Richtlinie für Kitas: Linke fordert Änderung

Festlegung benachteiligt Patchwork-Familien - Thema soll in Kreistag

Reichenbach/Rodewisch.

Keinen Kita-Rabatt bekommen mehr Geschwister mit nur einem gemeinsamen Elternteil - auf die ihrer Ansicht nach ungerechte Neuregelung hat zuerst die Rodewischerin Daniela Gruner hingewiesen. An sie und auch an Janina Pfau, Kreischefin der Linken, haben sich Betroffene gewandt. Pfau hatte die zugrunde liegende Richtlinie des Landkreises kritisiert. Inzwischen hat die Linken-Politikerin eine Kleine Anfrage ans Landratsamt geschickt, eine Antwort steht aus. "In der Fraktion sind wir uns aber schon einig: Wir wollen eine Richtlinien-Änderung beantragen", so die Politikerin. Klares Ziel sei, "die Benachteiligung von Patchwork-Familien zu beenden". Im nächsten Jugendhilfe-Ausschuss solle das Thema behandelt werden - wann es in den Kreistag komme, sei schwer zu sagen: "Herr der Tagesordnung ist der Landrat ..."

Eine betroffene Mutter schildert gegenüber "Freie Presse", sie habe die neue Regelung als "Schlag ins Gesicht" empfunden. Die 40-Jährige arbeitet in der Verwaltung einer Kommune im oberen Vogtland und möchte anonym bleiben. Ihr siebenjähriger Sohn besucht den Hort, die zweijährige Tochter die Krippe, sie lebt mit dem Vater der Tochter zusammen: "Plötzlich soll mein Sohn nicht mehr zur Familie gehören, weil er einen anderen Vater hat - das tut mir richtig in der Seele weh." Die finanzielle Belastung treffe sie hart. Von der Neuregelung erfuhr sie zum Jahresbeginn und wandte sich sofort ans Landratsamt. Dort habe sie "nur Ausflüchte" zu hören bekommen. "Im Prinzip hat man mir unterstellt, ich sei ja selbst schuld, weil ich Kinder von verschiedenen Männern habe. Aber heutzutage ziehen Partner halt eher die Reißleine - das ist doch nichts Unnormales." Sie habe sich auch an einen Anwalt gewandt, doch dieser habe gemeint, es sei schwierig, hier etwas durchzusetzen - das würde vermutlich jahrelang dauern, entsprechend Geld und Nerven kosten. Sie ist sehr froh, dass Daniela Gruner den Mut hatte, die Sache öffentlich zu machen.

Darüber sind nicht alle froh -in mancher Kita-Leitung hat man wenig Verständnis für die Wortmeldung der Rodewischerin. Warum sie da so aus der Reihe tanze, wo doch alle anderen die Neuregelung akzeptierten, war dort sinngemäß zu hören. Eine andere Kita-Leiterin schrieb auf Facebook, dass Daniela Gruner als Alleinerziehende ja wohl eine Ermäßigung für ihr Hortkind bekäme und dass dank der Neuregelung das Einkommen des Partners nicht mehr angerechnet werde - Patchwork-Familien "profitierten" sogar. "Für mein Kind im Hort einer evangelischen Schule bekomme ich keinerlei Ermäßigung, und das Einkommen des Partners ist auch vorher nicht angerechnet worden", so die Rodewischerin.

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