Reichenbacher Fußgängerzone ist nach drei Monaten vom Tisch

Die Stadtratsmehrheit stimmte für die Rückkehr zur verkehrsberuhigten Zone. Die Beschilderung soll bis Ende nächster Woche stehen. Zwei Parkscheinautomaten folgen.

Reichenbach.

Der Reichenbacher Stadtrat hat am Montagabend in namentlicher Abstimmung mit 15 Ja-Stimmen bei zehn Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen die unverzügliche Wiedereinrichtung der verkehrsberuhigten Zone mit Kurzzeitparkplätzen in der unteren Zwickauer Straße und Zenkergasse beschlossen. Damit ist die dort seit Januar geltende Fußgängerzone nach nur drei Monaten wieder vom Tisch. Händler hatten massive Umsatzeinbußen beklagt und sahen ihre Existenz bedroht.

Mit dem Beschluss folgte der Stadtrat dem Antrag von zwölf Stadträten aus sieben Fraktionen. Die Unterzeichner forderten dabei in Zukunft regelmäßige Kontrollen des fließenden und ruhenden Verkehrs und bezüglich der Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit.

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Gisela Weck (BI Mylau) hatte zunächst im Namen der drei ehrenamtlichen Bürgermeister einen weiteren Vorschlag eingebracht, wonach die untere Zwickauer Straße wieder verkehrsberuhigter Bereich werden, die Zenkergasse aber Fußgängerzone bleiben solle.Für Benedikt Lommer (Gewerbeverein) war das nicht der richtige Weg. Man dürfe "nicht einen Teil der Händler ausklammern", sagte er. Peter Tillack (Bitex) fand: "Wir können nicht darüber hinweggehen, dass viele Bürger eine verkehrsfreie Zone wollten." So kritisierte am Montag auch der Behindertenrat in seinem Tätigkeitsbericht, dass der neuen Beschilderung keine Probezeit eingeräumt werde. Tillack war "nicht dafür, dass ein neuer Beschluss nur den Händlern zugute kommt". Alfons Kienzle (CDU) hielt gegen: "Es ist kein Beschluss für die Händler, sondern für die Stadt." Oder wolle man noch mehr leere Schaufenster haben? Thomas Höllrich (Linke) fand: "Wir brauchen Parkplätze." Zudem forderte er flankierende Maßnahmen von Stadt, Bewohnern und Händlern. Uwe Kukutsch (SPD), der den Schluss der Rednerliste beantragte, fand: "Ein bisschen Brexit ist das auch hier." Stephan Hösl (CDU) beantragte die namentliche Abstimmung. Für die Rückkehr zum verkehrsberuhigten Bereich stimmten Veit Bursian, Uwe Feuerer, Birgit Heidemüller, Stephan Hösl, Alfons Kienzle, Eleonore Kober, Hans-Jochen Köhler, Wolfgang Künzel, Benedikt Lommer, Ralf Malek, Kerstin Platzer, Lutz Quellmalz, Thomas Sachs, Birgit Schaller und Bernd Schröter.

Und wie weiter? Laut Oberbürgermeister Raphael Kürzinger (CDU), der sich selbst der Stimme enthielt, wird die Widmung der Fußgängerzone sofort widerrufen. "Unser Ziel ist, bis Ende nächster Woche die Umschilderung vorzunehmen", erklärte Baufachbereichsleiter Sven Hörning am Dienstag. Laut OB sollen zwei Parkscheinautomaten für die Kurzzeitparkplätze folgen. Das erleichtere die Kontrollen. Die Hinweisschilder für das Sparkassenparkdeck sollen jetzt trotzdem realisiert werden, ebenso Teile des "Ab in die Mitte"-Projektes mit Besucher-Leitsystem und neuen Sitzmöbeln. Weiter ungelöst ist das Problem Durchgangsverkehr.

Die 2006 sanierte Fußgängerzone wurde 2011 schon einmal auf Drängen von Händlern zum verkehrsberuhigten Bereich umgewandelt. Das Ladensterben ging jedoch weiter.


Auftrag für Citymanagement

Den Aufbau eines City- und Gewerbemanagements im Fördergebiet "Erweiterte Innenstadt" hat der Reichenbacher Stadtrat mit großer Mehrheit bei vier Enthaltungen an die ortsansässige Agentur Realitätsverlust - Marketing und Event vergeben. Der vorläufige Auftragswert beträgt 124.950 Euro. Die Agentur erwies sich in der Punktwertung als bester von drei Bietern. Die anderen beiden Bieter kamen aus Dresden und Leipzig. Die Maßnahme läuft bis Ende 2021. 80 Prozent der Gelder fließen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) sowie 20 Prozent aus Eigenmitteln der Stadt.

In der Diskussion erklärte Oliver Großpietzsch (SPD): "Was lange währt, wird endlich gut." Das Thema Citymanager stehe seit zwölf Jahren. Henry Ruß (Linke) verlangte eine halbjährliche Information zur Arbeit der Agentur im Technischen Ausschuss. Stephan Hösl (CDU) wünschte sich eine enge Zusammenarbeit zwischen der Firma und der Stadtverwaltung. 100 Tage Einarbeitungszeit gebe es nicht. Peter Tillack (Bitex) erklärte, dass man den Auftrag an jemanden geben wollte, "der auch bereit ist, in der Stadt etwas zu verändern". Laut Thomas Höllrich (Linke) gehe es darum, "die praktische Arbeit zu fördern". Dass die Firma jeden Tag greifbar ist, sei ein Vorteil. "Ich freue mich sehr. Der Gewerbeverein ist zu jeder Schandtat bereit", erklärte Benedikt Lommer (Gewerbeverein). (gb)

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