Schöne Bescherung: Ein echter Kandinsky für den Gabentisch

Dominik Lottes holt seiner Frau zwar nicht die Sterne vom Himmel, aber immerhin einen Kometen ins Treppenhaus. Doch noch kreist dieser zwischen Reichenbach und Plauen.

Reichenbach.

Der scheinbare Makel ist für Dominik Lottes ein Prädikat. "Sehen Sie hier, diesen Riss?", sagt der Versicherungskaufmann in seinem Büro an der Reichenbacher Bahnhofsstraße und deutet auf eine kaum wahrnehmbare Scharte in einer Ecke des Bildes. "Er muss entstanden sein, als es aus dem Magazin herausgelöst wurde." Der Riss sei also ein zusätzlicher Hinweis, dass sein Kandinsky echt ist.

Lottes hält einen Schatz in Händen, wie es ihn in Reichenbach vermutlich nicht noch einmal gibt. 1938 schuf der russische Künstler Wassily Kandinsky seine Farblithografie "Kometen" in einer Auflage von 2000 Exemplaren für das französische Avantgarde-Kunstmagazin Verve. Er ist damit in bester Gesellschaft. Auch Marc Chagall, Henri Matisse und Pablo Picasso veröffentlichten Werke in diesem Magazin. Aus einer dieser Zeitschriften des Jahrgangs 1938 wurde Lottes' Exemplar des "Kometen" herausgetrennt - dabei entstand wohl der Riss. Wie viele "Kometen" noch existieren, darüber kann der Versicherungskaufmann nur spekulieren. "Viele sind es sicherlich nicht", vermutet er. "Seither sind immerhin 80 Jahre und ein Weltkrieg vergangen." Eine Handvoll dieser Lithografien mag es noch geben, schätzt er.

Aufmerksam darauf geworden ist Lottes beim Besuch der Jubiläumsausstellung zu 100 Jahren Bauhaus in Dessau. Die Lithografie selbst hing dort zwar nicht. Aber er fand den Hinweis, dass ein Exemplar, das zu dieser Zeit in Buenos Aires hing, verkauft wird. "Ich war sofort Feuer und Flamme", erinnert er sich. Nicht weil Lottes halt irgendeinen Kandinsky kaufen wollte. Nein, genau dieser sollte es sein. "Kandinsky malte eher auf hellem Untergrund", sagt der 37-Jährige. "Hier ist es schwarz." Auch die Details aus geometrischen Figuren, die sich zum Kometen selbst und den Vögeln drumherum gruppieren, haben es ihm angetan. Und beileibe nicht nur ihm selbst. Auch seine Frau sei begeistert gewesen. Deswegen hat Lottes den Kandinsky nicht für sich selbst gekauft, sondern für sie. Allerdings geht der Versicherungskaufmann davon aus, dass das Bild seinen Platz im Treppenhaus findet. Daran erfreuen können sich also beide. Bis es am 24. Dezember auf dem Gabentisch liegen kann, muss es aber noch gerahmt werden. Dies geschieht zur Zeit in der Plauener Galerie von Peter Geyer.

Bleibt die Frage: Was kostet eigentlich so ein echter Kandinsky? "Das sage ich nicht", wehrt Dominik Lottes lächelnd ab. Ist ja irgendwie logisch. Von anderen Geschenken macht man extra das Preisschild ab, damit der Beschenkte sich darum keine Gedanken macht. "Ganz billig war das Bild nicht", räumt Lottes ein. Aber vom Preis für einen bislang unentdeckten van Gogh immer noch meilenweit entfernt.

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