Reichenbacher lösen Mega-Stau mit auf

Das Technische Hilfswerk war auf der A 72 und auf Schienen im Einsatz. Die Schneemassen hielten zudem die Feuerwehren in Atem - aufgrund anhaltender Schneebruchgefahr sperrt Reichenbach Parks und Friedhöfe. Auch einige Schulen schließen.

Reichenbach.

Das Reichenbacher Technische Hilfswerk hat mit dem THW von Plauen maßgeblich für ein Ende des von Bayern bis nach Treuen reichenden Mega-Staus auf der A 72 gesorgt. Die Schneemassen hatten den Verkehr bereits am Mittwochabend teilweise bis zur A 9 lahmgelegt, der Rückstau auf der völlig zugestellten Fahrbahn nach Hof reichte bis Treuen. "Wir haben mit der Polizei die im Stau steckenden Autos über Plauen Süd runtergelotst, Brummi für Brummi freigeschleppt und Starthilfe gegeben, sodass der Verkehr gegen Mittag langsam anrollen konnte", berichtete Zugführer Marcel Reinhold gestern. Beim Lotsen der Autos galt: Fahrzeuge mit Kindern an Bord zuerst.

Wie Einsatzleiter Marcel Teichmann vom Rettungszweckverband Südwestsachsen berichtete, war die Situation teilweise angespannt. Hilfe kam etwa vom Katastrophenschutzzug der Johanniter Plauen, der pausenlos mit Tee und Essbarem unterwegs waren. Noch während des A-72-Einsatzes wurde ein THW-Trupp abgezogen. Das Notfall-Management der Deutschen Bahn hatte die Reichenbacher zum Freischneiden blockierter Strecken angefordert. So waren zunächst fünf Mann mit einer Rangierlok auf der Strecke Zeulenroda-Mehltheuer im Einsatz. Weitere Einsätze standen bis in die Nacht zwischen Adorf und Vojtanov sowie zwischen Zwickau und Falkenstein an. Dennoch war diese Strecke noch gesperrt, genau wie jene zwischen Adorf und Bad Brambach. Ob dort am heutigen Freitag die Züge wieder rollen, stand gestern noch nicht fest.

Umgestürzte Bäume forderten gestern auch den Feuerwehren viel ab. So war die Reichenbacher Wehr etwa zwischen Mühlwand und Mylau, zwischen Schneidenbach und Jägerhaus oder an der Rotschauer Kreuzholzstraße im Einsatz - die Straße zwischen Rotschau und Mühlwand bleibt bis auf Weiteres voll gesperrt. Mit Mann und Maus war auch die Lengenfelder Wehr seit 3 Uhr unterwegs. Wie Stadtwehrleiter Christian Kirsch sagte, wurden in allen Ortsteilen etwa 20 Bäume von Straßen geräumt beziehungsweise gefällt, da sie eine Gefahr darstellten. Die Schneemassen beschäftigten auch die Netzschkauer Wehr. Noch während sie am frühen Morgen auf der Göltzschtalstraße zwischen Mylau und Greiz einen Baum von der Fahrbahn zog, kippte schon der nächste um. Die Straße ist für den Verkehr gesperrt.

Wegen Schneebruchgefahr hat die Stadt Reichenbach die öffentlichen Grünanlagen und Friedhöfe in allen Ortsteilen geschlossen. "Wer sich dennoch in den Anlagen aufhält, begibt sich in Lebensgefahr", sagt Stadtsprecherin Heike Keßler.

Schneemassen und blockierte Straßen treffen einige Berufszweige ganz besonders. "Wenn es so weiter schneit, wird es kriminell", sagte Anett Kluge vom gleichnamigen Pflegedienst in Reichenbach. Schon jetzt sind einige Patienten eingeschneit. Kluge und ihre Mitarbeiter kommen dort nicht ran. "Im Augenblick springen Angehörige oder Nachbarn in die Bresche." Damit die Touren einigermaßen klappen, müssen bei Kluge alle ran - auch Kollegen, die frei hätten. Kluge: "Wer keinen Dienst hat, steht trotzdem bereit."

Die Kinder dürften dagegen rundherum zufrieden sein. Der Wintereinbruch hat den Mädchen und Jungen an einigen Schulen im nördlichen Vogtland immerhin "Schneefrei" beschert. Gestern fiel der Unterricht am Evangelischen Gymnasium Mylau ebenso aus wie an der Montessori-Grundschule Limbach, die beide vom Verein Futurum Vogtland betrieben werden. Auch heute findet dort kein Unterricht statt. Eine Betreuung für jene Kinder, die dennoch zur Schule kommen, werde aber abgesichert.

"Schneefrei" gibt es heute auch an den Oberschulen in Lengenfeld und Neumark. In Neumark fehlten gestern knapp 100 Kinder, der Unterricht habe dennoch so weit wie möglich stattgefunden. Da weiter unklare Straßenverhältnisse zu erwarten seien, habe man den Schülern Briefe an die Eltern mitgegeben, dass der Freitag unterrichtsfrei ist. Eltern, deren Kinder gestern nicht in der Schule waren, sollten über Elternsprecher oder Lehrer informiert werden. Auch an der Oberschule Lengenfeld seien viele Kinder gestern nicht angekommen. Die Nachmittagsangebote wurden gestrichen, heute ist kein Unterricht. Eine Notbetreuung wird aber abgesichert. Für Montag, wenn neuer Schnee droht, wolle die Schulleitung am Wochenende entscheiden und im Internet informieren.

An den Oberschulen Netzschkau und Reichenbach, wo 20 beziehungsweise knapp 10 Prozent der Schüler fehlten, lief der Unterricht indes normal und soll auch heute fortgesetzt werden. Gleiches gilt für das Goethe-Gymnasium Reichenbach. Verschoben wurde hier lediglich ein Elternabend - auf den 17. Januar. In der Neuber-Grundschule Reichenbach fehlten gestern 15 Schüler. Der Bus aus Schneidenbach und Rotschau kam nicht.

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