Schlosskirche außen fast fertig saniert

Für den dritten Bauabschnitt sind 302.000 Euro veranschlagt. Im Innenraum warten jedoch noch einige Herausforderungen.

Netzschkau.

Das Gerüst, das drei der vier Seiten des Bauwerkes umgibt, verrät: Die Sanierung der evangelisch-lutherischen Schlosskirche Netzschkau geht weiter. "Seit März läuft der dritte und letzte Abschnitt der Außensanierung", sagt Andreas Sporn vom Pfarramt Netzschkau.

Im ersten Abschnitt wurde 2010/2011 die Außenhülle des Turmes nach historischem Vorbild erneuert, inklusive der Fenster und der Glocken-Jalousien. Das Kirchenschiffdach bekam eine neue Kupfereindeckung und die Dachgauben zurück. 2015 war die Südfassade zur Schule hin an der Reihe. Sie wurde neu verputzt und erhielt Schutzverglasungen für die drei wertvollen Bleiglasfenster hinter dem Altar.

Im dritten Abschnitt sind jetzt das Kirchenschiff und der untere Turmbereich neu verputzt worden. Derzeit erfolgt der neue Anstrich. Der Granitsockel wurde gereinigt, verfugt und am Turm vergrößert. Die Kirchenfenster erhielten außen eine Sicherheitsverglasung und sind so dauerhaft vor Witterung und Steinwürfen geschützt. Innen wurden Metallrahmen montiert, an dem später die aufgearbeiteten Holzfenster angeschraubt werden. Bereits eingebaut sind auch die neuen Seitentüren. Der rechte Seiteneingang zur Lindenstraße hin ist künftig rollstuhlgerecht. Das Hauptportal wird nebst Vordach restauriert. "Wir hoffen, dass Mitte November alles fertig ist", erklärt Andreas Sporn.

Der dritte Bauabschnitt ist mit 302.000 Euro veranschlagt. Von der Landeskirche fließt dafür ein Zuschuss von 120.000 Euro. Aus Mitteln der Europäischen Union fließen über das Leader-Programm für den ländlichen Raum 100.000 Euro. Und die Kirchgemeinde sichert den Eigenanteil ab. "Ich kann mich als Bürgermeister nur darüber freuen", sagt Mike Purfürst (Gewerbeverein). "Die Kirchgemeinde hat lange gekämpft, dass sie die Mittel erhält."

Bei aller Freude wartet im Inneren der Schlosskirche noch eine ganze Menge Arbeit, die in den nächsten Jahren angepackt werden soll. Andreas Sporn listet auf: Ein neuer Farbanstrich ist dringend nötig. Die letzte Renovierung liege immerhin 60 Jahre zurück. "Die komplette Elektrik muss erneuert werden. Die Dielung, auf der die Kirchenbänke stehen, ist an vielen Stellen nur notdürftig geflickt." Auch die Orgel müsste überholt und gereinigt werden. "Fast jedes Jahr haben wir zwei, drei teure Reparaturen, damit sie überhaupt noch erklingen kann", so Sporn. Das Instrument wurde 1981 eingebaut. 1904 von der Fa. Schmidt & Berger in Borna gefertigt, stand die Orgel bis 1976 in der Kirche in Deutzen, musste dann aber dem Braunkohletagebau weichen. Optimiert werden muss die Heizung: eine Gasluftheizung, die 1955/56 durch die Netzschkauer Maschinenfabrik Nema eingebaut worden war. Zu restaurieren sind zudem die Holzrahmen und die bleiverglasten Kirchenfenster auf den Emporen. "Das kostet und nicht zu knapp", weiß Sporn.

Im Gemeindeblatt August-September 2019 hat der Kirchenvorstand daher schon jetzt um Unterstützung geworben. Ein Überweisungsträger war beigeheftet.


Zur Geschichte der Schlosskirche

Schlossherr Carol Bose hatte 1629 neben dem Netzschkauer Schloss die erste Kirche errichten lassen. Diese Kapelle wurde 1814 wegen Baufälligkeit gesperrt. Am 30. April 1838 wurde der Grundstein zur neuen Schlosskirche gelegt, die im Stil des Klassizismus erbaut und 1840 geweiht wurde. Als einer der wenigen Kunstschätze aus der alten Kapelle konnte eine Predella gerettet werden, die das letzte Abendmahl Jesu darstellt. Diese Alabasterplastik im Halbrelief empfand der Schneeberger Bildhauer Böhm einst dem in der dortigen St.-Wolfgangs-Kirche befindlichen Cranach-Altar nach. 1892 baute man an die neue Kirche zwei seitliche Aufgangstürme zur Empore an und sanierte die Kirche innen und außen. 1908 erhielt die Kirche eine neue Orgel und Buntglasfenster. 1911 wurden im Altarraum zwei große Figuren ausgestellt, die die Apostel Petrus und Paulus darstellen. Anfang der 1970er-Jahre wurden Dach und Putz von Turm und Kirchenschiff außen schon einmal erneuert. 1981 wurde die neue, aus Deutzen umgesetzte Orgel geweiht. Im Jahre 2000 konnte das Glockengeläut umfassend saniert werden, die vier Glocken aus Klangstahl werden seither durch elektrische Läutemaschinen betätigt. (fp)

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