Reichenbacher kritisieren Baumfällung am Ehrenhain

Musste das denn sein? Anwohner und auch Spaziergänger sprechen von Baumfrevel am Bürgerholz. Die Stadtverwaltung verteidigt den Einschlag als Teil der Sanierung der Gedenkstätte.

Reichenbach.

Wer der Grab- und Gedenkstätte am Bürgerholz einen Besuch abstatten will, kommt derzeit nur über Umwege zum zentralen Teil des 1946 für die in Reichenbach umgekommenen sowjetischen Soldaten und Zwangsarbeiter angelegten Ehrenhains. Riesige Stämme und Äste von den an der steinernen Umfriedung der Anlage gefällten Bäumen versperren am Eingang meterhoch aufgetürmt den Weg zu dem Obelisken mit der kyrillischen Inschrift "Den Opfern des Faschismus". Die am Zugang und in dem sogenannten Russenfriedhof aufgetürmten Reste der offenkundig kerngesund gefällten großen Ahorne und Eschen treibt jedoch eher Naturliebhaber auf die Palme.

"Wir haben dafür kein Verständnis, das ist Baumfrevel am Bürgerholz", sagt Anwohnerin Christine Pahlke, die ihre Kritik an dem Einschlag der etwa acht, neun Riesen auch auf Kommentare von Spaziergängern und Wanderern stützt, die auf ihrem Weg in den Wald hoch zum Windrad kopfschüttelnd Halt machen. Tenor: Die Fällaktion, die der jüngst von der Stadt angekündigten Sanierung des Ehrenhains vorausging, hätte vermieden werden können. "Alles redet über Umweltschutz und Klimawandel. Hier aber werden kerngesunde Bäume abgeholzt. Musste das sein? Wir haben nichts gegen die Sanierung, hätten uns aber mehr Augenmaß gewünscht", sagt ein Mann und präzisiert: "Natürlich standen die Bäume relativ nah an der Mauer. Wir denken aber, sie hätten deren Sanierung nicht wirklich behindert."

In der Stadtverwaltung wird genau dieser Umstand anders gesehen. Demnach hat es sich erforderlich gemacht, "Großgrün, das die Mauersanierung behindert, zu fällen", teilt Stadtsprecherin Heike Keßler mit. Viele der Bäume seien überdies Anflug gewesen. "In der ursprünglichen Gestaltung waren nur sehr wenige Bäume vorgesehen." Das Fällen des alten Baumbestandes sei zudem mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt gewesen. "Ersatzpflanzungen sind zum Abschluss der Maßnahme, voraussichtlich im Herbst 2020, geplant."

Beschlossen worden war die Sanierung der sowjetischen Kriegsgräberstätte in der Juni-Sitzung des Technischen Ausschusses. Die Arbeiten umfassen die Instandsetzung der Umfriedungsmauer, die Erneuerung der Wegeeinfassung sowie die Neugestaltung der Bepflanzung. Außerdem werden vor dem Obelisken Stelen mit den Namen der Beigesetzten errichtet. Noch in diesem Jahr sollen die über Fördergelder in Höhe von etwa 170.000 Euro finanzierten Landschafts- und Mauersanierungsarbeiten ausgeführt werden. Voraussichtlich im nächsten Jahr beauftragt die Stadt eine Firma mit den Steinmetzarbeiten - weitere Fördergelder vorausgesetzt.

In der Anlage hatten 246 während der Nazi-Diktatur ums Leben gekommene Soldaten und Zwangsarbeiter ihre letzte Ruhestätte gefunden. Viele der dort Beigesetzten waren vor ihrem Tod in der nur wenige Meter unterhalb des Friedhofs stehenden Arbeiterturnhalle untergebracht, in der sowjetische Kriegsgefangene interniert worden waren.

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4Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    18.10.2019

    Viel zu schade zum Verheizen , da wird sicherlich Schiffsmöbel draus gebaut ...

  • 5
    0
    GrauerWolf
    18.10.2019

    Prioritäten gesetzt?
    Baumfällungen in diesem Ausmaß ausführen zu lassen ohne vorab die Öffentlichkeit "mitzunehmen" grenzt bei der aktuellen öffentlichen Diskussion über Baumsterben, Klimawandel und die wichtige Rolle des Waldes für die Erhaltung des menschlichen Lebens auf der Erde an politischen Selbstmord. Die CDU geführte Führungsspitze Reichenbach's hat die "grünen" Glocken der Peter-Paul-Kirche noch nicht schlagen hören...
    Da lohnt der Blick nach Bayern, wo CSU-Chef Markus Söder diese moderne Volkspartei Richtung Natur steuert und damit die Meinung seines Wahlvolkes reflektiert, auch wenn ihm das nicht jeder abkauft - aber immerhin...
    Also weniger predigen sondern das Richtige tun!
    Meint Ihr
    Grauer Wolf

  • 4
    3
    Zeitungss
    17.10.2019

    @Interessierte: ...……., um bei Stromausfall die Bude zu beheizen, vorausgesetzt man hat noch die Möglichkeit dazu.

  • 3
    4
    Interessierte
    17.10.2019

    Schöner gesunder Baum , wofür braucht man das Holz?



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