Reichenbacher gedenken des Dissidenten Jürgen Fuchs

Ein literarischer Rundgang führte auf die Spuren des in Reichenbach geborenen Bürgerrechtlers und Dichters. Das war noch nicht alles.

Reichenbach.

Eine Gruppe Neugieriger begab sich am Samstag in Reichenbach zusammen mit Lisa Theileis, der Leiterin der Jürgen-Fuchs-Bibliothek, auf die Spuren von Jürgen Fuchs. Anlass dafür war der 20. Todestag des in Reichenbach geborenen Lyrikers, Psychologen und Bürgerrechtlers.

Der Weg führte die Teilnehmer vom Stadtsteg zum Geburtshaus Am Mühlgraben und von dort an der ersten Schule von Fuchs am Kirchplatz vorbei zur Ackermannstraße, wo er sein Abitur ablegte. Weiter ging es zur ehemaligen Milchbar an der Feldgasse, einem beliebten Treffpunkt zu DDR-Zeiten. Der Treff soll von Mitarbeitern des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit unterwandert gewesen sein. So mancher Bericht von informellen Mitarbeitern (IM), die Gespräche verfolgten, wanderte in die Stasizentrale Cunsdorf und wurde dem einen oder anderen Reichenbacher zum Verhängnis.

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Sylvia Uhlmann sagte beim anschließenden Treffen in der Bibliothek: "Mir ist unterwegs aufgefallen, wie wenig ich über Jürgen Fuchs wusste." In der Bibliothek wurde eine kleine Dauerausstellung zu Jürgen Fuchs eröffnet.

Alexandra Müller enthüllte die Vitrine, die Lebenslauf, einige Zeitdokumente und den kompletten Satz der Bücher von und über den Reichenbacher enthält. Die Vitrine ist auch durch die Fenster im Rathausfoyer gut sichtbar. Damit wurde die Jürgen-Fuchs-Ecke mit dem Porträt des Ehrenbürgers aufgewertet. Die Bibliotheksleiterin erklärte: "Wir wollen auf den wohl berühmtesten Reichenbacher aufmerksam machen und zum Gespräch anregen. Nur so können wir Erinnerungen wahren."

Sylvia Uhlmann berichtete von einem Schulprojekt, zu dem der polnische Publizist Ernest Kuczynski in die Weinholdoberschule kam. Fächerübergreifend erforschten die Schüler Leben und Werk von Fuchs und präsentierten ihre Ergebnisse anschließend. Sylvia Uhlmann: "Ich fand das wahnsinnig interessant. Die Gedichte, die wir heute unterwegs gehört haben, kannte ich jedoch nicht." Sie sagte das mit Blick auf das Buch des polnischen Autors, der auch schon in der Bibliothek gelesen hatte. Lisa Theileis: "Wir haben auch Klassensätze des Buches ,Magdalena' von Jürgen Fuchs da, falls eine Schule das Buch für ein Projekt braucht. Wir würden solche Initiativen gern unterstützen."

Die weitere Diskussion drehte sich dann darum, welche Erberezeption sinnvoll ist und wie viel davon die Schule leisten kann und sollte. Sylvia Uhlmann sagte dazu: "Man muss nicht alles in den Unterricht packen, aber Jürgen Fuchs gehört zu Reichenbach dazu. Da sollte man schon einiges wissen, wenn man in Reichenbach zur Schule geht und hier lebt." Günther Freyer hatte Fuchs noch als Schüler gekannt. Deshalb war er auch schon bei der Veranstaltung mit dem Autor Udo Scheer am 9. Mai im Reichenbacher Goethe-Gymnasium dabei. Freyer über Fuchs: "Er hat sich etwas getraut und wusste, dass er einer Gefahr ausgesetzt ist. Viele schauen auch heute wieder weg." Er erinnerte sich, wie die Reichenbacher 1968 den Panzern auf dem Weg in die Tschechoslowakei zugewinkt haben und sich anders als Fuchs des Konfliktes nicht bewusst waren. Auch heute wüssten viele nichts, zum Beispiel aus der Zeit vor der politischen Wende im Jahr 1989. Deshalb sei es wichtig, Wissen zu vermitteln und auf solche Reichenbacher aufmerksam zu machen. Eine Frau hob hervor, dass Fuchs sich nicht beirren ließ: "Trotz aller Probleme ist er in seinem Verhalten immer menschlich geblieben."

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