Reise ins Tatort-Land Erzgebirge

Unter der Regie von Petra Steps legen elf Autoren Krimis rund um die Weihnachts- und Winterzeit vor. Manche Story reicht bis zu Napoleons Zeiten zurück.

Netzschkau.

Solche Metropolen wie Frankfurt/Main oder Köln, die Eifel oder Bad Tölz, malerische Einöden an der See sind erste Wahl, geht es darum, quotenträchtige Krimis in Szene zu setzen. Petra Steps, die Netzschkauer Journalistin, Herausgeberin und Autorin, weicht in ihrer jüngsten Publikation deutlich von dieser Norm ab. Die 24 kriminellen Geschichten, die sie und weitere zehn Kolleginnen und Kollegen für den Band "Glück Auf - oje du fröhliche" geschrieben haben, sie spielen im Erzgebirge oder dessen nördlichem Vorland, weitab von den gängigen Zentren des spannenden Geschehens. Ob es eine Sache des glänzend beherrschten schriftstellerischen Handwerks ist oder ob das Terrain von Natur aus so viel hergibt, sei dahingestellt: Nach der Lektüre dürfte sich der Krimifan in dem Landstrich zu Hause fühlen und hat viel über Natur, Geschichte, Architektur und weihnachtliches Brauchtum erfahren.

So führt eine kreuzgefährliche, vorwiegend geträumte Geschichte des Treueners Christoph Krumbiegel nach Tharandt, wo an der Forstakademie eine noch aus Napoleons Zeiten stammende königlich-sächsische Eliteorganisation insgeheim unerbittlich die Fäden zieht. Herausgeberin Petra Steps und die Rodewischerin Maren Schwarz beleuchten in ihren Kurzkrimis gegenwärtige Sorgen und Nöte. So porträtiert erstere einen glücklosen Stützengrüner Unternehmer, der in Etappen zum tragisch endenden Reichsbürger wird. Maren Schwarz schildert, wie in Schneeberg eine vom Gatten doppelt und dreifach gedemütigte Ehefrau für ihren ausgeklügelten Racheplan die Tradition des Stollenbackens zu nutzen weiß.

Einige der Storys dürften sich gut als Vorlagen für die "Tatort"-Serie eignen. So entpuppt sich in Susanne Ziegerts Schwarzenberger Weihnachtsmarkt-Drama einer der örtlichen, an Liebeskummer leidenden Polizisten als Urheber spektakulärer Anschläge. Ziegert wuchs im Erzgebirge auf. Ähnlich fernsehtauglich ist das von der gebürtigen Vogtländerin Beate Werner in Oederan angesiedelte Geschehen. Jemand führt einen anonym erhaltenen Fotoauftrag, verlassene Gebäude betreffend, aus. Er stößt dabei auf die Spuren eines Gewaltverbrechens. Die Coburgerin Friederike Schmöe steuert ein zuletzt gewaltig ausuferndes Chemnitzer Beziehungsdrama bei.

Schließlich kommen Humor und Übertreibung nicht zu kurz, liefert etwa Roland Spranger aus Dresden eine alle Register ziehende Bad Schlemaer Agenten-Räuberpistole. Der Hofer Francis Mohr lässt einen angehenden Privatdetektiv in Glashütte bei der Aufklärung eines Uhrendiebstahls alle Beteiligten wunderbar an der Nase herumführen. Sein Landsmann Manfred Köhler zeigt auf, wie krachend ein festliches Krimi-Diner vor den Baum gehen kann. Neben gekonnt schnoddrigen, schwarzhumorigen oder herrlich überdrehten Texten gibt es die tastende, der Fantasie des Lesers viel Platz einräumende Sprache der in Leipzig lebenden Bettine Reichelt oder den einer blendenden Logik verpflichteten Stil des Münchbergers Gunnar Schuberth.

Das Buch Petra Steps (Hrsg.). "Glück auf - oje, du fröhliche", 24 kriminelle Geschichten aus dem Weihnachtsland. Gmeiner Verlag. Meßkirch 2019. 281 Seiten. 12 Euro. ISBN 978-3-8392-2528-8.

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