Schwein gehabt: Eingekesselte Schwarzkittel entkommen Jägern

Eine Handvoll Jäger strengt sich bei der Maisernte erfolglos an. Treffsicher war ein Unternehmer, der die Flucht der Tiere nach Reichenbach mit der Kamera eingefangen hat.

Reichenbach/Gottesgrün.

So ein Schauspiel erlebt man nicht alle Tage. Auch der Gottesgrüner Unternehmer Andreas G. Seidel nicht, der vor seiner Haustüre an der einstigen Bahnlinie nach Neumark Natur pur genießt. "Doch an diesem Vormittag lag etwas in der Luft", berichtet der Verleger und Druckereibesitzer über das Abmähen jüngst eines nahen Maisschlags. "Als ich dann noch Jäger sah, dachte ich mir, hier passiert noch was. Also habe ich mir eine Arbeit und die Kamera mit auf die Terrasse genommen, das Feld hatte ich dabei immer ein bisschen im Blick."

Lange Zeit passierte auf dieser direkt an der Grenze von Thüringen und Sachsen liegenden Naturbühne nichts. Die Erntemaschine verkleinerte das Maisfeld zusehends, die Jäger warteten geduldig - die einen mit Flinte auf ihren mobilen Hochsitzen genauso wie der mit Kamera bewaffnete auf seiner Terrasse. "Dann war kaum noch Mais da, und ich dachte, woher wollen die denn wissen, ob da überhaupt Wildschweine drin sind, da ging plötzlich alles rasend schnell." Als sich der erste Schuss löste, fuhr der Unternehmer von seinem Stuhl auf und brachte die Kamera in Anschlag. "Da wurde auch schon mächtig geballert. Die Schweine waren wie eine Urgewalt aus dem Schlag gebrochen und irre schnell in Richtung Reichenbach gerannt. Ich wollte noch filmen, aber dazu kam ich gar nicht", sagt Andreas G. Seidel und spricht von einem Wunder.


Der Schweinsgalopp war selbst für die Waidmänner zu furios. "Sie haben kein einziges getroffen. Die hatten sicher 50 Sachen drauf", erzählt der Unternehmer. Die Flucht der 14 Tiere verfolgte er bis zu den Hügeln nach Reichenbach hin. Dann verlor er die Schwarzkittel aus den Augen. "Sie werden sich in einem Wäldchen zwischen Brunn und Kahmer versammelt haben und jetzt Thüringer Blut in die sächsischen Bestände bringen."

Für den Greizer Kreisjägermeister Wolfgang Schmeißner ist der Misserfolg der Waidmänner durchaus verständlich. Zwar trainierten die Jäger das Schießen für genau solche Situationen bei simulierten Jagden unter quasi realistischen Bedingungen auf Leinwand - dafür steht etwa das hochmoderne Schießkino Mitteldeutschland bei Hermsdorf zur Verfügung. "Doch die Tiere sind eben wirklich schnell." Zudem könne man aus Sicherheitsgründen lediglich in einem kleinen Zeit- und Raumfenster schießen.

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