gegründete Hansa Handelsschule als gGmbH und als staatlich anerkannte Ersatzschule. Heute werden die Schüler in den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung und Sozialwesen zur Fachhochschulreife geführt.

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