Reichenbach verzichtet auf Glyphosat

Der Stadtrat zeigt dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel einstimmig die rote Karte. Der Ausstieg erfolgt schrittweise. Ein Konzept dafür soll her.

Reichenbach.

Die Stadt Reichenbach verzichtet bei der Pflege kommunaler Grünanlagen und Freiflächen künftig auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden auf Basis von Glyphosat.

Der Stadtrat folgte damit am Montagabend einstimmig einem Antrag der Fraktionen Die Linke/FFw Mylau und Bitex/Grüne. Statt "ab sofort", wie im Antrag formuliert, steht im Beschluss jetzt aber "schrittweise". Private Dienstleister, die den Auftrag zur Pflege kommunaler Flächen erhalten, werden zu einem Verzicht von Totalherbiziden auf Glyphosat-Basis verpflichtet. In Verträge über die Verpachtung kommunaler Flächen wird künftig aufgenommen, dass dort kein Glyphosat eingesetzt werden darf. Das gelte sowohl für Neuverpachtungen als auch für die Verlängerung von Pachtverträgen. Zudem wurde die Verwaltung beauftragt, ein Umsetzungskonzept mit Zeitschiene zu erarbeiten und dem Stadtrat vorzulegen.

"Für uns ist es das Gebot der Stunde, Glyphosat aus der Umwelt zu verbannen", erklärte Henry Ruß (Linke). Dass das nur schrittweise erfolgen könne und nicht von heute auf morgen, sei klar, denn es gebe Verträge. Die RAD zum Beispiel habe bis Ende 2018 geltende Genehmigungen. Bislang werden durch Stadtverwaltung und Mitarbeiter der RAD pro Jahr rund 320 Liter des glyphosathaltigen Mittels Roundup Power-Flex zum Einsatz gebracht.

Während die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat im März 2015 Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft hat, hält die Europäische Chemikalienagentur den umstrittenen Unkrautvernichter für "nicht krebserregend". Kritiker stufen das Mittel indes als mitverantwortlich für den Verlust der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft ein. Stadtrat Peter Tillack (Bitex) erklärte, das Herbizid blockiere ein Enzym, das für die meisten Pflanzen lebenwichtig ist. "Glyphosat begünstigt Antibiotika-Resistenzen bei Mensch und Tier", sagte er. Es störe die Darmflora von Honigbienen und trage so zum Insektensterben bei.

"Wir werden uns in der Pflege der Grünanlagen umstellen müssen. Nicht jeder Löwenzahn wird künftig mehr entfernt", meinte Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU). Stephan Hösl (CDU) begrüßte, dass der Glyphosat-Verzicht schrittweise erfolgt. Erfahrungen mit dem eigenen Beet vorm Haus zitierend, erwartet er einen steigenden Arbeitsaufwand für die Pflege kommunaler Flächen.

Nach aktuellen Angaben des BUND haben sich bislang 250 Städte und Gemeinden in Deutschland entschieden, ihre Grünflächen ohne Pestizide oder mindestens ohne Glyphosat zu bewirtschaften. Auch in Plauen soll bis Ende Oktober ein Konzept auf dem Tisch liegen, wie der Einsatz eingeschränkt und eingestellt werden kann.

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1Kommentare
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    Tauchsieder
    04.10.2018

    Purer Aktionismus, ohne wirklich zu wissen was sie machen, dass ist der Rhythmus wo jeder mit muss, weils die anderen machen, machen wir es auch usw. Also eigentlich keinen Plan.
    Zum besseren Verständnis für die Stadträte und zum nachlesen folgende Links:
    https://euleev.de/lebensmittel-und-ernaehrung/brotzeit-videos/893-brotzeit-pflanzenschutzmittel-hilfreich-und-relativ-harmlos
    Und hier noch einer:
    http://nahrungsmythen.de/2018/02/20/verwendet-der-biolandbau-pestizide/
    Da ist wohl der Bürgermeister eingeknickt, vielleicht auch lediglich eingenickt ? !



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