Reiterin: Hätte "Baron" nicht so reagiert, hätte es richtig gekracht

In einem Wald nahe Reichenbach hat ein rasender Motorradfahrer fast Pferd und Reiterin erwischt. Der Vorfall schlägt Wellen, zumal es jüngst einen ähnlichen Vorfall in Hauptmannsgrün gab - die Polizei prüft Parallelen dazu.

Reichenbach.

Prellungen an Rücken und Hand, Schmerzen und eine Krankschreibung. "Es hätte schlimmer kommen können", sagt Sabrina Weber zu den Folgen eines Vorfalls am Sonntag zwischen Reichenbach und Brunn. Die erfahrene Reiterin war an jenem Nachmittag wie so oft mit Wallach "Baron" ausgeritten. Vom Windmühlenweg ging's auf halber Höhe zwischen den Orten in ein Waldstück, in das kurz zuvor jemand mit einer Cross-Maschine gefahren war. "Ich dachte, der fährt hinten aus dem Wald raus. Dann ging alles rasend schnell", erzählt die Reichenbacherin von dem Vorfall, der von ihr und "Baron"-Besitzerin Katja Wolf auf Facebook beschrieben wurde und dort Wellen schlägt - wohl auch, da es jüngst einen ähnlichen Zwischenfall in Hauptmannsgrün gegeben hatte.

In dem Waldstück am Windmühlenweg kam es kurze Zeit nach dem Einbiegen der Reiterin auf einen schmalen und kurvenreichen Trampelpfad fast zur Katastrophe. Plötzlich tauchte die Cross-Maschine in einer Kurve auf und raste auf das im Schritt laufende Pferd zu, erzählt Sabrina Weber. "Das waren Sekundenbruchteile, mir blieb gar keine Zeit, um zu reagieren." Doch das hatte "Baron" glücklicherweise mit einem beherzten Sprung seitwärts in die Büsche übernommen. Die Reiterin fiel dabei von dem 14-jährigen Friesen, der sich sofort schützend über die Verletzte stellte. Der Motorradfahrer donnerte weiter.

Den schmalen, gerade so Pferd und Reiter Platz bietenden Weg nehmen gerne auch Spaziergänger. "Wäre da jemand mit Kinderwagen gewesen - nicht auszudenken. Und wäre in meinem Fall ,Baron' nicht gewesen, hätte es richtig gekracht. Mit seiner besonnenen Art hat er uns vielleicht das Leben gerettet." Ein anderes, weniger in sich ruhendes Pferd, das bekräftigt Katja Wolf von der Kama-Ranch, hätte dieses Ausweichmanöver nicht gemeistert. "Ich bin so froh, dass dies mit ,Baron' passiert ist. Er ist das coolste Pferd, das eine krasse Prüfung super bestanden hat", sagt Katja Wolf und ergänzt den von der Polizei herausgegebenen Bericht zu dem Vorfall.

Darin ist von einer "Begegnung zwischen Reiterin und Motorradfahrer" die Rede. Durch das Fahrgeräusch der Cross-Maschine sei das Pferd erschrocken und hätte die Reiterin abgeworfen, heißt es in dem am Dienstag in einer "Freie Presse"-Meldung wiedergegebenen Bericht. Sabrina Weber: "Diese Lesart erweckt den Anschein, wir hätten etwas falsch gemacht. Das ist eine Verharmlosung der Tatsachen. Wir hatten das der Polizei anders geschildert. Das war keine Begegnung, sondern versuchte Körperverletzung. Hätte ,Baron' nicht blitzschnell so reagiert, wäre der Typ voll in das Pferd gefahren. Der war ohne Respekt und Rücksichtnahme unterwegs. Mit anderen Crossern oder Traktoren auf dem Feld haben unsere Pferde nämlich überhaupt kein Problem."

Und: Der Vorfall war am Sonntag offenbar nicht der einzige mit einer wohl grün-weißen Cross-Maschine und ihrem mit weißem Helm und schwarzer Jacke ausgerüsteten Fahrer. So haben Katja Wolf und Sabrina Weber Nachrichten erreicht, wonach am selben Tag zwei Maschinen in der Region für Unruhe gesorgt haben. Demnach musste eine Frau nur eine halbe Stunde nach dem Vorfall auf eben jenem Windmühlenweg zur Seite springen, um eine gefährliche Situation zu vermeiden. Ähnlich aggressiv sei ein Duo in Friesen in der Nähe eines Erdbeerfelds und an der "Schwarzen Katz" gefahren. Auch Sabrina Weber hatte vor dem Ritt in den Wald ein Crossfahrer-Duo gesehen. "Einer fuhr eher manierlich Richtung Brunn, der andere in den Wald. Seither sind wir mit fotobereitem Handy unterwegs. Das ist für uns kein Spaß mehr, wir nehmen das nicht so einfach hin."

Denn dieser Sonntag weckt nicht nur bei den beiden Pferdefreundinnen Erinnerungen an den 11. August auf der Kappstraße in Höhe von Hauptmannsgrün. Dort war Anett Wagner vom gleichnamigen Arabergestüt mit einer Gruppe von zehn Reitern unterwegs, als ein Mann mit einer Geländemaschine plötzlich voll am Gasgriff drehte. Im anschließenden Chaos stürzten zwei Reiter, auch ein Pferd verletzte sich. "So etwas haben wir noch nicht erlebt. Nicht auszudenken, wenn da Ausflügler unterwegs gewesen wären. Wir hatten Glück, dass wir allein waren", sagt Anett Wagner.

Der Tatverdächtige in diesem Fall, sagt Polizeisprecherin Christina Friedrich, ist nach einem anonymen Hinweis ermittelt worden. Es handelt sich um einen 34-Jährigen. "Die Ermittlungen sind jedoch nicht abgeschlossen, da noch Zeugen gehört werden", sagt die Sprecherin. Im Fall von Reichenbach läuft die Tätersuche noch. "Wir prüfen, ob es Parallelen zwischen beiden Fällen gibt."

Weitere Hinweise nimmt die Polizei in Reichenbach entgegen, Telefon 03765 500.

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