Schreiben ganz ohne erhobenen Zeigefinger

Beim Buchprojekt der Lengenfelder Oberschule kam es einmal nicht auf Korrektheit an, sondern auf Fantasie und Beobachtungsgabe. Rechtzeitig zu den Ferien war das Werk geschafft.

Lengenfeld.

Ein eigenes Buch gestalten ist gar nicht schwierig und es muss auch nicht viel kosten, höchstens ein wenig Zeit und eine Portion Fantasie. Mit dieser Erkenntnis beendeten die Mädchen und Jungen der 9a der Lengenfelder Oberschule noch rechtzeitig vor den Ferien ihren Literatur-Projekttag mit der aus dem Vogtland stammenden und heute ein Leipzig lebenden Buchillustratorin Christina Röckl. In der freien Zeit, die die Jugendlichen jetzt genießen dürfen, werden sie sicherlich noch oft an diese spannenden Tage zurückdenken. Ein eigenen Buch gestaltet zu haben - das kann schließlich nicht jeder von sich behaupten.

"Ich möchte hier Lust aufs Schreiben machen. Es geht einmal nicht um korrekte Rechtschreibung und Grammatik, sondern um den Spaß am Schreiben", sagt Buchillustratorin Röckl. Um der Kreativität der jungen Leute möglichst freien Lauf zu lassen, war auch ganz bewusst kein Thema vorgegeben, dafür Aufgabenstellungen, die Beobachtungsgabe und Besinnung auf alltägliche Dinge verlangten: die Beschreibung eines Gegenstandes aus dem Gedächtnis, zehn Minuten schweigen und dabei Eindrücke aus der Umwelt auf sich wirken lassen, das Zeichnen der Schuhe, die man an den Füßen trägt - ohne hinzuschauen natürlich - oder sich in einen Wissenschaftler hineinversetzen, einen Forschungsbericht schreiben, der allerdings beeinflusst wird von zugerufenen Worten und von Musik.


Am Ende entstand ein kleines Bilderbuch mit einen gestempelten Cover und handvernähten Seiten. Spezielle Geschäfte mussten die Jugendlichen dazu nicht aufsuchen, Alltägliche Materialien kamen bei ihrer bibliophilen Kostbarkeit zum Einsatz: ein leerer Milchkarton, Nadel, Faden, Papier und Stifte. "Ich möchte zeigen, dass man auch mit einfachen Dingen, sogar aus Abfall, etwas Schönes gestalten kann", so Buchillustratorin Christina Röckl.

Ihr Literatur-Projekt finanziert der Kulturraum Vogtland in der Verbindung mit dem Förderverein der Oberschule. Klassenlehrerin Andrea Petzoldt stand beobachtend dabei. "Das ist ein schönes Erlebnis, zu sehen, wie aus Alltäglichem eine tolle Geschichte entsteht", sagt sie.

Bevor die Neuntklässler in den Genuss des Projekttages kamen, waren am Vortag die Elf- und Zwölfjährigen aus der LRS-Klasse (Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibeschwäche) dran. "Für diese Kinder war es natürlich besonders schön, dass sie einmal schreiben konnten, ohne dass man sie ständig auf ihre Fehler hingewiesen hätte", berichtet Petzoldt.

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