Schüler ehren Dissidenten

Das Leben und Werk von Jürgen Fuchs waren Thema am Goethe- Gymnasium. Das hatte einen Grund.

Reichenbach.

Des 20. Todestages von Jürgen Fuchs (1950 bis 1999) wurde am Donnerstag am Reichenbacher Goethe-Gymnasium gedacht. Knapp 150 Gäste, darunter viele Schüler des Gymnasiums, waren zur Veranstaltung mit Udo Scheer gekommen. Auf knapp 150 Seiten hat der Weggefährte von Fuchs ein Porträt des Schriftstellers, Bürgerrechtlers und Sozialpsychologen skizziert, das biografische Daten, literarisches Schaffen und Zeitgeschichte miteinander verknüpft. Die Thüringer Landeszentrale für politische Bildung hatte den Schriftsteller damit beauftragt. Dort ist sie auch kostenlos erhältlich.

Scheer sprach über Stationen des Lebens- und Leidensweges von Fuchs, der in Reichenbach geboren wurde. Fuchs hatte sein Abitur an der damaligen Erweiterten Oberschule, heute Gymnasium, erworben. Der Psychologiestudent wurde von der Universität Jena zwangsexmatrikuliert, später verhaftet und in die BRD abgeschoben. Andreas Schirneck hatte für die musikalische Umrahmung Lieder mit Texten von Fuchs sowie von Bürgerrechtlern wie Reiner Kunze und dem Reichenbacher Utz Rachowski ausgewählt. Scheer, der für das Gymnasium einen Klassensatz seines Buches mitgebracht hatte, über Fuchs: "In seinem Selbstverständnis störte er auf und stört auf." Der Autor ermunterte die Schüler, den mit dem Besuch des polnischen Germanisten und Autors Ernest Kuczynski eingeschlagenen Weg der Erberezeption weiter zu verfolgen.


Louis Weiß, der für den guten Ton in der Aula sorgte: "Ich fand den Abend sehr interessant. Er passte genau zu dem, was wir im Geschichtsunterricht erarbeitet haben, auch zeitlich. Mich hat vor allem bewegt, wie mit Andersdenkenden umgegangen wurde." Tim Schulz ergänzte: "Das hier ist genauer als der Unterricht, denn es kommt von einem, der auch betroffen war. Dass Jürgen Fuchs hier an unserer Schule war, macht die Sache noch interessanter." Richard Hollerung meinte: "Für mich ist das lange her. Das damals war eine ganz andere Schule als unsere heute." Alle drei sind Schüler der zehnten Klasse.

Unter den Gästen war der Reichenbacher Jörg Schaller, Absolvent der Schule an der Ackermannstraße: "Wir waren zu einer Führung im Gefängnis Hohenschönhausen. Das war beeindruckend und beängstigend, sehr emotional. Als Udo Scheer las, wie Jürgen Fuchs hinter der Gefängnistür saß und weinte, hat uns das unheimlich beeindruckt. Ich glaube, ein Besuch in Hohenschönhausen sollte genau wie in Buchenwald zum Pflichtprogramm für Schüler gehören."

Die weiteste Anreise hatte ein Paar aus Stuttgart. "Ich habe 'Die Zersetzung der Seele' über Psychologie und Psychiatrie im Dienste der Stasi gelesen und bin so auf Jürgen Fuchs gekommen. Psychologie hat ein hohes Missbrauchspotenzial. Wenn jemand über das Thema jammert, empfehle ich Jürgen Fuchs", sagte die Frau. Auch Reichenbach und das Vogtland seien eine Entdeckung für sie gewesen, die sie unbedingt weiterempfehlen wollen. Der Besuch habe sich gelohnt. Mit Michael Stognienko, dem Neffen von Jürgen Fuchs, war auch ein Familienmitglied vor Ort.

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