Reichenbacher drucken dreidimensional

3D-Druck gibt"s jetzt auch im Vogtland. Ein Start-up aus Reichenbach arbeitet für Industrie und Forschung und versucht, auch Wünsche privater Auftraggeber zu erfüllen.

Reichenbach.

Sie kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit als Studenten des Technischen Managements in der Berufsakademie Plauen. Jetzt haben die beiden Diplomingenieure Christian Etzold (34) aus Reichenbach und Stefan Seifert (36) aus Greiz gemeinsam die Firma third-layer GmbH gegründet. Wie es der englische Name andeutet, beschäftigt sich ihr Start-up mit 3D-Druck.

"Wir sind die ersten im Vogtland", sagt Christian Etzold. Die nächsten 3D-Druck-Firmen produzieren in Dresden, Leipzig und Jena. Die Jungunternehmer haben drei Jahre Anlauf genommen und den Sprung ins kalte Wasser riskiert.

Sechs 3D-Drucker surren in der neuen Firma in Reichenbach, Marienstraße 1 und lassen - je nach Herstellungsverfahren - aus Kunststoffdraht (Filament) oder aus einer Spezialflüssigkeit (Resin) dreidimensionale Gebilde entstehen. Die Maximalgröße beträgt 20 mal 20 mal 20 Zentimeter, größere Teile werden hälftig ausgedruckt und anschließend zusammengefügt. Für einfache Teile sind mindestens zwei Stunden nötig und für die kompliziertesten bis zu 20 Stunden.

Auf das Thema dreidimensionales Drucken stießen die beiden Ingenieure vor rund drei Jahren, als sie in unterschiedlichen Firmen gearbeitet hatten und aus ihrer Tätigkeit heraus eine Vorstellung besaßen, welche Einsatzgebiete sich in der hiesigen Industrie anbieten. "Wir haben die Idee weitergesponnen", berichtet Christian Etzold. In ihrer Freizeit tauchten die beiden in die dreidimensionale Druckwelt ein, gründeten 2015 eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) und konzentrierten sich ab Mitte 2016 voll auf ihr neues Arbeitsfeld. Die GmbH wurde im Juli 2017 gegründet.

Bis es soweit war, mussten Chris- tian Etzold und Stefan Seifert einen steinigen Weg zurücklegen. "Drucker kaufen und loslegen - so geht das nicht", sagt Stefan Seifert. Um die Technik halbwegs im Griff zu haben, gingen Monate ins Land. Und auch jetzt gilt: Nicht jeder Auftrag ist umsetzbar. Beide Verfahren haben ihre Grenzen. Doch die third-layer GmbH stellt Prototypen her, hat sich im Modellbau etabliert und kann auch Ersatzteile präzise und - je nach Zweck - mit speziellen Eigenschaften liefern, mit hoher Festigkeit oder elektrischer Leitfähigkeit beispielsweise.

Umgesetzt werden diese Anforderungen mit Kunststoff-Metall-Mischungen je nach Vorgabe des Auftraggebers. Die Kunden sind Firmen im Vogtland und im Zwickauer Raum, Forschung sowie Privatleute. Ganz neu ins Haus geflattert ist ein Auftrag von der Universität Bayreuth. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wird auf das Know-how der beiden Gründer zurückgegriffen.

Der Firmensitz ist wiederum eine Geschichte für sich: Als der einst von der Schmidtbank errichtete und dann lange Jahre vom Landratsamt als Kfz-Stelle genutzte Bürocontainer in Reichenbach an der Marienstraße frei wurde, schlugen die beiden zu. Die untere Etage passte wie die Faust aufs Auge: 220 Quadratmeter groß, in Innenstadtlage und mit Pkw-Stellplätzen vor der Tür.

Eigentümer des einst als Provisorium errichteten Gebäudes ist Günter Röner, der nach dem Auszug der Kfz-Stelle einen Nachfolger suchte und mit dem Start-up auch fand. "Ich freue mich riesig, dass dort wieder Leben drin ist", sprudelt es aus dem Vermieter heraus. 3D-Druck habe doch Zukunft, meint der rüstige Rentner.

Seine neuen Mieter sprechen von einem Glücksfall - nicht nur, weil die Konditionen für eine Innenstadtlage günstig seien. Sie haben für ihren Vermieter sogar einen Auftrag erledigt: Günter Röner suchte nach einem originellen Geschenk für seinen langjährigen Hausarzt - und ließ eine Statue in Form einer Spritze auf einem Sockel konstruieren und ausdrucken.

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