Sechs Generationen Handwerk

Vor 134 Jahren gründete Carl Friedrich Trampel einen Malerbetrieb. Seitdem ist das Unternehmen im Familienbesitz. Mittlerweile nimmt erstmals eine Frau aus der Familie die Farbrolle in die Hand.

Reichenbach.

Ganze 63 Jahre trennen Lucie (19) und Manfred (82) Trampel aus Reichenbach. Und doch wurden jetzt sowohl die Enkelin als auch der Großvater von der Handwerkskammer ausgezeichnet. Die Jüngere erhielt ihren Gesellenbrief, der Ältere eine Ehrung zum 60. Jubiläum seines Meisterbriefes. Doch so viele Jahre die beiden auch trennen mögen - eins haben sie gemeinsam: Beide sind Maler.

Die beiden gehören zum Meisterbetrieb Trampel, den Carl Friedrich Trampel 1882 als selbstständiger Maler gegründet hat. Seit 1906 ist der Firmensitz im familieneigenen Gebäude an der Reichenbacher Höferstraße. Lucie ist die sechste Generation und möchte in die Fußstapfen ihres Vaters Thomas treten. Er übernahm den Betrieb, nachdem er das Unternehmen mit seinem Vater über die Wendezeit geführt hat. Je nach Saison beschäftigt der Betrieb bis zu zehn Mitarbeiter, sagt Thomas Trampel, der zugleich Innungsobermeister der Maler-Lackierer-Innung Göltzschtal/Vogtland ist.

Wo heute gleich drei Generationen unterwegs sind, gab es 1964 nur Manfred Trampel und seinen Vater. Da das Wirken privater Unternehmen in der DDR sehr restriktiv gehandhabt wurde, konnte er das Geschäft nicht sofort übernehmen. "Ich hatte in Zwickau als Lehrausbilder in der Genossenschaft gearbeitet. Und aus einem sozialistischen Betrieb heraus durfte man nicht Unternehmer werden", erinnert er sich. Nach einem Jahr in der Firma des Vaters, stellte er den Antrag erneut und bekam eine positive Antwort.

Das ist nicht die einzige Anekdote, die Manfred Trampel mit seiner Berufszeit verbindet. Gerade zu DDR-Zeiten taugte die Malerei als Tauschgeschäft, zum Beispiel für einen Telefonanschluss. Beim Zahnarzt in Planitz traf der Malermeister eine Frau, die es schrecklich fand, dass der Maler telefonisch nicht zu erreichen war. Sie nutzte ihre Beziehungen zu einem Bekannten im Zwickauer Fernmeldeamt. Dort strahlte schon bald neue Farbe, im Malerbetrieb ein neues Telefon.

Material hatte der Malermeister für solche Tauschgeschäfte immer genug. Er war im Vorstand der Einkaufs- und Liefergenossenschaft Plauen, bei der die Unternehmen ihre Utensilien bezogen. Und wenn es mal nicht reichte, wurde an den Staatsratsvorsitzenden geschrieben. Manches ließ sich auch mit einem Kasten Wernesgrüner Bier und ein wenig Plauener Spitze regeln. "Bei einigen Kunden gehörte ich fast zur Familie und war so was wie der Beichtvater. Was ich hörte und sah, blieb bei mir. Handwerk hat mit Vertrauen zu tun", erzählt der Senior.

Er selbst ist heute nicht mehr aktiv tätig, dafür aber seine Enkelin. Lucie Trampel fährt auf die Baustellen oder ins Lager, streicht, spachtelt, tapeziert. Im Netzschkauer Rathaus oder an Fassaden der Wohnungsbaugenossenschaft hat sie ihre Spuren hinterlassen. Sie ist die erste Malerin in der Familie. Inzwischen wurde noch eine Gesellin in der Firma eingestellt. Mit den Männern hat sie kein Problem. "Im Gegenteil. Die sind sehr hilfsbereit und greifen zu, wenn ich etwas nicht aufbringe." Die Malerei ist für die 19-Jährige mehr als nur Beruf. "Ich bin durch den ständigen Kontakt mit diesem Gedanken aufgewachsen und habe mich schon immer dafür interessiert. Am Wochenende war ich oft in der Werkstatt, nach der Schule im Büro", erzählt sie.

Mit dem Gesellenbrief ist sie noch nicht am Ende ihres Weges angekommen. Am 4. November startet für die 19-Jährige in Bad Schlema die einjährige Meisterausbildung. Anschließend winkt der staatlich geprüfte Betriebswirt, denn so ein Handwerksbetrieb besteht aus jeder Menge Bürokratie. Wenn sie fertig ausgebildet ist, kann sich Thomas Trampel in Sachen Betriebsnachfolge entspannt zurücklehnen.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...