Reichenbach und Greiz eng verbunden

Christian Espig arbeitet im Archiv des Vogtlandkreises. Dass er historische Zusammenhänge lebendig werden lassen kann, zeigte er in Reichenbach.

Reichenbach/Greiz.

Die Geschichte kann spannend sein, vor allem, wenn sie so vorgetragen wird wie von Christian Espig am Dienstag im Alten Wasserwerk in Reichenbach. Der promovierte Historiker aus Greiz, der im Archiv des Vogtlandkreises arbeitet, hatte auf Einladung des Vereins Aqua et Natura in der Reihe "Live aus dem Wasserwerk" zum Thema "Das Fürstentum Reuß - ältere Linie", 1768 bis 1918, gesprochen. Das Herrschaftsgebiet umfasste die Gegend um Greiz und Zeulenroda sowie Schloss Burgk und war doppelt so groß wie das heutige Liechtenstein.

Das kleine, außergewöhnliche Fürstentum Reuß befand sich in unmittelbarer Nähe zum Königreich Sachsen. Die Lage bedingte den vielfältigen Austausch. Ein Beispiel dafür war der Unternehmer Georg Schleber, der auf dem Gelände des heutigen Parks der Generationen, auf dem sich auch das Alte Wasserwerk befindet, einst eine Textilfabrik betrieb. Er expandierte nach Greiz und baute 1871 im Aubachtal ein Unternehmen auf, das doppelt so groß wie die Reichenbacher Firma war. Es ging später in den Textilbetrieb Greika ein und mit der Wende unter.

Espig sprach auch von einem regen Austausch der Arbeitskräfte zwischen den damaligen Zentren Greiz, Reichenbach und Fraureuth. Im kleinen Fürstentum existierten politische Strömungen von Tiefschwarz bis Rot, was manche bisweilen eigenartige Entwicklung erklärt. So standen sich altkonservative Reichsgegner aus dem Fürstenhaus, Patrioten des Deutschen Reiches und Anhänger Bismarcks sowie sozialdemokratische Führer auf engem Raum gegenüber. Schon 1877 sei das reußische Fürstentum eine Hochburg der Sozialdemokratie gewesen.

Die Kirchen kümmerten sich wenig um Grenzen des Fürstentums. Ein großer Teil der Christen war außerhalb eingepfarrt. Im Arbeiterviertel Aubachtal steht zwar eine große Kirche, doch schon damals sei der Zuspruch gering gewesen. Espig: "Damals war das nicht so einheitlich wie heute. Selbst Personal für Schulen, Kirchen oder die Hebammen kamen aus dem Ausland." Ausland bedeutete das Königreich Sachsen oder auch Bayern sowie Preußen.

In seinem Vortrag stellte Espig den Zusammenhang zwischen den Vögten als Vorgänger der Reußen dar und erklärte die Erbteilung in Reuß ältere (Greiz) und Reuß jüngere Linie (Gera), die sich weiter verzweigten. Wegen Mangels an einem männlichen Regenten wurde die ältere Linie ab 1902 wieder zum Herrscher über die jüngere Linie. Beide Fürstentümer wurden jedoch nicht vereinigt. Dazu kam es wegen der Aufhebung des Adelsstandes im Jahr 1919 nicht mehr.

Heimatforscher Wolfgang Viebahn hatte zu Beginn auf den engen Zusammenhang zwischen den Städten Reichenbach und Greiz hingewiesen, der auch heute noch existiert, obwohl es in jüngster Zeit ruhig um den Städteverbund geworden ist.

Am Ende bedankten sich viele der Gäste für den interessanten Vortrag. Espig soll in absehbarer Zeit noch einmal im Alten Wasserwerk auftreten, dann zusammen mit Ulrich Jugel, der das Projekt Kulturweg der Vögte betreut.

Der nächste Vortrag "Live aus dem Wasserwerk" findet am 10. Juli, 17 Uhr, statt. Christian Suhr spricht zum Thema "Vomag", zur Vogtländische Maschinenfabrik AG.

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