"Schlumpfeisdiele" schafft den Sprung in die Moderne

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Eis gehört für die Vogtländer zum Sommer wie die Sonne. "Freie Presse" widmet dem kalten Genuss und ihren Herstellern deshalb eine Serie. Heute: das legendäre Eiscafé Ebert in Plauen.

Plauen.

Wissen Sie, was das meistverkaufte Eis in Deutschland ist? Stimmt: Spaghettieis. Die nudelartigen Fäden, fast immer die Version Vanille, quetscht auch Alexander Feitisch regelmäßig via Muskelkraft aus der nostalgischen Metallpresse. "Das hat schon mein Opa Bernd Ebert so gemacht", sagt der 33-Jährige Plauener. Der Konditor arbeitet fast sein ganzes Berufsleben lang im Eiscafé, das seine Großeltern zu DDR-Zeiten in der Plauener Gartenstadt eröffnet hatten. "Und als kleiner Stöpsel, da bin ich auch schon in der Backstube mit rumgestiefelt", erinnert sich der Vater einer dreijährigen Tochter.

Als Feitisch noch eben jener Stöpsel war, da sah es im und vor dem Café bereits ähnlich aus. Es gab und gibt zum Beispiel die "Trömel-Stube" mit historischem Originalinterieur und jeder Menge Fotografien an den Wänden - eine Reminiszenz an die einst weithin bekannte Lokalität am Plauener Tunnel. Und die bunten Schmuckfenster verbreiten noch heute wie in den 1980ern einen ganz eigenen Charme. Immer noch im Angebot sind die leckeren Eisschlümpfe mit der Schokoladenmütze. "Die hatten uns damals den Namen 'Schlumpfeisdiele' eingebracht", lacht Feitisch.

Im heimeligen Eiscafé-Garten mit Selbstbedienung kämen die Leute gezielt, auch solche, die längst nicht mehr in Plauen wohnen, aber Kindheitserinnerungen mit dem Geschäft verbinden. Dann kommt es auch mal zu unfreiwillig komischen Dialogen zwischen Eisverkäufer Feitisch und der Kundschaft: "Einmal 'Türkenblut' bitte! Das gibt es doch noch? Mit einer Extra-Portion Erdbeermark!"- "Ich weiß natürlich, was Sie meinen, aber wir müssen den Eisbecher jetzt 'Räuberblut' nennen", antwortet Feitisch dann.

Mit seiner aufgeschlossenen Art hat Feitisch den Spagat zwischen Moderne und Tradition geschafft. Nostalgie, die herrscht vor allem in Verbindung mit dem neuen Café Trömel, das sich heute am Klostermarkt befindet und von Feitischs Mutter Katrin geführt wird. Fürs Trömel backt Feitisch Kuchen und Torten. Mit der Familie Trömel hätten sie allerdings nichts zu tun. "Mein Opa hatte früher nur alles gesammelt, was damit in Verbindung steht", erzählt der Eismacher. Auch 100 Jahre alte Rezepte seien vorhanden. Der Baumkuchen, für den das Eiscafé Ebert ebenso bekannt ist, werde nach einer solchen Geheimmischung gefertigt.

Bier-, Cola- oder Tomateneis - Feitisch hat es schon mit allerlei exotischen Geschmacksrichtungen probiert. Doch die Kunden würden auf fruchtige Softeisvarianten schwören. 16 verschiedene Sorten gibt es - von Mango/Schwarze Johannisbeere über Karamell/Vanille bis hin zu Pistazie oder Waldmeister. Immerhin verpasst der junge Eisexperte diesen jetzt auf Wunsch eine mittels Lebensmittelfarbe geschwärzte Waffelhülle.

Geöffnet ist mittwochs bis samstags von 11 bis 17.30 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Welche Sorte in der Maschine ist, erfahren Leckermäuler - nach kurzem Urlaub - tagesaktuell unter: www.freiepresse.de/softi

www.freiepresse.de/eismacher

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